Bolkarts Triumph bei der Vierschanzentournee

aus Zeit-Lupe

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Mit den Armen voraus, die Ski parallel - so sprang man vor 55 Jahren von der Schanze. Max Bolkart war der erste Westdeutsche, der die Vierschanzentournee gewann. Archivfoto: imago

Max Bolkart hat als erster Westdeutscher vor 55 Jahren die Vierschanzentournee gewonnen. Der Preis: Ein Set Schnellkochtöpfe.

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. Von Johannes Holbein

Vor 55 Jahren hat Max Bolkart es geschafft, er gewann einen Satz Schnellkochtöpfe. Und der Skispringer aus Oberstdorf hat mit diesem Triumph Geschichte geschrieben. Nicht weil er daraufhin Besitzer von Kochtöpfen war - Bolkart hat als erster Skispringer der BRD die Vierschanzentournee gewonnen. Die Arme nach vorne gerissen, als wollte er einen Kopfsprung in den Schnee setzen, flog er in Oberstdorf, Garmisch und Innsbruck zu Tagessiegen. In Bischofshofen reichte ihm dann ein fünfter Platz zum historischen Erfolg.

Dabei war Skispringen gar nicht das Ziel des Oberstdorfers: In seiner Kindheit wollte er alpine Skirennen fahren. Er war aber zu schmächtig und entschied sich deshalb mit 15 für die Schanze. Sein Beruf war das jedoch nicht. Bolkart arbeitete als Maschinist für die Elektrizitätswerke in Oberstdorf. Die Scheinwerfer der Schanze, die später seinen Auftaktsieg beleuchteten, montierte er selbst. Er profitierte vom sogenannten Flaggenstreit: Die DDR wollte mit einer eigene Flagge starten. Hammer und Zirkel sollten darauf zu sehen sein. Das wurde von der Bundesrepublik als Provokation aufgefasst, die Flagge und das Abspielen der DDR-Hymne daraufhin verboten. Da auch der Innsbrucker Bürgermeister Lugger das Hissen der "Spalterflagge" verwehrte, reisten die DDR-Springer ab. Sie waren davon ausgegangen, dass sie zumindest bei den Springen in Österreich akzeptiert würden.

Unter den Sportlern der DDR war auch Helmut Recknagel. Er sprang in den zwei Jahren zuvor und auch das Jahr darauf zum Gesamtsieg. Bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley holte er Gold. Solidarisch zeigten sich die Springer aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Polen: Sie boykottierten allesamt die Tournee. Der Weg für Bolkart war frei, er wurde in Zeiten des Kalten Krieges zum gefeierten Held.