Mit einem "Eierschuss" in die Erfolgsspur

aus SV Darmstadt 98

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Tobias Kempe (l.) und Joevin Jones beim Torjubel. Foto: Hübner/Völker

Tobias Kempe und Serdar Dursun sorgen dafür, dass sich die Lilien auch im Pokal gegen Hertha BSC etwas ausrechnen.

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DARMSTADT. Marcel Franke hat recht behalten. Der Innenverteidiger des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 hatte am 22. September - die Lilien hatten gerade 1:4 bei Dynamo Dresden verloren - auf die Frage, ob die Gegentore nicht unglücklich, weil abgefälscht, gewesen waren, geantwortet: "Ja, sicher. Aber wer nicht aufs Tor schießt, der trifft auch nicht." Es würden Spiele kommen, in denen sich auch die Darmstädter einmal über solche Tore freuen.

Am Freitagabend war genau dies der Fall gewesen. Tobias Kempes Kullerball rutschte Sascha Burchert, Torwart der SpVgg Greuther Fürth, durch die Finger - ein unfassbarer Treffer. Den nicht alle mitbekommen hatten, auch der Torschütze nicht. "Ich habe mich geärgert, weil ich den Ball nicht richtig getroffen hatte. Dann schreien auf einmal die Fans, und ich dachte, die buhen mich aus, weil ich so einen Eierschuss rausgehauen habe", sagte Kempe nach seinen fünften Saisontreffer. "Aber egal, es war ein Tor. Wahnsinn." Passgeber Fabian Holland hatte das Tor übrigens ebenfalls nicht gesehen. "Ich hatte abgedreht und nicht damit gerechnet, dass er reingeht - wie vermutlich alle im Stadion."

Diese Szene in der 23. Minute war der Dosenöffner zum 2:0-Sieg gegen Fürth gewesen. Umso wichtiger war dieser, weil nach sechs Spielen ohne Sieg doch der eine oder andere negative Gedanke aufgekommen war. "Klar war die Negativserie bitter, auch für uns", gab Kempe zu. "Aber die letzte Saison hat gezeigt, dass wir mit so etwas umgehen können." Das konnten sie am Freitag in der Tat, viel ließen die Lilien nicht zu. "Wir haben den Gegner komplett zugestellt, sie haben nur mit langen Bällen agiert", hatte Kempe erkannt. "Wir haben viele Zweikämpfe gewonnen, den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen und wenig Ballkontrolle überlassen." Fazit: "Das war perfekt, genau so müssen wir spielen."

Den zweiten Treffer hatte Serdar Dursun erzielt, und gemeinhin heißt es bei solchen Gegebenheiten "ausgerechnet Serdar Dursun". Denn der Stürmer hatte die gesamte Vorbereitung noch in Fürth mitgemacht, bevor er ans Böllenfalltor gewechselt war. "Das war ein super Pass von Joevin, und ich habe mich gut bewegt", schilderte Dursun die Szene vor dem 2:0, das er nicht groß feierte. "Man will sich schon freuen, aber der Respekt ist da. Respekt sollte schon sein. Aber ich verdiene mein Geld jetzt in Darmstadt und bin glücklich, dass ich getroffen habe."

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Dursuns Dank ging "nach oben", auch weil er in Fürth nicht nur gute Zeiten erlebt hat. "Es gab eine schwierige Phase in der letzten Saison", gab er zu. Eine Phase, in der er nicht mehr spielte, weil er nicht ins System von Trainer Damir Buric gepasst hatte. "Ich habe auf den Moment gewartet, wieder zu spielen und wieder Freude am Fußball zu haben. Langsam wird es wieder besser für mich."

Natürlich hatte Dursun auch einige Tipps parat gehabt, Trainer Dirk Schuster hatte ihn noch einmal gezielt angesprochen. "Unser Trainer ist ein Taktikfuchs", lobte Dursun den 50-Jährigen, der ihm die Freude am Fußball zurückgegeben hat. "Unser Trainer hat uns gut vorbereitet. Es war wirklich schwer, aber wir waren von der ersten Minute an gut im Spiel. "

Am Dienstag um 18.30 Uhr geht es in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Hertha BSC, und auch dieses Spiel geben weder Kempe noch Dursun mit neuem Selbstvertrauen vorab verloren. "Es wird ein schwieriges Spiel, aber an einem Pokalabend ist alles möglich", sagt Dursun. "Wir gehen jedenfalls nicht auf den Platz, um zu verlieren. Wir wollen schon etwas mitnehmen." Kempe sieht das genauso. "Seien wir mal realistisch: Hertha ist sehr gut drauf. Aber wir werden sie bearbeiten und alles geben."