WM-Titel bringt die Wende

aus Zeit-Lupe

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Die Stärke am Schießstand zeigte Andrea Henkel nicht nur 2005. Auch 2008 in Östersund sicherte sie sich mit ihrer Treffsicherheit einige Medaillen. Archivfoto: dpa

Biathletin Andrea Henkel überrascht sich 2005 in Hochfilzen selbst. Nach zwei durchwachsenen Wintern bringt die Thüringerin, als Ersatzfrau angereist, ihre Karriere wieder in...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Hochfilzen. Leise rieselt der Schnee, als Biathletin Andrea Henkel am 10. März 2005 in die Spur geht. 15 Kilometer Laufen, viermal Schießen stehen an bei dieser Weltmeisterschaft. Trotz des Schneefalls huschte noch vor dem Start ein Lächeln über das Gesicht der Thüringerin. die 15 Kilometer sind für die gute Schützin die Lieblingsstrecke. Nur dank der Erkrankung von Kollegin Martina Glagow-Beck ist Henkel überhaupt am Start, war sie doch nach einem durchwachsenen Saisonverlauf nur als Ersatzfrau mit nach Österreich gefahren. Keine Erwartungen.

52,37.5 Minuten pflügt sich Andrea Henkel durch den Schnee, zielsicher geht nur einer ihrer 20 Schüsse daneben. 30 Sekunden Vorsprung vor Sun Ribo aus China. Gold. Unerwartet, überglücklich. Ein entscheidender Moment in ihrer Karriere.

Aufhören? - Der Gedanke war da

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Enormen Druck hatte die 1,58 Meter große Athletin schon erlebt und war daran fast gescheitert. 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City glich es einer Sensation - Andrea Henkel holte Gold auf ihrer Paradestrecke sowie mit der Staffel. Danach eine Durststrecke, PR-Termine fraßen Trainingszeit, Weltcupform und Lust am Sport auf, große Erfolge blieben aus. Aufhören? "Ja, der Gedanke war da", sagte die 37-Jährige nach dem Karriereende 2014 in etlichen Interviews. Und dass der WM-Titel 2005 in Hochfilzen die Wende gebracht hat, auch nach Olympia 2006 in Turin noch weiterzumachen. "Das war der schönste Titel meiner Karriere und ein bewegender Moment. Es ist der wichtigste Erfolg meiner Laufbahn" - Worte einer Ausnahmesportlerin, die sich Doppelolympiasiegerin und Achtfach-Weltmeisterin nennen darf, die in 19 Jahren Weltklasse-Biathlon 20 Medaillen einsammelte, 46 Weltcups gewann und 2008/09 die Saisonbeste war.