Werfertag des VfL kommt bei seinen Stammgästen gut an

Schickt seinen Speer gleich auf die Reise: Gustav Stähle. Foto: Sturm

Es ist ein Tradition, die verpflichtet: Der Werfertag des VfL Bad Kreuznach ist nicht nur ein echter Dino im Sportkalender, sondern für viele ein echter Pflichttermin. Seinem...

Anzeige

BAD KREUZNACH. (st). Während immer mehr sportliche Traditionsveranstaltungen aussterben, halten die Leichtathleten des VfL Bad Kreuznach die Wettkampffahnen weiter hoch: Mit einer „Lebensdauer“ von mehr als einem halben Jahrhundert sind die Werfertage zum Beginn und Ende der Freiluft-Saison ein echter Dinos im Naheland-Sportkalender – und auch im Terminplan vieler Stammgäste: die reisen gerne vom Rheinland und Saarland oder aus Südhessen zur Veranstaltung im Moebusstadion an. Das Durchschnittsalter im Teilnehmerfeld liegt meistens bei etwa 70 Jahren, mitunter starten noch ein paar Nachwuchssportler, die hier vielleicht noch eine gute Saisonleistung für die Bestenliste anstreben. Jetzt waren wieder mehr Ü75-Sportler am Start als U30-Teilnehmer, der älteste war der 87-jährige Ernst Zuber aus Bad Soden.

„Für die alten Herrschaften ist das eine ganz wichtige Veranstaltung“, unterstrich VfL-Abteilungsleiter Peter Dewein. Da gehe es nicht um eine Platzierung, sondern um die persönliche Leistung und das Spüren, dass man noch nicht zum alten Eisen gehöre. Als Beispiel führte er ein Ehepaar an, das immer noch begeistert komme, obwohl er auch schon seine Herz-OP hatte. Die beiden hatte man dann auch schon mit dem Auto nahe an die Leichtathletikanlagen fahren lassen, weil der Weg von Parkplatz zu beschwerlich gewesen sei. Die Wurfdisziplinen absolvieren beide aber mit Leidenschaft – „und vielleicht leben sie deshalb auch zehn Jahre länger“, sagt Dewein. Das Verständnis der Veranstalter für die Senioren rührt auch daher, dass der traditionelle harte Kern, der schon seit Jahren dabei ist, eine ähnliche Altersstruktur hat wie das Teilnehmerfeld.

Das hält die Gastgeber aber nicht davon ab, sich für die digitale Zukunft zu rüsten. Die alte „Urkunden-Schreibmaschine“ – viele Jahre fast ein Markenzeichen der Veranstaltung – ist ins Museum verbannt worden, stattdessen hat eine „IT-Abteilung“ am Arenen-Rand Einzug gehalten. An zwei Wurfanlagen beschleunigen hochpräzise moderne Weitenmessgeräte die Abläufe deutlich. Nur bei der Vernetzung der Wettkampfstätten gibt es noch Entwicklungsbedarf: Mangels Glasfaserleitungen verwendet man daher „Hochgeschwindigkeits-Adidas-LAN“ zur Informationsübertragung zwischen Wettkampfstätten und IT-Zentrale.

Verbesserungsbedarf gibt es laut dem VfL Vizepräsidenten Dr. Herbert Bessei auch beim Zustand der Wurfringe, der gehobenen Ansprüchen nicht genüge. Hierzu habe es bei ansonsten durchweg sehr positiven Rückmeldungen deutlich kritische Anmerkungen gegeben. Dies sei möglicherweise auch ein Grund dafür, dass nicht noch mehr leistungsstarke Wettkämpfer zum stets guten Seniorenfeld stoßen. Jetzt waren es 55 Starter.

Anzeige

Die Lokalmatadoren verzeichneten nur einen einzigen „Heim-Start“: Gustav Stähle holte sich in der M80 souverän mit 18,87 m den Speerwurf-Sieg. Aus der Region dabei war noch Kugelstoßer Thomas Kastner vom TuS Duchroth, der mit 11,78 m knapp die 12-Meter-Marke verpasste, die er beim „Warmstoßen“ aber klar geknackt hatte.