Ärger bei der SG Langstadt/Babenhausen

Der Babenhäuser Sportplatz „Im Riemen“ gleicht derzeit eher einer Blumenwiese als einem Fußballfeld. Die Stadt hat dem SV Germania den Pachtvertrag zum 31. Juli gekündigt – just in einer Phase, in der der Verein den Jugendfußball wiederbeleben will. Foto: Jens Dörr

Der Fußball-Gruppenligist strebt mit sieben Neuen den Aufstieg an, doch infrastrukturell gibt es Probleme: Die Stadt kündigt den Pachtvertrag für den Sportplatz „Im Riemen“.

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BABENHAUSEN. 7:3: Das ist das Verhältnis zwischen Zu- und Abgängen für die Saison 2021/22 beim ambitionierten Fußball-Gruppenligisten SG Langstadt/Babenhausen. Mit altem Trainer und vielen neuen Akteuren nimmt die Spielgemeinschaft von TSV Langstadt und SV Germania Babenhausen in der neuen Spielzeit die Verbandsliga Süd ins Visier. Infrastrukturell hat der SV Germania aber Ärger: Die Stadt hat den Pachtvertrag für den Sportplatz „Im Riemen“ gekündigt – just in einer Phase, in der der Verein den brachliegenden Jugendfußball in der Kernstadt wiederbeleben will.

Zum Sportlichen: Im Meisterrennen 2021/22 sollen zwei Zugänge vom Bayernligisten FC Viktoria Kahl helfen: Von dort wechseln Jannik Häßler und Lucas Gorra zur SG. Antonio Coppolecchia, der mit Langstadts Christian Segeth die Sportliche Leitung für die Männerteams in der Gruppenliga und Kreisliga B hat und der auch stellvertretender Vorsitzender des SV Germania ist, sieht vor allem Häßler als „Führungsspieler“. Der Offensivmann soll den Abgang von Leistungsträger Andrej Kolchak wettmachen. Ein weiterer Zugang der SG, die weiter alle Trainingseinheiten und Punktspiele auf dem Sportgelände des TSV Langstadt absolvieren wird, ist Torwart Luca Bieber, der vom SC Hessen Dreieich kommt.

Neben Häßler, Gorra und Bieber hat die SG die erste Mannschaft um vier weitere Spieler verbreitert: Emre Karaca (Mittelfeld, SC Hassia Dieburg), Umut Kizilyar (Angriff, Türk Beerfelden), Marek Hartmann (Abwehr) und Medin Becirovic (Angriff). Hartmann und Becirovic kommen von der A-Jugend des JSK Rodgau, spielten früher aber in der Jugend der Babenhäuser Germania. „Wir favorisieren Babenhäuser Spieler, um eine gewisse Identifikation in den Kader zu bekommen“, sagt Coppolecchia.

Wie Trainer Wolfgang Kern, Torwarttrainer Marco Zeiger, Teambetreuer Michael Partsch und fast alle Spieler des bisherigen Kaders hat auch der regionalligaerfahrene Fulbert Amouzouvi für die neue Saison zugesagt. Neben Kolchak verlassen einzig Inan Önk (Ziel offen) und Berk Kocahal (SV Hummetroth) den Verein.

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Nun zu den weniger erfreulichen Entwicklungen. Vor wenigen Tagen hat die Stadt Babenhausen dem SV Germania mit Wirkung zum 31. Juli den Pachtvertrag für den Sportplatz „Im Riemen“ gekündigt. „Das hat uns die Beine weggerissen“, drückt Coppolecchia seine Enttäuschung aus. Der Verein hatte 2018 bereits die städtische Kündigung für das benachbarte Stadion „Am Ostheimer Hang“ schlucken müssen. Vorausgegangen waren unterschiedliche Ansichten von Stadt und Verein, wie zuverlässig die Germania den (von der Stadt vergüteten) Pflegevertrag für die Sportstätte erfüllte.

Bislang nutzt die Germania den Sportplatz „Im Riemen“ (noch) nicht, weil die Männerteams in Langstadt spielen und trainieren. Laut Coppelecchia soll sich in näherer Zukunft aber etwas ändern. Die Germania will ihre Jugendabteilung neu aufbauen und es damit ermöglichen, dass in der Kernstadt wieder Vereinsfußball gespielt werden kann. Dort leben 10 000 der insgesamt 17 000 Babenhäuser, und dort entsteht wenige hundert Meter vom Gebiet „Im Riemen“ entfernt der neue Stadtteil „Kaisergärten“, wo in einigen Jahren weitere 2000 Menschen wohnen sollen. „Deshalb wollten wir jetzt wieder mit Teams von den G- bis D-Junioren anfangen“, sagt Coppolecchia. „Also erst mal mit den Kleinen, weil die keine Duschen brauchen.“ Derlei Infrastruktur gibt es am Sportplatz „Im Riemen“ nicht.

Warum aber durchkreuzt die Stadt diese Pläne, indem sie der Vorsitzenden Tihana Posavec-Hennigs nun die Kündigung des 11 000 Quadratmeter großen Flurstücks zum 31. Juli 2021 nach Hause gebracht hat? Die Antwort von Bürgermeister Dominik Stadler (parteilos): Weil man von den Revitalisierungsplänen des SV Germania nichts gewusst habe. „Für mich ist das ein seit Jahren ungenutzter, leer stehender Sportplatz“, sagt der neue Rathaus-Chef. „Der Stadt war bislang nicht bewusst, dass die Germania mit ihrer Jugend einen Neuanfang wagen will. Die Wege sind bei uns kurz, zudem gibt es einen Runden Tisch der Sportvereine. Doch die Germania hat uns darüber bisher nicht informiert.“

Vor diesem Hintergrund habe die Stadt beim Sportplatz, der im Gewerbegebiet „Im Riemen II“ liegt, mit der Kündigung einen Schritt in Richtung potenzieller Umwidmung von Sport- zu Gewerbefläche machen wollen. „Die Liste der Interessenten für Gewerbeflächen in Babenhausen ist lang“, sagt Stadler. Die Tür für ein Gespräch mit dem SV Germania stehe aber offen.