TOBIAS FÜHRER Treburs Spielertrainer sieht sein Team trotz...

Zum ersten Mal in dieser Saison Tabellenführer sind seit Sonntag die A-Liga-Handballer des TV Trebur. Spielertrainer Tobias Führer sieht sein Team im spannenden Fünfkampf um die Meisterschaft aber nicht favorisiert. Foto: Uwe Krämer  Foto: Uwe Krämer

Der TV Trebur geht als Tabellenführer in die letzten sieben Saisonspiele nach der Fastnachtspause. Im Interview spricht Spielertrainer Tobias Führer (29) über die Gründe...

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TREBUR. Der TV Trebur geht als Tabellenführer in die letzten sieben Saisonspiele nach der Fastnachtspause. Im Interview spricht Spielertrainer Tobias Führer (29) über die Gründe für die erfolgreiche Saison, Stärken und Schwächen seines Teams und die größten Konkurrenten im Kampf um den Titel.

Herr Führer, Sie sind seit Sonntag zum ersten Mal in dieser Saison Spitzenreiter. Wie fühlt sich das an?

Toll! Eine angenehme Situation, mit der wir nicht gerechnet haben, daher absolut positiv.

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Sie haben vor der Runde gemutmaßt, „für die Spitze wird es wohl nicht reichen“. Warum konnte Ihre Mannschaft Sie überraschen?

Aufgrund der Sperren von Patrick Hohmann und Lukas Veith zum Rundenstart und des Weggangs von Andreas Jeitner ging es vor allem darum, eine stabile Saison ohne Abstiegssorgen zu spielen. Wir profitieren von Nervenstärke, haben viele ganz knappe Spiele gewonnen – Heppenheim, Weiterstadt, Eberstadt, Büttelborn –, haben einen breiten Kader mit 18 Spielern und stets viele im Training. Auch der Spielplan ist günstig. Wir hatten in der Rückrunde noch kein Topspiel, also eher ein leichtes Programm.

Würden Sie sagen, die Tabellenführung ist nach 19 von 26 Spieltagen verdient?

Die Tabelle lügt nicht. Dennoch ist es nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme, eine Niederlage – und man verliert sofort Plätze.

Sie haben bis zuletzt an dem Saisonziel „Platz unter den ersten Fünf“ festgehalten und eher tiefgestapelt. Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen zu sagen: Wir werden mutiger und nehmen uns den Titelgewinn vor?

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Die ersten Fünf empfinde ich als ein passendes Saisonziel, da wir nicht so starke Einzelspieler haben wie andere Teams. Da die ersten Fünf nun sicher sind, wäre es schön, unter die ersten Drei zu kommen, das wird schwer genug. So oder so, die Runde ist jetzt schon ein Erfolg.

Was zeichnet Ihre Mannschaft in dieser Runde aus, und was fehlt ihr noch?

Eine Stärke ist, dass wir zuhause mit einer viel besseren Abwehr spielen als letztes Jahr. Wir konnten unsere Defensive auf jeden Fall stabilisieren. Das Tempospiel ist weiterhin eine große Stärke von uns, ebenso die Breite des Kaders. Schwächen haben wir in puncto „abgezockte Individualisten, die das Spiel alleine entscheiden können“, da haben wir keinen. Ebenso tun wir uns im Positionsangriff immer mal wieder schwer mit Wurfauswahl und Spielfluss.

Das jüngste Spiel gegen Groß-Gerau/Dornheim hat gezeigt, dass selbst eine 45-minütige Manndeckung gegen Sie verpufft, wenn andere – wie Lennart Platen – in die Bresche springen. Ist der Hauptgrund für den Erfolg, dass Trebur in dieser Saison schwerer auszurechnen ist als im Vorjahr?

Ja und Nein. Wir haben gegen jede Abwehr unsere Waffen und sind breit besetzt. Lennart ist ein absoluter Glücksgriff für uns, steht hinten wie vorne hervorragend seinen Mann, dennoch gab es genug Spiele, in denen uns der Zahn deutlich gezogen wurde.

Was sind noch Gründe für den Erfolg?

Wir spielen seit fast drei Jahren einen ähnlichen Handball, konnten alle Spieler bei uns behalten und viele Jungs aus der von mir trainierten A-Jugend einbauen. Wir sind kontinuierlich besser geworden.

Welchen Anteil hat Torwart Patrick Hohmann an der Tabellenführung?

Er ist unser Kapitän und die klare Nummer eins. Mit starken Leistungen hat er uns manchen Punkt gerettet. Aber auch unser zweiter Keeper Christopher Kern hat sich super entwickelt, hat Patrick bei seiner Sperre hervorragend vertreten und sorgt dafür, dass wir ein starkes Gespann haben.

Kommt Ihnen die Fastnachtspause gelegen, um Ihr Team darauf einzustellen, dass es nicht mehr Jäger, sondern Gejagter ist?

Wir wollen immer gewinnen, die Rolle ist dabei egal. Bisher haben wir keinen Gegner unterschätzt, das finde ich wichtig. Ich glaube nicht, dass die Jungs jetzt abheben. Verlieren werden wir bestimmt trotzdem noch mal.

Was werden Sie Ihren Spielern für den Rest der Saison mit auf den Weg geben?

Weiterhin fleißig trainieren, Gas geben und die Situation genießen. Oben stehen macht viel mehr Spaß als gegen den Abstieg zu spielen oder im Niemandsland zu dümpeln. Zu verlieren haben wir aber nichts.

Im Fünfkampf um die Meisterschaft liegen die Topklubs nur zwei Punkte auseinander. Sie spielen noch gegen alle vier Konkurrenten. Ein Vorteil, weil Sie alles selbst in der Hand haben, oder ein knüppelhartes Restprogramm, auf das Sie gerne verzichten würden?

Definitiv ein knüppelhartes Programm. Dazu kommen noch das Derby gegen Bauschheim und das Auswärtsspiel in Fürth. Ich hoffe, wir bleiben am Ende unter 14 Minuspunkten.

Wer ist denn der stärkste Konkurrent?

Bensheim hat eine spielstarke, technisch versierte, junge Mannschaft und ist mein Favorit. Groß-Rohrheim konnte viele Big Points holen und hat ebenso wie Lorsch uns klar geschlagen. Mein Tipp ist Bensheim, aber ich würde nicht wetten.

Und wie schätzen Sie die Situation Ihrer Mannschaft ein?

Wir haben eine blendende Ausgangslage und freuen uns auf die Spitzenspiele, aber ich kann mir nicht vorstellen, am Ende oben zu stehen.

Das Interview führte Heiko Weissinger.