Marco Walker: Der frühere Mainzz-05-Innenverteidiger arbeitet...

aus Mainz 05

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Das Buch Mainz 05 war für Marco Walker nach zwei Jahren zu. Inzwischen ist der Schweizer als Co-Trainer beim FC Basel (unter anderem) für die Pflege der Trainingsprotokolle zuständig.Foto: imago  Foto: imago

Fast 112 Jahre ist Mainz 05 alt. Und zumindest die jüngere Vereinsgeschichte lässt sich in genau zwei Phasen unterteilen: vor und nach Jürgen Klopp. Seit er vom Spieler zum...

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MAINZ. Fast 112 Jahre ist Mainz 05 alt. Und zumindest die jüngere Vereinsgeschichte lässt sich in genau zwei Phasen unterteilen: vor und nach Jürgen Klopp. Seit er vom Spieler zum Trainer umfunktioniert worden ist, hat der Verein eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Mittlerweile erlebt er seine elfte Saison in der Bundesliga, spielt in einer neuen Arena vor zehntausenden Menschen. Zu dieser Entwicklung haben natürlich neben Klopp noch viele andere beigetragen. Die einen mehr, die anderen weniger. In unserer Serie „Was macht eigentlich...?“ erzählen wir, was aus den kleinen und großen Helden von einst geworden ist.

In Basel geht es erst am Montag los. Am ersten Montag nach dem eigentlichen Aschermittwoch beginnen die „drey scheenschte Dääg“, die drei schönsten Tage, die die größte Fastnacht der Schweiz darstellen. „Wir sind halt ein bisschen hinterher hier in Basel“, sagt Marco Walker mit einem Lachen. Wenn in Mainz längst alle Narren fasten (sollten), geht es in Basel erst los. Morgens um vier Uhr. Und dann genau 72 Stunden lang, bis Donnerstag um vier Uhr nachts, oder morgens, wie man das eben nimmt. „Ein Vergleich ist schwierig, da die Basler Fasnacht komplett anders ist. Es lohnt sich sicherlich beide gesehen zu haben.“

Walker weiß, wovon er spricht. Zwei Mainzer Fastnächte hat er erlebt, als Innenverteidiger bei den 05ern. „Da hatte ich zwei super Jahre“, sagt der heute 46-Jährige. Im September 2003 war der Schweizer an den Bruchweg gewechselt, er kam vom FC Aarau, nachdem er zuvor schon für 1860 München in der Bundesliga und für Tennis Borussia Berlin in der Zweiten Liga gespielt hatte. Walker hatte Talent, sonst wäre er nicht ins Ausland gekommen – „aber ich musste viel dafür tun“, sagte er vor einigen Jahren.

In Mainz debütierte er am fünften Spieltag gegen Rot-Weiß Oberhausen neben Tamas Bodog in der Innenverteidigung. Der 2:0-Sieg läutete seine beste Phase beim FSV ein. Neun Spiele in Folge verpasste Walker keine einzige Minute. Dann kam er gar nicht mehr bis nur noch sporadisch zum Einsatz, gegen Saisonende stand er dann noch vier Mal in der Startelf. Am Ende der Saison hatte er seinen Teil dazu beigetragen, dass die 05er zum ersten Mal in ihrer Geschichte in die Bundesliga aufstiegen. „Da dabei zu sein, das war überragend“, sagt er. Nicht so überragend verlief sein zweites Jahr am Bruchweg: „Ich habe nach dem Aufstieg leider keine Rolle mehr gespielt.“

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Mit damals 34 Jahren räumte Trainer Jürgen Klopp ihm keine Perspektiven ein, bevorzugte die vier Innenverteidiger Bodog, Friedrich, Abel und Noveski. Und wenn von denen einer fehlte, wollte Klopp Christopher Ihm aus der zweiten Mannschaft eine Chance geben. „Die jüngeren Spieler waren dann vielleicht einfach stärker als ich“, sagt Walker heute. „Ich habe Kloppos Entscheidung im ersten Moment natürlich nicht verstanden. Aber im Nachhinein kann ich sie nachvollziehen, er hat richtig entschieden.“

Walker, der eigentlich noch ein, zwei Jahre auf hohem Niveau hatte spielen wollen, saß seinen Vertrag am Bruchweg ab. Ein paar Mal stand er für die Amateure auf dem Platz, dann ging er zurück in seine Schweizer Heimat. Doch er fing schon in den letzten Jahren seiner aktiven Zeit an, sich Gedanken über die Zeit danach zu machen. Merkte sich verschiedene Übungsformen, hinterfragte Trainingsmethoden. „Selbst Trainer zu werden, war spätestens seit meinem 30. Lebensjahr in meinem Hinterkopf“, sagt er.

Zurück in der Schweiz, stieg er ins Trainerteam der U 18 beim FC Basel ein. Nebenher absolvierte er eine Ausbildung zum Konditionstrainer Fußball – und genau das ist er heute. Seit etwas mehr als acht Jahren gehört Walker zum Trainerstab des erfolgreichsten Vereins der Schweiz. „Ich bin zuständig für die Planung und Steigerung unserer Trainingseinheiten“, sagt er. Außerdem führt er Verletzte nach ihrer Genesung wieder ans Teamtraining heran, unterstützt während der Spiele und Trainings als zweiter Assistent das Trainerteam. Konditionswerte wissenschaftlich zu bewerten, ist nicht Walkers Ding. Nur Frequenzen, Laktatwerte oder gelaufene Meter zu messen, lässt einen entscheidenden Faktor für ihn außer Acht: „Wie sich ein Spieler bewegt, sagt für mich genau so viel aus wie rohe Daten.“

Im vergangenen Dezember legte er seine Uefa-Pro-Lizenz ab, dürfte auch alleinverantwortlich auf höchstem Niveau Mannschaften übernehmen. „Aber daran denke ich momentan noch nicht“, sagt Walker. „So wie es jetzt ist, kann ich mich voll ausleben, arbeite immer noch in meinem eigentlichen Hobby.“ Während der Ausbildung führte ihn sein Weg auch mal wieder nach Mainz. Unter Martin Schmidt hospitierte Walker im Training der 05er.

Klar kamen da Erinnerungen in ihm hoch. An seine Zeit als Spieler am Bruchweg, an seine Teamkollegen, zu denen der Kontakt abgerissen ist. „Obwohl wir damals eine geile Truppe waren“, sagt Walker. Und dann ist da doch die eine Gemeinsamkeit, die die Mainzer Fastnacht für ihn mit der Basler teilt: „Beide schaue ich mir gerne an. Aber nicht allzu lang, ich muss zugeben: Ich bin auch froh, wenn ich aus dem Trubel wieder rauskomme.“