Bei Intersnack in Alsbach brennt nichts an

Jörg Opper leitet das Intersnack-Werk in Alsbach - 372 Festangestellte produzieren dort 50 000 Jahrestonnen Gebäck. Foto: Dagmar Mendel

"Es läuft gut", sagt Guido Noll - Chef der Gewerkschaft NGG in Darmstadt. Das Werk gehöre zu den bestfunktionierenden im Konzern. Und das in einem Wachstumsmarkt, der bei...

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ALSBACH. Vor zwei Jahren hieß es bei Skeptikern noch: kein Logistikzentrum - keine Zukunft für den Standort Alsbach des Knabberspezialisten Intersnack. Doch derlei Befürchtungen gehören beim zweitgrößten Lebensmittelhersteller in der Region hinter Langnese in Heppenheim der Vergangenheit an. Das bestätigt auch Guido Noll - Chef der Gewerkschaft NGG in Darmstadt: "Es läuft gut dort." Das Werk gehöre zu den bestfunktionierenden im Konzern. Und das in einem Wachstumsmarkt, der bei Intersnack zusätzliche Effekte zeitigt, wenn TV-Fernsehspots des Branchenprimus mit den Fußball-Ikonen Schwein-steiger und Podolski laufen.

Der neue Alsbacher Werksleiter Jörg Opper (46) weist im Gespräch mit dieser Zeitung darauf hin, dass man die Logistikfragen bestens gelöst hat. Mit der Wormser Firma Trans-Service-Team (TST) sei ein "erstklassiger" Logistikpartner gefunden worden, über den man sich viele Synergien erschlossen hat. Denn in Worms, wo jetzt 50 000 Palettenstellplätze zur Verfügung stehen, wird die Produktion nicht nur aus Alsbach - dem größten Intersnack-Werk hierzulande -, sondern auch die aus der Fabrik in Petersau zusammengeführt. Dadurch sei man dort als Vollsortimenter von Chips bis Salzstangen vertreten und könne den Kunden das komplette Portfolio auf den Lkw packen und Lieferungen optimieren. Was freilich geblieben und nicht kleinzureden ist: Pro Tag gibt es dadurch weiter 150 Fahrten von Sattelzügen durch die enge und gefährliche Hähnleiner Ortsdurchfahrt. Quasi "durchs Wohnzimmer", wie Oppers Vorgänger Peter Schulze einmal gesagt hatte. Und auch die zusätzlichen 40 bis 60 neuen Arbeitsplätze sind deshalb ausgeblieben.

Opper, der beim zerschlagenen Schenck-Konzern in Darmstadt zum Industriemechaniker ausgebildet worden war, hat sich innerhalb von 23 Jahren vom Schlosser bei der Vorgänger-Firma Wolf bis zum Intersnack-Werksleiter in Petersau hochgearbeitet. Als das Angebot kam, diese Funktion in Alsbach zu übernehmen, weil Schulze nur zwei Jahre blieb, habe er nicht zweimal nachdenken müssen. Denn dort kennt er jede Ecke - und eigenen Angaben zufolge 80 Prozent der 372 Festangestellten mit Namen: Ein großer Vorteil, wenn es die Kollegen bei Veränderungen mitzunehmen gilt. Prozesse und Menschen näher zusammenzubringen, Eigenverantwortung stärken vor dem Hintergrund, dass sich jeder jeden Tag um Qualität und Effizienz Gedanken macht, das steht auf der Agenda weit oben. Zumal 70 Prozent der Produktion an Discounter gehen und deshalb hohe Wirtschaftlichkeit von besonderem Gewicht ist. Dies scheint zu gelingen, heißt es, denn Alsbach, eines von fünf Werken hierzulande (30 europaweit), könne sich beim Benchmarking selbst mit Auslandsstandorten gut messen, so Opper. Das macht dem Ober-Beerbacher Mut, weitere Produkte mit höherer Wertschöpfung an Land zu ziehen. Auch das sichert den Standort ab, wo im Dreischicht-Betrieb an zumindest fünf, manchmal sechs Tagen produziert wird.

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Wiege der Pom-Bären steht an der Bergstraße

Und die Geschäfte laufen gut. Das gilt auch für den 30 Jahre alt gewordenen Pom-Bär, der nur im Alsbacher Werk das Licht der Welt erblickt und am Spezialitätenmarkt für Salziges führend ist. Für Auslandsmärkte werden hier Halbfertigprodukte (Pellets) produziert. In der ersten Jahreshälfte legten solche Spezialitäten auf dem deutschen Markt um knapp acht Prozent zu. Und die Intersnack GmbH & Co. KG (Köln), Knabber-Marktführer hierzulande vor Lorenz, steigerte beim Pom-Bär seit 2010 die Menge um satte 56 Prozent. Insgesamt werden an der Bergstraße 50 000 Jahrestonnen an Knabbereien produziert, darunter Goldfischli und Popcorn, das hierzulande immer mehr Fans findet. Die unter Verschluss gehaltenen Kennzahlen seien sehr positiv, es gebe aber noch freie Kapazitäten. Erst dann könne man über Investitionen in weitere Produktionsanlagen nachdenken - Platz genug ist ja vorhanden. Denn die Hälfte des 100 000 Quadratmeter großen Areals ist ungenutzt. Und bald das ehemalige Verwaltungsgebäude, weil der Mieter Alnatura in Darmstadt seine Deutschlandzentrale errichtet.

Von Achim Preu