Die KSG Brandau geht den vorletzten Schritt

Relegation: Der Kreisoberligist schlägt A-Ligist Türk Gücü Darmstadt mit 2:0. Der scheidende Trainer Roman Grünewald wird emotional: "Das ist ein Märchen".

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BRANDAU. Es sieht gut aus für Fußball-Kreisoberligist KSG Brandau: Die Modautaler haben am Mittwochabend das erste Relegationsspiel gegen den Darmstädter A-Ligisten Türk Gücü Darmstadt mit 2:0 (1:0) für sich entschieden. Somit empfängt Türk Gücü am kommenden Samstag im zweiten Spiel dieser Dreier-Runde den Groß-Gerauer A-Ligisten Hillal Rüsselsheim, Anstoß auf dem Sportplatz in Erzhausen ist um 16 Uhr. Entschieden wird der Kampf um den letzten Platz in der Kreisoberliga Darmstadt/Groß-Gerau dann am Mittwoch (15.), wenn Hillal um 19.30 Uhr die KSG empfängt.

Rund 700 Zuschauer wollten die Partie im Dauer-Nieselregen sehen - eine starke Kulisse, die wohl noch größer gewesen wäre, wäre das Wetter besser gewesen. Doch diejenigen, die gekommen waren - unter anderem die A-Liga-Meistermannschaft der SG Modau und viele lautstarke, aber vollkommen friedliche Anhänger der Gäste aus Darmstadt - bekamen einiges geboten. Maximilian Feick hatte die Führung für die KSG auf dem Kopf, doch der Ball wurde noch von der Linie geschlagen (2.). Im Gegenzug schoss Emre Can Tekinöz knapp übers Tor (3.).

Eine verunglückte Flanke des Brandauers Rafael Sanchez Lazaro brachte dann die Führung für die Gastgeber - da war Türk-Keeper Mustafa Özkan einfach ein paar Zentimeter zu klein (7.). Doch Sicherheit brachte das der KSG nicht. Im Gegenteil: Sie durfte sich mehrfach bei ihrem Torwart Mirco Seibel bedanken, der unter anderem gleich zweimal gegen Aldin Kalic parierte (35.). Auch bei Schüssen aus der zweiten Reihe stand er sicher. Ein solcher hätte derweil fast das 2:0 für die KSG eingebracht, doch Gianluca Piergallinis Versuch aus 20 Metern Entfernung flog knapp übers Tor (39.). Nach der Pause spielte nur noch Türk Gücü - die Gäste vergaben aber Chance um Chance. Und so kam es, wie es in solchen Fällen so oft kommt: Ein direkt verwandelter Freistoß von Piergallini führte zum 2:0-Endstand (77.).

"Ich habe wirklich gedacht, dass der Ausgleich noch fällt", sagte KSG-Trainer Roman Grünewald. "Es war ein offenes und total faires Spiel, alle Fans auch des Gegners waren total fair und cool - sie haben ja auch eine super Mannschaft." Dass die KSG als Relegationsteilnehmer derart motiviert sei, sei keine Selbstverständlichkeit, schließlich sei die Mannschaft "von oben" meistens eher frustriert. "Wir hatten damit aber gar nicht mehr gerechnet, dass wir diese Chance noch bekommen. Eigentlich waren wir ja schon weg vom Fenster." Auch er habe nicht immer daran geglaubt, dieses Ziel noch zu erreichen, "aber als Trainer muss man manchmal auch ein bisschen Schauspieler sein".

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Er selbst hört komplett auf, aus privaten Gründen ("meine Eltern sind krank, das geht jetzt vor"). Und wenn er es mit der KSG tatsächlich noch schaffen sollte, wäre das ein mehr als würdiger Abschied. "Als kleines Kind stellt man sich so etwas vor. Und wenn man dann im letzten Heimspiel vor solch einer Kulisse spielen darf, dann ist das ein Geschenk, das ist wie ein Märchen." Ein letztes Spiel fehlt freilich noch - dann steht fest, ob noch einmal groß gefeiert wird in Brandau.

Gästetrainer Aydin Kurt war derweil frustrier. "Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, waren nicht clever genug", haderte er. "Das kann eigentlich gar nicht sein, das kann ich eigentlich gar nicht glauben." Einen Punkt hätte man verdient gehabt, wenn nicht sogar mehr, sagte Kurt. "Mit dem Spiel an sich bin ich zufrieden - mit dem Ergebnis natürlich nicht."

Gegen Hillal ("die kenne ich nicht wirklich") soll am Samstag ein Sieg her, um die letzte Chance zu bewahren. Doch auch Aydin Kurt weiß: Diese ist nur noch theoretischer Natur.