Niedergeschlagener Schiedsrichter meldet sich zu Wort

Nach einem Schlag ins Gesicht ist ein Schiedsrichter bei einem C-Liga-Fußballspiel in Münster bei Dieburg ohnmächtig zusammengebrochen. Nun meldet er sich zu Wort. Archivfoto: Patrick Seeger/dpa

Der vor einer Woche attackierte 22-Jährige aus dem Odenwaldkreis bedankt sich für unzählige Nachrichten, will die Tat aber nicht politisch ausgeschlachtet wissen.

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BREITENBRUNN / MÜNSTER. Der vor einer Woche beim C-Liga-Spiel zwischen der FSV Münster und dem TV Semd mit einem Faustschlag niedergestreckte Fußball-Schiedsrichter hat sich erstmals seit dem Vorfall via Facebook zu Wort gemeldet. "Ich konnte das Krankenhaus verlassen und befinde mich auf dem Weg der Besserung", schrieb der 22-Jährige, der für die GSV Breitenbrunn (Odenwaldkreis) pfeift. "Danken möchte ich vor allem den Ersthelfern und dem Krankenhauspersonal der Uniklinik Mainz."

Der Unparteiische war kurz vor Schluss der Partie beim Stand von 2:0 für Semd von einem 28 Jahre alten Spieler der FSV Münster nach einem Platzverweis niedergeschlagen worden. Weil er dabei bewusstlos geworden war, wurde er mit einem Rettungshubschrauber nach Mainz geflogen. Das Spiel wurde sofort abgebrochen, der Täter hat Hausverbot bei der FSV. Der Verein hat sich mittlerweile vom Spielbetrieb abgemeldet, die Spieler können sich neue Vereine suchen. Der Vorfall hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst und zu einer generellen Debatte über Gewalt im Amateurfußball gesorgt.

Förmlich bombardiert mit Nachrichten

"Weiter möchte ich mich beim GSV Breitenbrunn, der Schiedsrichtervereinigung Odenwaldkreis, dem Verbandsschiedsrichterausschuss Hessen und beim Hessischen Fußballverband für die sofort zugesagte Unterstützung bedanken", schreibt der Unparteiische, der immens viel Unterstützung erhalten hatte. "Ein besonderer Dank gilt natürlich auch meinen Schiedsrichterkollegen sowie vielen Vereinen, Sportlern, Fußballfans, besorgten Menschen, meinen Freunden und meiner Familie." Er sei förmlich bombardiert worden mit Nachrichten, teilt der 22-Jährige mit. "Leider kann ich nicht auf alle Nachrichten reagieren, jede Nachricht hat mich aber sehr gefreut."

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Auch zu dem Vorfall an sich äußert sich der trotz seiner erst 22 Jahren sehr erfahrene Schiedsrichter, der seit über zehn Jahren pfeift, noch einmal. "Es war nicht nur ein Angriff auf mich als Schiedsrichter, das war ein Angriff auf unseren Amateurfußball. Bitte beachtet aber, dass ich von einer Person angegriffen wurde", schreibt er. Um direkt im Anschluss klarzustellen: "Ich distanziere mich von jeglichen Angriffen auf den gesamten Verein oder die Familie des Täters. Ich distanziere mich auch klar von der Debatte über die Nationalität und Herkunft des Spielers. Für mich macht dies keinen Unterschied." Der Täter war Kurde, wie einige andere Spieler des Vereins auch. Das habe aber überhaupt keine Rolle bei der Aktion gespielt, schreibt der Unparteiische, der in diesem Zusammenhang auch einen politischen Appell los wird: "Ich glaube nicht, dass die AFD das Problem für die Gewalt auf unseren Sportplätzen ist. Die AFD ist aber bestimmt auch nicht die Lösung", macht er deutlich.