Peter Beuth: "E-Sport hat mit Sport nichts zu tun"

Peter Beuth beim Turn- und Sportkongress.  Foto: HTV

Hessens Innenminister bezieht in Darmstadt klare Stellung in der Bewertung digitaler Spiele. "Gaming hat seinen Wert. Aber es gehört nicht in eine Sportorganisation als solche...

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DARMSTADT. Das Thema stand in keinem Titel der mehr als 300 Workshops. Aber Peter Beuth war es ein Anliegen, darüber zu sprechen: E-Sport. "Wir sind herausgefordert durch ein offenbar neues Sportverständnis. Ist diese Daddelei vor dem Fernseher am Ende auch Sport?", sagte und fragte der hessische Innenminister in einer Ansprache an die Teilnehmer des Turn- und Sportkongresses in Darmstadt noch in ruhigem Ton. "Mir ist noch nicht klar, wie Bewegen aus Daumen und Zeigefinger Sport sein soll, auch wenn sich auf Bildschirm was bewegt. Wenn uns die Frage der Bewegung beschäftigt, dann passt das nicht." Auf der folgenden Pressekonferenz kam der CDU-Politiker aber in Fahrt, als es um die Bewertung digitaler Spielformen ging.

"E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren", erklärte Beuth: "Auf diesem Kongress geht es um Bildung und Gesundheit. Wir wollen die Kinder in die Turnhalle und auf den Sportplatz kriegen. Gaming hat seinen Wert. Aber es gehört nicht in eine Sportorganisation als solche hinein. Weil es sich mit einem Titel schmückt, dessen Werte ich dort vermisse."

Verbände geben sich weniger entschlossen

Der hessische Minister saß dabei zwischen zwei Vertretern von Verbänden, die sich in der Bewertung nicht so final festlegen. Norbert Kartmann ging als Präsident des Hessischen Turn Verbandes auf den gern genommenen Einwand ein, dass Schach ja auch seinen Platz im Deutschen Olympischen Sport Bund gefunden habe. "Wenn sie mich fragen: Würden Sie Schach heute noch aufnehmen, dann hätte ich meine Zweifel", erklärte der aus der Schach-Hochburg Butzbach stammende Kartmann, der persönlich ergänzte: "Das heutige Daddeln ist nicht der Sport in dem Sinn, wie ich ihn verstehe."

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Von einer "nicht abgeschlossenen Diskussion" spricht Ralf-Rainer Klatt als Vizepräsident des Landessportbundes: "Wenn junge Menschen an die Vereine herantreten und sagen, wir würden E-Sport gerne als Mannschaftssport betreiben, dann ist das auch noch einmal was anderes als wenn der Einzelne alleine mit der Konsole gegen seinen Computer antritt", erklärte der Leiter des Darmstädter Sportamts: "Man muss E-Sport als Teil des Digitalisierungsprozesses unserer Gesellschaft betrachten, der eben auch im Sport angekommen ist."

Da fand Klatt bei Peter Beuth nicht den Ansatz von Zustimmung: "E-Sportler sind keine Sportler, da bleibe ich konservativ. Und diese Gemeinschaft im E-Sport ist ja nicht das, was Millionen von Kinder machen. Sondern die sitzen alleine vor der Konsole und haben vielleicht einen Spielpartner, der sonstwo auf diesem Planeten sitzt." Beuth bezeichnete es sogar als "katastrophal", dass die Große Koalition in Berlin E-Sport sogar mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung olympischer Perspektiven unterstützen will.

Dann verwies er darauf, dass E-Sport nicht nach den Regeln der Sportverbände, sondern eines amerikanischen Unternehmens gespielt werde. Schließlich schloss er seine Ausführungen mit einer väterlichen Bewertung: "Ich möchte meinem Sohn nicht erlauben, dass er zu mir sagen kann: 'Ich betreibe Sport' wenn er vor der Fifa19 sitzt und gerade Barcelona gegen Madrid spielt."