Komplexe Bewertung ohne Transparenz

aus Zeit-Lupe

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Der Bildschirm der Preisrichter im Eiskunstlauf ist komplexer geworden. Nur sieben der zwölf Preisrichter gehen in die Bewertung ein. Archivfoto: imago

Das vor zehn Jahren neu eingeführte Bewertungssystem im Eiskunstlauf sollte den Preisrichter-Skandal von Olympia 2002 vergessen machen. Doch Zweifel an der Gerechtigkeit in der...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Doppel-Rittberger, Dreifach-Axel, Vierfach-Lutz, dazu eine aussdrucksstarke Kür - Garanten auf dem Weg zum Eiskunstlauf-Erfolg. Eigentlich. Jedoch konnten sich Publikum und Sportler jahrzehntelang nicht dagegen erwehren, dass die Preisrichter an der Bande im "6,0-System" Lieblingsschüler bevorzugten. In der A-Note - dem technischen Niveau - und der B-Note - dem künstlerischen Anspruch - steckte die Würze dieser Sportart. Gleichwohl aber auch die Krux, ist Gefallen doch oft sehr subjektiv. Zu subjektiv, wie der Preisrichter-Skandal bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City bewies, bei denen osteuropäische Starter überdurchschnittlich bevorteilt worden waren.

Mit einem neuen Wertungssystem sollte alles besser werden. Erstmals setzte die Internationale Eislaufunion es 2005 ein. Transparenter und objektiver sollte es sein. Statt festgelegter neun Preisrichter votierten nun zwölf, von denen sieben in die Wertung gingen - neun vom Computer erwürfelte abzüglich der besten und der schwächsten Bewertung. Während die Preisrichter sich auf die Qualität der dargebotenen Elemente konzentrierten, schätzten drei zusätzliche Funktionäre das technische Niveau ein. Eine komplexe Anzahl von Funktionen auf Touchscreens "rundete" die Neuheit ab.

"Stars haben einen Bonus"

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Damit begann auch das Warten und Zittern in der Box. Waren wir gut? Reicht das für ganz vorne? Der Computer wirft für Sasha Cohen aus den USA bei den Weltmeisterschaften Mitte März 2005 Platz zwei aus. Silber für die Eisläuferin. Ein Erfolg. Doch nicht für das Bewertungssystem, bei dem außer dem Computer keiner so recht durchzublicken scheint. Transparenz? Ausgerechnet in Russland muss das neue System seine Feuertaufe bestehen. Drei der vier zu vergebenden Titel holt der Gastgeber. Heimvorteil? Besondere Klasse? Oder erneut Schiebung?

Ein Zufall, dass der ästhetisch laufende Russe Jewgeni Pljuschtschenko zwei Monate zuvor mit knappen zwei Punkten Vorsprung Europameister wurde, obwohl sein technisches Niveau unter dem der Konkurrenz lag? Für Ex-Juror Joe Inman (USA) ist klar: Stars wie der Olympiasieger haben einen Bonus. Und den bekommt auch das neue System nicht weg.