Eddy Merckx - Der erste Biss des Kannibalen

aus Zeit-Lupe

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Eddy Merckx während einer Zielankunft bei der Tour de France 1970. Archivfoto: dpa

Sallanches, 5. September 1964: Mit 19 Jahren wird Eddy Merckx zum jüngsten Straßen-Weltmeister aller Zeiten. Der aufstrebende belgische Radfahrer hält das eher vür ein...

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. Seinen Spitznamen "Der Kannibale" bekam Eddy Merckx erst viel später, doch als er zum ersten Mal zubiss, horchte die Fachwelt sofort auf. Am 5. September 1964 gewann der Belgier in Sallanches in den französischen Alpen die Straßen-Weltmeisterschaft der Radamateure. Mit 19 Jahren ist er der jüngste Fahrer, der jemals diesen Titel gewann.

Richtig glücklich war Merckx darüber demVernehmen nach nicht, weil seiner Meinung nach die Gewinner der wichtigsten Amateurtitel später als Profis meistens nur im Feld mitrollten. Mitrollen war aber schon in jungen Jahren nicht die Sache des Edouard Louis Joseph Baron Merckx. In Sallanches fuhr er dem Feld, in dem allerdings die starken DDR-Fahrer fehlten, weil sie kein Visum erhalten hatten, fünf Kilometer vor dem Ziel spielend leicht davon und siegte vor seinem Landsmann Willy Planckaert.

Der vielseitigste Radprofi aller Zeiten - aber auch im Doping-Zwielicht

Für Merckx war es der vorletzte Auftritt als Amateur. Beim olympischen Rennen in Tokio wurde er wenige Wochen später Zwölfter, dann wechselte er Anfang 1965 zu den Profis, wo er eine beispiellose Karriere begann - mit allem, was bei einem Radstar dazugehört. Fünfmal triumphierte er bei der Tour de France, ebenso oft beim Giro d’Italia. Merckx war vielseitig wie kein anderer, er brillierte am Berg, im Flachen bei den Frühjahrsklassikern, im Sprint und im Kampf gegen die Uhr, sogar einen Stundenweltrekord stellte er auf. Weil er - anders als die anderen "Patrons" im Feld, seinen Gegner keinen noch so kleinen Erfolg gönnte und immer am Limit fuhr, erhielt er bald den Spitznamen "Kannibale". Als solcher geriet auch er ins Doping-Zwielicht. Jahrelang nahm er Cortison, bevor dieses 1980 auf der Verbotsliste landete. 1969 wurde er unter ungeklärten Umständen vom Giro ausgeschlossen, auf ebenso dubiose Weise erhielt er vor der Tour sein Startrecht zurück.

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Die Merckxsche These, gute Amateure kämen als Profis oft auf keinen grünen Zweig, bestätigte sich übrigens im Jahr seines ersten großenTriumphes in Sallanches. Olympia-Gold holte 1964 in Tokio der Italiener Mario Zanin. Von ihm hörte man später nie mehr etwas.

Eine Dokumentation des Senders ESPN über Eddy Merckx: