Hertha gegen Union - Berliner "Familientreffen"

aus Zeit-Lupe

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Axel Kruse, hier im Dress der Berliner Hertha im Duell mit Borussia Dortmund, erzielte im ersten Derby nach der Wende das 1:0 für den West-Klub. Archivfoto: imago

51.270 Zuschauer erlebten vor 25 Jahren das erste Berliner Derby zwischen Hertha BSC und 1. FC Union nach der Wende. Hertha gewinnt mit 2:1.

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. Von Roland Hessel

Ein wenig Bauchschmerzen hatten die Organisatioren und Veranstalter schon, als sie das "Berliner Fußball-Familienfest" so kurz nach dem Mauerfall aus der Taufe hoben. Schließlich sollten sich - in aller Freundschaft - mit der Westberliner Größe Hertha BSC und dem Ostberliner Underdog 1.FC Union zwei Vereine messen, die sich nicht unbedingt immer grün waren.

Am Ende waren dann aber doch alle mehr als zufrieden. Die stolzen 51.270 Zuschauer, die eine Partie auf "gutem Zweitliga-Niveau" erlebten, wie der Berliner Tagespiegel in seiner Ausgabe am 28. Januar 1990 berichtete. Die Akteure auf beiden Seiten, die sich einen offenen und fairen Schlagabtausch auf Augenhöhe geliefert hatten. Und schließlich auch die Berliner Polizei, die in ihrem Abschlussbericht nur "unerhebliche Konfrontationen zwischen Anhängern beider Vereine und 80 DDR-Skinheads" vermerken musste.

Pfiffe gegen Dynamo-Fans

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Dabei war es während der Partie durchaus zu einer kritischen Situation gekommen, als sich rund 100 Anhänger des BFC Dynamo Berlin zu erkennen gegeben hatten. Ungeliebt war der Stasi-Klub vor allem im Osten der noch vor kurzem geteilten Stadt. Diesmal standen Hertha-Fans und Union-Anhänger plötzlich "eisern" zusammen. "Stasi raus" hallte es durchs gut gefüllte Stadionrund - und die Polizei bereinigte die Situation, bevor sie eskalieren konnte, indem sie die Dynamo-Fans "zum eigenen Schutz" aus dem Olympiastadion führte.

Das Spiel konnte ungestört weitergehen und die Hertha, als ambitionierter West-Zweitligist, am Ende einen durchaus glücklichen 2:1-Erfolg bejubeln, den Neuzugang Axel Kruse und Dirk Greiser bei einem Gegentor von André Sirocks sicherstellten. Gewinner war, neben den karikativen Einrichtungen, an die die Eintrittspreise (fünf West- oder fünf Ostmark) flossen, aber dennoch vor allem der Osten: Schließlich sollen mehr als zwei Drittel der Besucher im Stadion aus jenem Teil der Stadt ins Stadion gepilgert sein, der noch vor nicht allzu langer Zeit von einer Mauer umgeben war.