Beeindruckt vom Kampfgeist: Patrik Kühnen kommt zur TEC-Gala

Dreimal hat er den Davis-Cup gewonnen, einmal gar Jimmy Connors besiegt: Patrik Kühnen, hier 1989 beim Turnier in Wimbledon, gehört zur "Goldenen Generation" des deutschen Tennis. Am Samstag spielt er in Darmstadt. Foto: imago

Der dreifache Davis-Cup-Gewinner freut sich auf die "Du musst kämpfen"-Trophy beim TEC Darmstadt am Samstag. Im Team hat sich der heute 56-Jährige immer am wohlsten gefühlt.

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DARMSTADT. Patrik Kühnen freut sich auf das kommende Wochenende. Auf ein Treffen mit vielen ehemaligen Weggefährten, auf die Möglichkeit, eine richtig gute Sache zu unterstützen, auf ein paar Stunden voller Spaß und Wohltätigkeit. Der frühere Tennisprofi ist einer von vielen Prominenten, die am Samstag bei der Tennis-Gala "Du musst kämpfen" beim TEC Darmstadt den Schläger schwingen, um Geld für die Stiftung des 2016 an Krebs verstorbenen Jonathan "Johnny" Heimes zu sammeln.

Dreimal hat er den Davis-Cup gewonnen, einmal gar Jimmy Connors besiegt: Patrik Kühnen, hier 1989 beim Turnier in Wimbledon, gehört zur "Goldenen Generation" des deutschen Tennis. Am Samstag spielt er in Darmstadt. Foto: imago
Patrik KühnenFoto: privat

Kühnen, dreifacher Davis-Cup-Gewinner (1988, 1989 und 1993), zweifacher World-Team-Cup-Sieger (1988 und 1994) und mittlerweile 56 Jahre alt, ist das erste Mal in Darmstadt dabei - was er hörbar bedauert. "Das ist ein recht beliebtes Wochenende für Turniere", sagt er, "bisher war ich terminlich leider immer verhindert. Jetzt aber freue ich mich auf meine Premiere, das ist ein tolles Event für eine wirklich tolle Sache."

Es ist die mittlerweile achte Trophy, viele Größen des Tennissports haben auf dem Gelände des TEC schon aufgeschlagen. Ohne Andrea Petkovic, die Jonathan Heimes eine gute Freundin gewesen war, gäbe es dieses Event sicher nicht, auch sie wird am Samstag wieder dabei sein. "Ich durfte das eine oder andere Interview mit ihr führen, seit ich auch beim Fernsehen mal dabei bin", sagt Kühnen, "sie ist sehr authentisch, ein Typ eben. Manchmal hätte ich ihr ein bisschen mehr Lockerheit auf dem Platz gewünscht. Aber sie hat die Zeit immer gut genutzt, um sich auch abseits des Tennis zu positionieren." Ihre Karriere hat Petkovic vor wenigen Tagen offiziell beendet, gut möglich, dass sie bei keinem größeren Turnier mehr aufschlägt. Sorgen macht sich Kühnen nicht um sie: "Sie war immer sehr vorausschauend und hat immer darüber nachgedacht, was nach der Karriere kommt."

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Die Geschichte von "Johnny" Heimes kennt er natürlich, sie hat ihn beeindruckt. Kampfgeist und Wille haben es ihm besonders angetan. "Die Message ,Du musst kämpfen' gilt ja nicht nur für den Sport", sagt der 56-Jährige, der oft als Tennis-Experte im Fernsehen zu sehen ist. "Es gibt im Leben immer mal Situationen, in denen man vor einer Wahl steht. Die äußeren Umstände kann man oft nicht beeinflussen, aber die Art und Weise, wie man darauf reagiert. Da hat man durchaus eine Wahl."

Hoffnung und Perspektive sind wichtig, findet er. Ohne freilich komplett nachvollziehen zu können, was etwa Tore Meinecke durchgemacht hat, der nach einem Verkehrsunfall im Sommer 1989 wochenlang im Koma lag und sich danach erfolgreich ins Leben zurückkämpfte. Meinecke hatte 2021 den "Du musst kämpfen"-Preis bekommen. Zusammen hatten die beiden 1988 in Rotterdam im Doppel ein Turnier gewonnen, einer von drei Doppel-Titeln Kühnens.

Der hatte 1994 einen Bandscheibenvorfall, war sieben Monate außer Gefecht. "Das kann man natürlich in keinster Weise vergleichen", sagt Kühnen, der sich aber auch zurückkämpfen musste - auf eine andere Art freilich. "Ich habe mich damals gefragt, wie es weiter geht, welchen Weg ich gehen soll. Ich habe mich gefragt, welche Perspektive ich habe." Gerade noch auf der ganzen Welt unterwegs, drohte plötzlich das Karriereende. Bis 1996 war er noch auf der Tour dabei, dann war Schluss.

Patrik Kühnen war stets Teamplayer. Seinen größten Sieg feierte er dennoch im Einzel, in Wimbledon war das, 1988. Dort gewann er als 22-Jähriger im Achtelfinale gegen den 35 Jahre alten US-Amerikaner Jimmy Connors. "Das war sicher mein erinnerungswürdigstes Match als Einzelspieler. Aber eigentlich habe ich in der Mannschaft immer am besten gespielt." Dass ihm der Teamgedanke über alles geht, beweist er mit dem Hinweis, dass der Sieg gegen Connors zwar toll gewesen sei, ein anderer ihm aber viel mehr bedeute. Mit Michael Stich schlug er im Davis-Cup-Finale 1993 in Düsseldorf die Australier Todd Woodbridge und Mark Woodforde in vier Sätzen - "das war für mich der wichtigste Sieg".

Feiern mit dem Team, das war dem heute 56-Jährigen nämlich immer wichtig. "Das hat man im Einzel halt einfach nicht so", sagt er. Mit anderen zusammen sei man immer stärker. Dazu zählt auch, sich Hilfe zu holen, wenn es mal nicht läuft. "Ein gewisses Umfeld, eine gewisse Peergroup ist immer wichtig", weiß er. "Man kann immens viel bewegen, wenn man die Dinge in die Hand nimmt und sich ihrer richtig bewusst wird."

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Das wissen sie natürlich auch beim SV Darmstadt 98, der am Samstag ab 13 Uhr ein paar Meter weiter gegen den 1. FC Nürnberg um Zweitliga-Punkte spielt. Abends werden dann Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht und Torwarttrainer Dimo Wache beim TEC vorbeischauen - Wache erhält in diesem Jahr den "Du musst kämpfen"-Preis, Lieberknecht hält die Laudatio. Kühnen freut sich drauf - auch wenn er die beiden nicht wirklich kennt. "Ich bin im Fußball nicht so zuhause", sagt er lachend, "aber ich bin sicher, dass wir gut miteinander auskommen."

Das werden sie mit Sicherheit - im Dienst einer richtig guten Sache und unter vielen Freunden.