Furiose Eintracht besiegt Bayer Leverkusen mit 3:0

aus Eintracht Frankfurt

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Frankfurts Torschütze Goncalo Paciencia (rechts) jubelt mit Bas Dost über das Tor zum 2:0.  Foto: Uwe Anspach / dpa

Mit einem 3:0 schickte Eintracht Frankfurt am Freitagabend Bayer Leverkusen nach Hause. Ein Doppelpack von Goncalo Paciencia in der ersten Hälfte hatte die SGE auf die...

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FRANKFURT. Was für ein furioser Auftritt der Frankfurter Eintracht: Die hessischen Bundesliga-Fußballer setzten sich hochverdient mit 3:0 (2:0) gegen Bayer Leverkusen durch. Goncalo Paciencia (4./17.) und Bas Dost (80.) schossen die Gastgeber zum Sieg – ein Sturmduo in Topform. Die Eintracht überrannte die Werkself in der ersten Hälfte förmlich, ließ nach der Pause dann nichts mehr anbrennen. Auch dank eines bärenstarken Torwarts Frederik Rönnow, der die Gäste rund 36 Stunden nach der Geburt seines Sohnes Theodor zur Verzweiflung brachte.

"Hinter mir liegen emotionale Stunden und Tage. Ich bin überglücklich. Ich werde Vater und dann so ein Spiel - das hätte ich mir nicht erträumen können", strahlte der Däne. "Er hat ein tolles Spiel gemacht, obwohl er gar nicht trainieren konnte", lobte Eintracht-Cheftrainer Adi Hütter, der sichtlich zufrieden mit seiner ganzen Auswahl war: "Wir haben verdient gewonnen, weil wir über 90 Minuten mit Emotionen und Leidenschaft gespielt haben. Der Schlüssel zum Sieg waren natürlich die ersten 25 Minuten, da haben wir Leverkusen den Schneid abgekauft."

Schon tagsüber war es turbulent rund um den Frankfurter Stadtwald zugegangen. Der Fan-Ausschluss für die Europa-League-Spiele bei Standard Lüttich und Arsenal London erhitzte die Gemüter. Die Ultra-Szene der Hessen zeigte sich in einem Schreiben uneinsichtig, kritisierte die Uefa scharf. „Diese Strafe trifft nun jeden von uns. Auch trotz der Tatsache, dass in den letzten zwölf internationalen Partien seit dem Mailand-Spiel lediglich auswärts in Straßburg eine überschaubare Menge Pyrotechnik gezündet wurde“, hieß es in einem Brief, der von mehreren Fangruppen unterschrieben wurde.

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Frenetische Anfeuerung, Profis machen Druck

„Bestraft werden wir, weil (erneut) eine größere Gruppe Heimfans völlig ungehindert direkt neben dem Gästeblock auftauchen konnte“, so die Anhänger weiter. „Nicht, dass uns das grundsätzlich stören würde – aber die Frankfurter Fanszene wird wohl niemals eine werden, die sich einfach Sitzschalen an den Kopf werfen lässt und auf derlei Provokationen nicht reagiert.“ Auch die Verpflichtung von Andreas Möller als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums war am Abend wieder ein Thema: Die Ultras hängten ein durchgestrichenes Porträtbild des Weltmeisters von 1990 auf, erklärten ihn zur „Persona non grata“. Die SGE-Verantwortlichen wollen den Dialog zu den Fans suchen – die Zeit drängt.

Mit Anpfiff feuerten die Anhänger die Eintracht frenetisch an – und die Profis machten in der mit 50.800 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Arena sofort Druck. Vierte Minute: Ein traumhafter Steilpass von Danny da Costa, Pacienca setzte sich gegen Aleksandar Dragovic und Mitchell Weiser durch, traf zur frühen Führung. Und die Gastgeber wirbelten weiter. 17. Minute: Paciencia schoss den zu Boden fallenden Dragovic an den Arm, ein klarer Elfmeter, den der Portugiese souverän verwandelte. Es war ein Genuss, den Frankfurtern zuzuschauen. Der überragende Sebastian Rode war quasi überall, erkämpfte Bälle und verteilte sie clever. Filip Kostic, der zuletzt geschwächelt hatte, präsentierte sich in der beeindruckenden Form der vergangenen Runde, sorgte immer wieder über die linke Seite für Gefahr. Der wieder genesene Dost, für den am Fuß verletzten André Silva in die Startelf gerutscht, riss Lücken, machte mit kurzen Pässen das Spiel schnell.

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SGE lässt sich von Ausfällen nicht beirren

Die Hausherren ließen sich auch von weiteren Ausfällen nicht beirren: Almamy Touré musste in der 30. Minute mit Schmerzen im rechten hinteren Oberschenkel raus, David Abraham übernahm. Und Leverkusen? Zu müde! Nichts zu sehen von den Offensivkünsten von Kai Havertz und Co., Rönnow musste in der ersten Halbzeit nur ein Mal eingreifen, parierte den Versuch von Lucas Alario reaktionsschnell. Kurz vor der Pause hätte Paciencia sogar den Hattrick perfekt machen können, Ex-SGE-Torwart Lukas Hradecky rettete in höchster Not.

Nach dem Seitenwechsel zeigte der frischgebackene Vater Frederik Rönnow dann, das er ein würdiger Vertreter des verletzten Kevin Trapp ist: Der Däne hielt glänzend gegen Alario (66.) und Karim Bellarabi (69.). Dazwischen bejubelten die Frankfurter schon das vermeintliche 3:0, doch Dost stand haarscharf im Abseits, der Treffer zählte nicht. Auch in der 71. Minute entschied Christian Dingert (Lebecksmühle) letztlich richtig. Der Schiedsrichter hatte zunächst Elfmeter für Leverkusen gepfiffen, weil er dachte, Gelson Fernandes hätte eine Flanke von Kevin Volland mit der Hand abgewehrt. Doch die Videobilder zeigten: Der Frankfurter hatte das Spielgerät ins Gesicht bekommen. Kurz darauf war erneut Rönnow zur Stelle, diesmal gegen Havertz (76.).

Gäste aus Leverkusen finden keine Mittel

Die Gäste drängten, fanden gegen weiter diszipliniert stehende und leidenschaftlich verteidigende Hessen aber nicht die richtigen Mittel. Stattdessen machte Dost alles klar: Der Niederländer setzte sich im Gewühl durch, spitzelte den Ball durch die Beine von Hradecky und belohnte sich für eine klasse Leistung. Der Schlusspunkt eines beeindruckenden Frankfurter Auftritts.