Pokerface Dietmar Mögenburg hat alles im Griff

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Ganz sicher über jede Höhe: Dietmar Mögenburg bei seinem Olympiasieg 1984 in Los Angeles. Archivfoto: VRM

Los Angeles, 11. August 1984: Dietmar Mögenburg leistet sich im olympischen Hochsprungfinale bis zum Gold keinen Fehlversuch. Der Kölner ist ein absoluter Wettkampftypen - und...

Anzeige

. Deutsche Leichtathleten stehen in den 1980er Jahren nicht gerade im Ruf, ausgesprochene Wettkampftypen zu sin. Doch Dietmar Mögenburg ist anders. Während sich Zehnkampf-Weltrekordler Jürgen Hingsen bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles vergeblich an den Psychotricks seines Rivalen Daley Thompson aufreibt, setzt der erst 23 Jahre junge Hochspringer vom ASV Köln sein berühmt-berüchtigtes Pokerface auf.

Am 11. August hat Mögenburg alles im Griff. Beim Finale im Los Angeles Memorial Coliseum meistert der 2,01-Meter-Schlacks alle Höhen im ersten Versuch. Bei 2,33 Meter muss Weltrekordler Zhu Jianhua, einer der ersten internationalen Sportstars aus China, die Segel streichen. Bei 2,35, über die Mögenburg wie selbstverständlich segelt, ist auch der Schwede Patrik Sjöberg am Ende - Olympiasieg für "Didi" Mögenburg.

Späte Genugtuung für die Boykott-Spiele 1980 in Moskau

Für ihn ist es vor allem eine Genugtuung nach den wegen des Boykotts verpassten Spielen 1980 in Moskau. "Zwei Monate vor der Abiturprüfung bin ich damals in der Schule ausgestiegen, um mich konzentriert auf die Olympischen Spiele vorzubereiten", erinnert sich Mögenburg an das persönliche Desaster von 1980. Seinen größten Triumph in Kalifornien kommentiert der Rheinländer, der 1982 in Athen auch Europameister geworden war, unprätentiös, wie es seinem Naturell entspricht: "Alte Freundschaften bedeuteten mir viel, mehr als die Goldmedaillen, die irgendwo in Schubladen verstauben."

Anzeige

Zur Pflege alter Kontakte kommt er allerdings nur noch selten, seit er vor ein paar Jahren nach Norwegen ausgewandert ist. Dort lebt Mögenburg in einem Vorort von Oslo mit seiner Frau und den beiden Kindern Jonas und Katarina, die ebenfalls mittlerweile vielversprechende Leichtathleten sind. Ihr Vater, der einst in der Halle 2,39 Meter hoch sprang, ist jetzt 53 und ruht in sich selbst.

Dietmar Mögenburgs olympischer Hochsprung-Sieg 1984 in Los Angeles: