Kolumne: Eintracht Frankfurt wäre auf Hradecky-Abgang vorbereitet

aus Eintracht Frankfurt

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Lukas Hradecky. Archivfoto: Jan Hübner  Foto:

Es wird viel geflogen in diesen Tagen bei der Eintracht. Per Flugzeug. Quer durch die USA. Dass „Moppes“ Petz die Torhüter deswegen weniger fliegen lässt - nein, keine...

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COLUMBUS/OHIO. Es wird viel geflogen in diesen Tagen bei der Eintracht. Per Flugzeug. Quer durch die USA. Dass „Moppes“ Petz die Torhüter deswegen weniger fliegen lässt - nein, keine Chance. Der Torwarttrainer der Frankfurter Eintracht arbeitet in den Staaten intensiv mit Lukas Hradecky sowie den beiden Nachwuchskeepern Marius Herzig und Tobias Stirl. Schweißt in seiner unnachahmlichen Art, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, immer wieder die Bälle in den Winkel. „Wir haben hier sehr gute Bedingungen, die wollen wir natürlich nutzen“, schildert der gebürtige Mainzer. Ob im Sand oder auf dem Rasen, der 56-Jährige, der als Profi für die 05er und den SV Wehen im Kasten stand, hat jeden Tag eine neue Überraschung für seine Schützlinge parat.

„Lukas macht seinen Job genauso erstklassig wie zuvor“

Immer im intensiven Austausch mit diesen. Immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen. Aber eben gnadenlos. Zu seinem „Hradecky-Marsch“, wie Petz den finnischen Stammtorwart gerne mal ruft, hat „er natürlich ein sehr gutes Verhältnis“. Schließlich verbringen beide seit zwei Jahren täglich mehrere Stunden auf dem Platz miteinander. „Anfangs war Lukas das intensive Arbeiten nicht gewöhnt. Das Talent hatte er immer schon.“ Petz kann daher auch „nachvollziehen, dass Lukas das ganze Thema sehr beschäftigt. Er ist auch nur ein Mensch. Und vor allem ein guter Junge“, erzählt Petz. Das Thema ist natürlich DAS Thema. Der Vertragspoker zwischen Hradecky und der Eintracht. Und trotz der unklaren Zukunft von Hradecky, trotz des Drucks, den der Verein aufgebaut hat, der den Finnen geärgert hat, trotz vereinzelter Kritik auch aus dem Fanlager am 27-Jährigen, Petz versichert: „Ob man seine Einstellung, die Abläufe, seine ganze Leistung sieht – Lukas lässt sich davon nichts anmerken. Er macht seinen Job genauso erstklassig wie zuvor. Das war auch gegen San José der Fall. Die Doppelparade war überragend.“

Petz würde sich wünschen, „dass Lukas unbedingt bleibt“. Schließlich hat er noch viel vor mit ihm. „Am linken Fuß müssen wir noch arbeiten, genauso an seiner aktiven Spielgestaltung.“ Er kennt aber auch eben das schnelllebige Geschäft. Vorbereitet wäre man, sollte Hradecky tatsächlich noch gehen. „Das muss man immer sein, alles andere wäre fatal.“ In die Suche nach neuen Torhütern werde er „stets eng eingebunden. Fredi Bobic, Bruno Hübner und Niko Kovac sind die Chefs, aber wir tauschen uns intensiv aus“, berichtet Petz.

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Zimmermann steigt Mittwoch wieder mit dem Training ein

Dass er mit Kevin Trapp, der für rund neun Millionen Euro zu Paris St. Germain ging, und Hradecky, der ähnlich viel kosten könnte, zuletzt zwei der Spieler mit aufgebaut hat, die viel Geld in die Eintracht-Kassen gespült haben (beziehungsweise es würden), macht ihn natürlich stolz. „Ich glaube, das darf ich meinem Alter schon sagen.“ Kein Wunder, dass Petz daher genauso akribisch mit dem Nachwuchs zusammenarbeitet. Keine Ausnahme macht, ob er Hradecky oder die beiden 17-jährigen Herzig und Stirl über den Rasen jagt. „Sie müssen sich natürlich noch daran gewöhnen, dass es bei den Profis härter zugeht, aber sie machen das hier sehr, sehr gut.“

Dass mit Jan Zimmermann (aufgeplatzte Wunde) und Leon Bätge (Syndesmosebandraniss) die eigentlichen Ersatzkeeper fehlen, „ist natürlich schade“. Bei Bätge fühlt Petz mit, „das ist fast tragisch, dass es ihn ohne Fremdeinwirkung schon wieder erwischt hat“. Zimmermann habe die Fäden gezogen bekommen, berichtet Petz. Am Mittwochmittag, kurz nachdem er aus dem Flugzeug gestiegen sein wird, nach dem langen Rückflug aus Chicago, hat er ihn schon zur ersten Einheit bestellt.

Tobias Goldbrunner (35) ist Sportchef dieser Zeitung und berichtet täglich aus dem Trainingslager der Eintracht in den USA (bis 19. Juli).