Südhessische Rallye-Teams auf olympischen Pfaden

Ein Quartett des MSC Rodenstein fährt 2000 Kilometer zwischen Kiel und München auf den Spuren von Walter Röhrl und wird von anderen Rallye-Legenden empfangen.

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SÜDHESSEN. Südhessen (red/udo). Motorsport ist nicht Teil des olympischen Programms und war es auch nicht 1972. Doch eine der größten Motorsport-Veranstaltungen, die es jemals in Deutschland gab, trug vor 50 Jahren genau diesen Namen: Olympia-Rallye. Dahinter steckten 3400 Kilometer von Kiel nach München - mit genau einer Übernachtung.

Auf diesen Pfaden bewegte sich nun ein Tross von knapp 200 Autos, der sich dabei freilich ein bisschen mehr Zeit ließ. Über sechs Etappen und 2000 Kilometer führte die Fahrt unter dem Titel "Olympia Rallye 72 Revival". Mit dabei: zehn Teams, die auch schon vor einem halben Jahrhundert die Marathonfahrt in Angriff genommen hatten. Angeführt vom größten deutschen Rallye-Helden, der damals ein unbekannter, aber schon extrem schneller Pilot war. Walter Röhrl bestritt die Revival-Rallye gleich mit vier seiner Autos, mit denen er nach seinem fulminanten Auftritt vier Mal die Rallye Monte Carlo gewinnen und zwei Mal Weltmeister werden sollte. Darunter natürlich der legendäre Audi Quattro.

Diesbezüglich konnte auch ein südhessisches Quartett ganz gut mithalten. Heinz und Petra Muntermann aus Fränkisch-Crumbach fuhren nämlich ebenfalls in einem Audi Quattro über historische Pfade. Vom MSC Rodenstein gingen ebenso Rainer Schaab und Andreas Emig (Rimbach/Wald-Michelbach) in einem Porsche 911, Wolfgang Kapp und Roger Böhm (Babenhausen/Groß-Umstadt) auf Opel Manta A sowie Werner Koschella und Rainer Sinnigsohn aus Darmstadt vom Kieler Wilhelmsplatz auf die lange Reise über die Etappenziele Wolfsburg, Paderborn, Köln, Speyer und Regensburg. Zu den durchfahrenen Regionen gehörten Harz, Weserbergland, Sauerland, Oberbergisches Land, Altmühltal und Bayerischer Wald. "Die schwierigste und längste Strecke führte uns über Eifel, Hunsrück, Nahetal und Pfälzer Wald nach Speyer", berichtet Petra Muntermann, die sich am dortigen Technikmuseum mit ihren MSC-Vereinskollegen auch über den Besuch vieler Fans aus der Region freute.

Gala mit Rallye-Legenden als krönender Abschluss

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Ein begeisternder Empfang in München krönte schließlich eine aufregende Woche. "Wir kamen bis auf eine Ausnahme erschöpft, aber glücklich ins Ziel." Das Duo Koschella/Sinnigsohn musste zwar nach einem technischen Defekt recht früh aufgeben. Rainer Sinnigsohn konnte dann aber einen befreundeten Fahrer aus der Pfalz unterstützen, dessen Co-Pilot in Köln aufgeben musste. Und in München war das Team des MSC Rodenstein wieder komplett, weil auch Werner Koschella sich das Erlebnis nicht entgehen ließ.

"Wir haben einen wunderbaren Gala-Abend mit viel Prominenz genossen", berichtet Petra Muntermann weiter. Neben dem Weltmeisterteam von 1980 und 1982, Walter Röhrl mit Co-Pilot Christian Geistdörfer, war neben dem Franzosen Jean-Pierre Nicholas auch der Gesamtsieger der Olympia-Rallye 1972 und die finnische Motorsportlegende Rauno Aaltonen zugegen. Überraschungsgast des Abends war der achtfache und amtierende Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier mit Ehefrau, der Fernsehmoderatorin Andrea Kaiser.

"Die Fahrt wurde durch tausende Fans begleitet, die die Teams am Straßenrand mit Plakaten und Beifall Tag für Tag anfeuerten", ist Petra Muntermann auch Tage nach diesem besonderen Motorsport-Erlebnis noch fasziniert und spricht dabei für ihre Vereinskollegen: "Diese Emotionen, neue geschlossene Freundschaften und grandiose Eindrücke der verschiedenen Landschaften und Städte werden allen Teilnehmern in Erinnerung bleiben."