Eintracht kann jetzt aus Spitzenkandidaten auswählen

aus Eintracht Frankfurt

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Kandidat für die SGE: Wout Weghorst. Archivfoto: dpa

Der Europokalsieg macht den Verein für etliche Spieler interessant, doch die neuen Ansprüche sind hoch. Statt Polter sind jetzt Weghorst und Alario Kandidaten.

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FRANKFURT. In zwei Wochen (27. Juni) startet die Frankfurter Eintracht in die Vorbereitung auf die neue Saison. Genügend Spieler, 30 an der Zahl, stehen bei den Frankfurtern unter Vertrag, doch der Kader steht längst noch nicht. Es wird noch Abgänge geben (Kandidaten: Kostic, Ndicka, Kamada, Hinteregger, Durm, Ache, Paciencia) und sicher auch noch einige Zugänge.

Sportvorstand Markus Krösche hat zwar in den ersten Monaten des Jahres fleißig vorgearbeitet und inzwischen schon sechs Neuzugänge präsentieren können, doch der Erfolg hat die Eintracht und den Sportchef auch bei den Personalplanungen überrollt. „Wir sind für Spieler durch den Titel und die Teilnahme an der Champions-League brutal interessant geworden", hat Krösche seit dem Europokalsieg feststellen dürfen. Der eine oder andere Transfer, wie bei den Abwehrspielern Hrvoje Smolcic und Jerome Onguené oder U 21-Nationalstürmer Faride Alidou, wurden in die Wege geleitet, als die „Königsklasse“ noch ein großer Traum war. Der Blick war im Frühjahr noch auf Perspektive gerichtet, auf Neuaufbau, in erster Linie auf eine Verbreiterung des Kaders. Das war und ist nicht falsch, hat sich nun aber geändert. Die Anforderungen an das zukünftige Personal sind gestiegen. Krösche muss nun der Spagat gelingen, dem Aufgebot auch genügend Klasse hinzuzufügen, um die großen Ziele („Wir wollen die Gruppenphase der CL überstehen“) zu erreichen, dabei gleichzeitig, die wirtschaftlichen Realitäten nicht aus den Augen zu verlieren.

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Sebastian Polter nicht mehr erste Wahl

Am deutlichsten werden die durch die Erfolge veränderten sportlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Suche nach einem weiteren neuen Stürmer neben Randal Kolo Muani, den die Frankfurter ablösefrei von FC Nantes verpflichtet haben. Schon Ende März hatte Krösche mit Sebastian Polter (31) vom VfL Bochum angeblich eine grundsätzliche Einigung erzielt, mit dem Klub wurde über eine fällige Ablösesumme gesprochen. Der erfahrene Angreifer schien den Frankfurtern der richtige Mann, um als Ergänzung von Muani und Rafael Borré speziell in der Bundesliga wertvolle Dienste zu leisten. Doch der Transfer von Polter ist ins Stocken geraten, auf Nachfrage kommen die Antworten mehr ausweichend denn überzeugend. Der Spieler spürt das und ist längst unruhig geworden. Polter soll jetzt gefordert haben, dass sich die Eintracht bis Ende dieser Woche erklärt. Er muss dann wohl mit einer Absage rechnen.

Die Wahrheit ist nämlich: Polter ist längst nicht mehr erste Wahl bei der Suche nach einem neuen Mittelstürmer. Die Ansprüche sind gestiegen. Mit Lucas Alario (29) von Bayer Leverkusen und Wout Weghorst (29) vom FC Burnley gibt es mindestens zwei weitere Angreifer, die die Frankfurter auf dem Schirm und um die sie sich auch offiziell bemüht haben. Beide, der Argentinier Alario und der Niederländer Weghorst, sind in einem höheren Regal angesiedelt wie Polter, sportlich, aber auch finanziell. Für Alario können die Leverkusener 6,5 Millionen Euro verlangen, so ist es im Vertrag festgeschrieben. Das ist der Eintracht (noch) zu viel.

Weghorst oder doch Alario?

Die Gelegenheit, Weghorst zu holen, hat sich durch eine besondere Konstellation ergeben. Der Angreifer war erst im Winter für 14 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zum FC Burnley in die Premiere-League gewechselt. Dort ist er nicht wirklich durchgestartet, hat in zwanzig Spielen nur zwei Tore erzielt. Und Burnley ist mit Weghorst abgestiegen. Der Spieler hat nun klargemacht, dass er keinesfalls in die zweite englische Liga, dort Championship genannt, gehen wird. Das komme für ihn nicht in Frage, würde es doch die Chancen auf eine WM-Teilnahme gefährden. Eine Klausel ermöglicht es Weghorst, auf Leihbasis den englischen Klub zu verlassen. Und damit ist die Eintracht im Spiel. Was und wen sie mit Weghorst bekommen würden, weiß keiner besser als Trainer Oliver Glasner, der ihn ja zwei Jahre bei den „Wölfen“ trainiert hat. Insgesamt hat Weghorst in Wolfsburg 59 Tore in 118 Spielen erzielt. Der Wechsel könnte Sinn machen für alle Beteiligten. Die Eintracht könnte auf Leihbasis, also relativ preiswert, einen sowohl national wie international (13 Länderspiele, 5 CL-Spiele) erprobten Spieler bekommen, der Spieler wäre zurück in der Bundesliga und könnte sich für die Teilnahme mit den Niederländern an der WM in Katar empfehlen.

Vieles deutet also daraufhin, dass die Frankfurter entweder Weghorst oder doch Alario unter Vertrag nehmen. Polter ist auf einmal nur noch „dritte Wahl“, sozusagen eine „Opfer“ der Frankfurter Erfolge.

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Von Peppi Schmitt