Borussia Dortmund verfügt über zahlreiche Nachwuchsspieler...

aus SV Darmstadt 98

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Nationalspieler Julian Weigl gilt als Musterbeispiel für die neue Personalpolitik beim BVB. Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler kam 2015 von 1860 München und entwickelte sich sofort zur Führungskraft. Foto: dpa

Neben Rekordmeister Bayern München war Borussia Dortmund in den vergangenen sieben Jahren das Nonplusultra des deutschen Fußballs. Auch in der vergangenen Saison war der BVB...

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DORTMUND. Neben Rekordmeister Bayern München war Borussia Dortmund in den vergangenen sieben Jahren das Nonplusultra des deutschen Fußballs. Auch in der vergangenen Saison war der BVB das einzige Team, das dem Rekordmeister zumindest ansatzweise Paroli bieten konnte. Mit RB Leipzig scheint nun ein weiterer Verein auf dem besten Weg, zu einem ernsthaften Bayernjäger zu avancieren.

Die Borussia ist von dieser Rolle - trotz des jüngsten 1:0-Erfolgs gegen Leipzig - in der aktuellen Spielzeit freilich meilenweit entfernt. Nach 19 Spieltagen trennen den BVB bereits zwölf Punkte vom Platz an der Sonne. Kein Wunder also, dass der derzeitige Tabellenvierte sein Saisonziel frühzeitig auf die direkte Champions League-Qualifikation, sprich Platz drei, reduziert hat. Doch auch hierfür bedarf es in der Rückrunde noch einer gehörigen Steigerung: Dem BVB sitzen mit Eintracht Frankfurt, der TSG Hoffenheim, Hertha BSC Berlin sowie dem 1. FC Köln gleich vier Teams im Nacken, die sich ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf die europäische Königsklasse machen.

Das Team

Die Verantwortlichen um Trainer Thomas Tuchel, Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke haben den BVB in der Sommerpause kräftig umgekrempelt. Die Leistungsträger Mats Hummels (zum FC Bayern), Ilkay Gündogan (Manchester City) und Henrikh Mkhitayan (Manchester United) haben den Verein verlassen. Die kolportierten Transfererlöse in Höhe von rund 100 Millionen Euro investierten die Macher umgehend in neues Personal. Neben etablierten Kräften wie Mario Götze, André Schürrle, Marc Bartra, Sebastian Rode und dem portugiesischen Europameister Raphael Guerreiro folgten auch die hochtalentierten Youngster Emre Mor, Ousmane Dembelé sowie Mikel Merino dem Ruf des Traditionsclubs aus dem Ruhrgebiet. In der Winterpause schloss sich mit dem 17 Jahre alten Schweden Alexander Isak ein weiteres Top-Talent dem BVB an.

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Die Taktik

Eine taktische Grundausrichtung ist beim amtierenden Vizemeister nur schwer auszumachen. Fast genauso oft wie seine Startelf - im Schnitt nimmt Tuchel vier Wechsel pro Spieltag vor - ändert der BVB-Coach die Taktik. Mal agiert Pierre-Emerick Aubameyang als alleinige Spitze, mal setzt Tuchel auf einen Drei-Mann-Sturm mit zwei Flügelflitzern. Auch im Mittelfeld hat der Übungsleiter die Qual der Wahl. So setzt er zuweilen auf Julian Weigl als einzigen Sechser - gegebenenfalls stellt er dem Nationalspieler mit Sebastian Rode, Shinji Kagawa oder Raphael Guerreiro einen Partner an die Seite. Gemein haben fast alle Mittelfeldspieler im BVB-Kader, dass sie auf mehreren Positionen einsetzbar sind - zur großen Freude von "Rotationsmeister" Thomas Tuchel.

Einzige personelle Konstante ist indes die Vierer-Abwehrkette, die in der Regel von Lukasz Piszczek, Sokratis, Matthias Ginter und Marcel Schmelzer gebildet wird. Möglich ist aber, dass Tuchel vor dem Champions League-Spiel bei Benfica Lissabon am Dienstag auch in diesem Mannschaftsteil rotieren lässt. Alternativen wären Felix Passlack als Rechtsverteidiger und die Spanier Bartra und Merino in der Innenverteidigung.

Die Stärken

Schon der Blick auf den Dortmunder Kader genügt, um die größte Stärke der Westfalen aufzuzeigen. Etablierte Spitzenkräfte wie die Weltmeister Schürrle und Götze, Flügelflitzer Marco Reus und Torjäger Aubameyang bilden in Kombination mit den pfeilschnellen Außen Ousmane Dembelé, Emre Mor und Christian Pulisic eine Offensivabteilung, die in der Liga ihresgleichen sucht.

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Kommt die "Abteilung Attacke" einmal ins Rollen, ist sie nur schwer aufzuhalten. Beste Beispiele hierfür waren das 6:0 gegen Darmstadt oder das 5:1 gegen Wolfsburg in der Bundesliga-Hinrunde sowie die Kantersiege gegen den polnischen Meister Legia Warschau in der Gruppenphase der Champions League (6:0 und 8:4).

Die Schwächen

Sowohl in der Rückwärtsbewegung der gesamten Mannschaft als auch in der Verteidigung, wirkt die neu formierte Mannschaft noch nicht so gefestigt wie in den vergangenen Jahren.

Gleichwohl ist das größte Manko in der aktuellen Spielzeit aber die fehlende Konstanz. Fulminanten Auftritten ließ die junge BVB-Elf das eine oder andere Mal eine dürftige Vorstellung folgen. Vor allem gegen vermeintlich schwächere, tief stehende Gegner tut sich die Tuchel-Elf zumeist schwer, spielerische Lösungen zu finden. So kam der BVB gegen Köln, Augsburg, Mainz (jeweils 1:1) oder Ingolstadt (3:3) nicht über Punkteteilungen hinaus.

Der Hauptgrund für die schwankenden Leistungen dürfte neben den häufigen Wechseln in der Startformation in der Unerfahrenheit weiter Teile der Mannschaft liegen. So groß das Potenzial von Weigl, Dembelé, Pulisic & Co. auch sein mag: Sie sind bei Weitem noch nicht so gefestigt, dass sie jeden Gegner an die Wand spielen können.

Zudem ist es auch nach 19 absolvierten Partien noch nicht gelungen, die Abgänge von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan vollends zu kompensieren. Das liegt auch daran, dass die millionenschweren Sommer-Zugänge Götze und Schürrle bislang weit hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. Beim umjubelten 1:0 gegen Leipzig am vergangenen Samstag saßen die vermeintlichen Stars 90 Minuten auf der Bank.

Nationalspieler

Wie bei Branchenprimus FC Bayern gilt auch für dessen größten Konkurrenten der vergangenen Jahre: Es ist leichter, die Akteure aufzuzählen, die (noch) nicht für ihre jeweiligen Nationalteams aktiv sind. Denn selbst die erst 17, 18 und 19 Jahre alten Isak (Schweden/2), Pulisic (USA/11), Mor (Türkei/8) und Dembelé (Frankreich/3) bringen es schon zusammen auf 24 Länderspiele.

Somit warten lediglich Nachwuchskeeper Hendrik Bonmann, Felix Passlack, Mikel Merino sowie der gebürtige Südhesse Sebastian Rode auf einen Einsatz in der jeweiligen A-Nationalmannschaft. Zumindest für die Juniorenteams ihrer Heimatländer waren aber auch Passlack, Rode und Merino schon des Öfteren im Einsatz.

Übrigens

Mit insgesamt sieben Europapokalsiegen rangiert Rekordmeister und -Pokalsieger Bayern München auch in dieser Statistik unangefochten auf dem Platz an der Sonne. Den ersten internationalen Erfolg einer deutschen Vereinsmannschaft feierten jedoch nicht die Münchner, sondern Borussia Dortmund.

Durch einen 2:1-Finalsieg nach Verlängerung über den FC Liverpool gewannen die Borussen am 5. Mai 1966 den Europapokal der Pokalsieger. In der siegreichen Elf, die in der gesamten Bundesrepublik gefeiert wurde und einen ähnlichen Heldenstatus wie die Weltmeisterelf von 1954 erreichte, standen unter anderem Nationaltorwart Hans Tilkowski, der spätere Schalke-Manager Rudi Assauer, Reinhard "Stan" Libuda oder Siegfried "Siggi" Held. Den umjubelten Siegtreffer erzielte die Vereinsikone Lothar Emmerich, nach der auch das BVB-Moskottchen "Emma" benannt wurde.