Lilien schießen St. Pauli ab und stürmen an Tabellenspitze

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Die Spieler des SV Darmstadt 98 jubeln über einen Treffer gegen den FC St. Pauli. Foto: Florian Ulrich

Was für ein Spektakel! Darmstadt 98 siegt im Spitzenspiel gegen St. Pauli hochverdient mit 4:0 und löst die Hamburger als Spitzenreiter in der Zweiten Liga ab.

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DARMSTADT. Der SV Darmstadt 98 hat das Spitzenspiel gegen Tabellenführer FC St. Pauli sensationell mit 4:0 (4:0) gewonnen. Bereits nach 45 Minuten war eigentlich alles klar. Die Lilien gingen nach Treffern von Phillip Tietz (6. Minute), Braydon Manu (29.) und Luca Pfeiffer (39./41) bereits mit vier Toren Vorsprung in die Halbzeitpause.

Torsten Lieberknecht veränderte seine Startelf im Vergleich zum 4:2-Auswärtserfolg bei Schalke 04 nicht. Lasse Sobiech kehrte nach muskulären Problemen auf die Bank zurück. Dort fehlte Benjamin Goller wegen eines grippalen Infekts.

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Die Partie begann munter – hüben wie drüben. Die Lilien nahmen von Anpfiff weg jeden Zweikampf an, schmissen sich in jeden Ball. Doch auch der Ligaprimus aus Norddeutschland fand schnell ins Spiel. In der 3. Minute musste Darmstadt-Keeper Marcel Schuhen das erste Mal ran, als er von Guido Burgstaller geprüft wurde. Aber es waren die Südhessen, die nach nur sechs gespielten Minuten jubeln durften. Nach einem langen Freistoß von Patric Pfeiffer auf Höhe der Mittellinie schnappte sich Goalgetter Phillip Tietz das Spielgerät und schob zu seinem elften Saisontreffer ein.

Die Lilien-Fans auf der Südtribüne, die vor dem Spiel verlauten ließen, dass sie aus Rücksicht auf die sich verschlimmernde Corona-Situation den organisierten Support bis auf Weiteres einstellen, konnten es sich nicht nehmen lassen, einen hämischen Gruß in Richtung ihres Ex-Trainers Markus Anfang zu schicken. Jener hatte wenige Stunden vor dem Spiel bei Ligakonkurrent Werder Bremen seinen Rücktritt erklärt, da die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen gefälschten Impfzertifikates gegen ihn ermittelt. „Siehst du Anfang so wird das gemacht“ hallte es nach dem Führungstreffer von den Rängen. Und die meisten Fans schauten wahrscheinlich auch direkt auf ihr Smartphone. Schließlich sprangen die Lilien mit der Führung auf Tabellenplatz eins.

Furiose erste Halbzeit – Lilien vorm Tor eiskalt

Auf dem Rasen ging es in Folge ein wenig ruhiger zu. Der SV 98 hatte aber weiter das Zepter in der Hand, Angriffsbemühungen der Gäste wurden spätestens am Strafraum gestoppt und waren in der 24. Minute ganz nah dran am zweiten Tor des Tages. Braydon Manu legte auf der rechten Seite den Turbo ein, über Tobias Kempe kam der Ball Mathias Honsak, der sich sehenswert und mit einem Tunnel seines Gegenspielers in den Strafraum vorarbeitete. Dort hätte er jedoch wohl besser den direkten Abschluss suchen sollen als das Spielgerät nochmal querzulegen. So konnte St. Pauli die Situation noch entschärfen. Dies gelang ihnen nach einer knappen halben Stunde dann nicht mehr. Tietz erkämpfte sich einen weiten und hohen Ball auf dem Weg in Richtung gegnerisches Tor und hatte im richtigen Moment ein Auge für den mitgelaufenen Manu, der eiskalt abzog und Nikola Vasilj im Tor der Hamburger keine Chance ließ. Doch die Freude wurde zunächst getrübt. Denn Referee Tobias Reichel zeigte an, dass der Treffer nicht zähle. Manu habe im Abseits gestanden. Der Videoschiedsrichter schaltete sich ein – und entschied zugunsten der Lilien. Das Tor zählte, der SV 98 erhöhte verdient auf 2:0.

Die Einzelkritik zum furiosen Sieg über den Spitzenreiter lesen Sie hier.

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Und die Darmstädter wollten mehr. Wenige Augenblicke nach dem 2:0 die nächste dicke Chance für die Lieberknecht-Elf. Luca Pfeiffer schickte Honsak in den Sechzehner, der Vasilj so dermaßen irritierte, dass der Torwart beinah an der Kugel vorbei rauschte und Honsak freie Bahn gehabt hätte. Eine Randnotiz, wenn man sich anschaut, was in den Minuten nach dieser Situation passierte. Luca Pfeiffer passierte. Und das gleich zweimal binnen weniger Sekunden. Zunächst spitzelte der Stürmer in der 39. Minute den Ball gekonnt ins Tor, sein Gegenspieler Jakov Medic konnte dabei nur zuschauen. Das Böllenfalltor verwandelte sich endgültig zu einem Tollhaus. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ schrien die Fans von der Tribüne. Aber die Lilien bzw. Pfeiffer setzten nur 120 Sekunden später noch einen drauf. Diesmal ging es fix über die rechte Außenbahn gen Hamburger Tor. Tobias Kempe hatte plötzlich 20 Meter vor dem Kasten erstaunlich viel Freiraum und nutzte diesen für eine scharfe Hereingabe, die Vasilj nur nach vorne fausten konnte – direkt vor die Füße von Pfeiffer. Der fackelte nicht lange zimmerte den Ball zum sensationell anmutenden 4:0 in die Maschen. Der elfte Saisontreffer des 25-Jährigen.

Lilien bleiben spielbestimmend

Lieberknecht brachte zur zweiten Halbzeit Nemanja Celic für den gelbvorbelasteten Klaus Gjasula. Am Spiel der Lilien änderte sich wenig: Mit weiten Bällen wurde das Mittelfeld in Windeseile überbrückt, vorne lauerten wahlweise Tietz und/oder Pfeiffer. Das Sturmduo kreierte in der 50. Minute entsprechend die erste dicke Chance im zweiten Durchgang. Der stramme Schuss von Tietz konnte Paulis Keeper aber gerade so noch klären. Fünf Minuten später hatten die Darmstädter Fans schon wieder den Torschrei auf den Lippen. Doch Pfeiffer verzog aus sehr aussichtsreicher Position knapp.

Die Hausherren nahmen in Folge verständlicherweise ein wenig das Tempo aus dem Spiel. Doch wer jetzt dachte, dass die norddeutschen Gäste dadurch noch einmal Oberwasser bekämen, täuschte sich. St. Pauli gelang weiterhin so gut wie nichts. Wenn es gefährlich wurde, dann vor dem Tor des Hamburger Torwarts. Doppeltorschütze Pfeiffer holte sich eine knappe Viertelstunde vor Schluss seinen verdienten Sonderapplaus ab. Für ihn kam Marvin Mehlem in die Partie. Emir Karic ersetzte zudem Honsak auf der linken Außenbahn und auch Tietz durfte früher Feierabend machen. Erich Berko ersetzte ihn für die Schlussphase. Diese verlief ruhig. St. Pauli wusste längst, dass sie sich sich nicht mehr aufreiben brauchen und Darmstadt genoss das Schaulaufen vor den 13.000 Zuschauern. Und hatte dann in der Nachspielzeit doch noch zweimal die Chance, noch auf 5:0 zu stellen. Doch Karic und Ronstadt vergaben knapp. Die Lilien grüßen nun bis mindestens Mittwoch von der Tabellenspitze. Dann bestreitet St. Pauli sein Nachholspiel gegen den SV Sandhausen und könnte den SV 98 wieder überholen.