Auf drei Ebenen Richtung Nachhaltigkeit

Der Darmstädter Standortleiter Matthias Bürk sieht Merck in Sachen Nachhaltigkeit auf einem guten Weg – der Dax-Konzern setzt auf verschiedene ökologische Schwerpunkte.Foto: Dirk Zengel  Foto: Dirk Zengel

Die Chemie bestimmt unseren Alltag: Ob nun bei Lebensmitteln, Medikamenten oder Elektronikgeräten – ohne Chemie geht heutzutage fast nichts. Weil Branche und Produkte aber...

Anzeige

DARMSTADT. Die Chemie bestimmt unseren Alltag: Ob nun bei Lebensmitteln, Medikamenten oder Elektronikgeräten – ohne Chemie geht heutzutage fast nichts. Weil Branche und Produkte aber nicht grundsätzlich nachhaltig sind und Umweltskandale vorkommen, ist das Image nicht immer positiv. Zu Unrecht, wie beim CSR-Frühstück am Donnerstag in Darmstadt betont wurde.

„Gute Chemie, das gab es vor 25 oder 30 Jahren kaum – heute gibt es sie aber immer häufiger“, sagte dazu Dr. Roland Lentz von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt, die diesmal zu ihrer Veranstaltungsreihe beim Dax-Konzern Merck eingeladen hatte. In seiner Begrüßung betonte Lentz die große Bedeutung der Branche: „Die Chemie hält unser Leben zusammen und ist ein wichtiger Standortfaktor für die Region.“

Anschließend verdeutlichte Merck-Standortleiter Matthias Bürk das umfangreiche Engagement des Dax-Konzerns auf dem Weg zur „Grünen Chemie“. „Wir möchten unseren ökologischen Fußabdruck minimieren“, sagte er. „Deshalb kümmern wir uns darum, dass nichts diesen Standort verlässt und die Umwelt schädigt.“ Merck lege aus diesem Grund neben der Produktionssicherheit auch großen Wert auf einen sicheren Transport.

„Wir versuchen das Leben der Menschen direkt und indirekt besser zu machen“, so Bürk weiter. „Der Schlüssel zum Erfolg bei der Nachhaltigkeit sind die drei Ebenen Ökologie, Ökonomie sowie Soziales.“ Der Dax-Konzern setzt auf ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem und hat sich hohe Ziele gesteckt. „Bis 2020 möchten wir unseren CO2-Ausstoß um 20 Prozent gegenüber 2006 reduzieren“, so der Standortleiter. „Aktuell liegen wir bereits bei einem Wert von 17 Prozent, bei gleichzeitigem Anstieg der Produktionsmenge.“

Anzeige

Das Unternehmen produziere rund 70 Prozent des am Standort Darmstadt benötigten Stroms selbst und habe auch den Wasserverbrauch drastisch zurückgefahren. „Anfang der neunziger Jahre lag unser Verbrauch bei rund sechs Millionen Kubikmeter Grundwasser“, erklärte Bürk. „Aktuell verbrauchen wir nur noch etwa zwei Millionen Kubikmeter.“ Er sieht Merck auf einem guten Weg: „Ich glaube, dass wir gute Chemie sicherstellen können.“

Aus der wissenschaftlichen Perspektive argumentierte Prof. Dr. Martin Führ von der Hochschule Darmstadt. Der Jurist ist ein bundesweit gefragter Umweltexperte und wurde im Juli 2016 vom Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zum juristischen Sachverständigen im Rahmen des VW-Abgasskandals bestellt. „Gute Chemie gibt es“, sagte er. „Allerdings reicht es diesbezüglich nicht aus, zu sagen: ,Sie schadet nicht‘.“ Vielmehr sei eine detaillierte Nutzen-Risiko-Betrachtung notwendig.

Nachverfolgbarkeit und Wissen sind entscheidend

„Mit Beiträgen zur nachhaltigen Entwicklung muss das Vertrauen gewonnen werden“, so Führ weiter. „Dabei geht es um die Ebenen Internationale Governance, Regelwerk Europa sowie Zivilgesellschaft.“ Entscheidend sei es dabei auch, den Fokus frühzeitig auf die Zukunft zu richten. „Wer morgen compliant sein will, der muss heute schon beyond compliant sein“, so der Jurist.

Gemeinsam mit seinen Studenten hat Führ die Faktoren identifiziert, die im Jahr 2030 entscheidend sein werden: „Das ist zum einen die Nachverfolgbarkeit und zum anderen Wissen“, so Führ. „Will die chemische Industrie ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, muss sie schnellstmöglich strategische Weichen stellen.“