Darmstadt 98 besiegt HSV: Mehlem gilt als "Mann der Stunde"

aus SV Darmstadt 98

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Marvin Mehlem überzeugt in Hamburg mit starker Leistung. Foto: Huebner / Ulrich

Marvin Mehlem toppt beim 3:2 beim Hamburger SV noch einmal seine sowieso schon bärenstarke Leistung aus dem Kiel-Spiel.

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HAMBURG. "Es fühlt sich gut an, es hat Spaß gemacht." Das sagte Marvin Mehlem, offensiver Mittelfeldspieler des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98, am Samstag nach dem 3:2 beim Hamburger SV. Er ist halt ein bescheidener Mensch, große Gefühlsausbrüche sind nicht das Ding des 21-Jährigen. Dabei hätte er am Samstag allen Grund gehabt, abzuheben: Mehlem war der beste Mann auf dem Platz, und mit seinen zwei Treffern hatte er entscheidenden Anteil am überraschenden Erfolg der Lilien. "Ich habe ja schon ein paarmal gewonnen", sagte Mehlem grinsend. "Aber so ein Sieg? Respekt an die Mannschaft und an die Fans, es war eine geile Atmosphäre." Das war es in der Tat, rund 2000 Lilien-Fans machten am Ende mehr Stimmung als die enttäuschten HSV-Anhänger. Verständlich, denn die waren komplett verstummt nach Mehlems 3:2 in der Nachspielzeit. Der entscheidende Moment in der 92. Minute zeigte, wie abgezockt Mehlem trotz seines jungen Alters schon ist. "Ich habe gesehen, dass Serdar Dursun den Ball verlängert, und dann war da ein bisschen Platz. Dann hat der Innenverteidiger einen Schritt nach außen gemacht, und ich habe die Lücke gesehen", schilderte Mehlem die Szene. "Ich wollte ihm durch die Beine schießen, aber ich habe nicht gedacht, dass der Ball reingeht", sagte er schmunzelnd. Und dann gab er doch noch einen Einblick in seine Gefühlswelt: "Es ist geil, vor den eigenen Fans zu jubeln und das Stadion leise zu machen." Dass er schon so routiniert spielt, will er nicht groß kommentieren. Seit Dimitrios Grammozis Trainer ist, ist aber klar zu erkennen, dass vor allem Mehlem profitiert. Er hat Freiheiten, er wird jetzt auch spielerisch in Szene gesetzt. "Wir versuchen, Fußball zu spielen. Das macht zurzeit Riesenspaß", sagt er. "Wenn man das eigene Spiel durchzieht und nicht nur auf den Gegner schaut, dann kommen Chancen und Torschüsse heraus. Und wenn man nach einem 0:2 noch das 2:2 macht, dann hat man den Mut und den Willen, auch noch auf den Siegtreffer zu gehen." Mehlem bekam Lob von allen Mitspielern, er ist der Mann der Stunde. "Er ist sehr gut drauf, und er tut uns gut", sagt etwa Kapitän Fabian Holland. Mehlems zweiter Treffer freute Holland ganz besonders. "So etwas von hinten sehen zu dürfen, das ist Wahnsinn. Es war ein absolut geiles Spiel." Auch Tobias Kempe, der per Freistoß das 2:2 erzielt hatte, war voll des Lobes für den 21-Jährigen. "Marvin war überragend, der Mann des Tages", sagte Kempe. "Ich habe ihm vor dem 3:2 gesagt: Renn zur Eckfahne! Dann hat er eine super Finte gemacht und getroffen. Es war ein super Spiel von ihm." Der Mann des Tages war wenige Minuten nach dem Sieg zumindest nach außen hin wieder ganz entspannt. "Mir ist es egal, wer die Tore macht, ob ich das bin oder Serdar", sagte der Kreativspieler, der sich keine Tor-Marke als Ziel gesetzt hat. In den jüngsten zwei Spielen hat er dreimal getroffen. Am Ende war er übrigens wie alle anderen platt - umso bemerkenswerte sein Treffer. "Ich war schon auch kaputt. Aber wir alle fighten bis zur letzten Minute. Wir haben alles reingehauen, und am Ende wurden wir belohnt. Das wird ein geiler Heimflug." Besser kann man es eigentlich nicht zusammenfassen.