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20171101_Schulwahl.pdf

embeil.03 (schulwahl 2018) SCHULWAHL 2018 3 Mittwoch, 1. November 2017 Wohin führt der Weg nach der vierten Klasse? Viele Faktoren spielen bei dieser Entscheidung eine Rolle, sagt der Darmstädter Rektor Guido Bauer. Foto: dpa „Die sind reif genug“ SCHULWAHL Grundschulleiter Guido Bauer über neugierige Kinder, ehrgeizige Eltern und lohnende Umwege DARMSTADT. Eine immer noch heikle Frage für alle Grundschul Eltern: Auf die Empfehlung der Lehrer hören – oder auf den eigenen Bauch? In Hessen haben die Mütter und Väter weiterhin das Recht, den Weg ihrer Kinder nach der vierten Klasse selbst zu bestimmen. Bei der Entscheidung für eine weiterführende Schule spielen aber viele Faktoren eine Rolle, sagt Guido Bauer, Leiter der Wilhelm Busch-Schule in Darmstadt Arheilgen. Mit 16 Dienstjahren ist er einer der erfahrensten Schulleiter der Stadt. Im ECHO-Gespräch erklärt er, was bei der Wahl zu bedenken ist – und plädiert im Zweifelsfall für die Gesamtschule. Der gelernte Buchbinder hat selbst einige Umwege gemacht, um in der Schule anzukommen, wie er er im Gespräch erzählt. Herr Bauer, was haben Sie nach der vierten Klasse gemacht? Ich bin aufs Gymnasium gewechselt, auf die Georg-Büchner Schule. Aber meine Noten waren dort nicht entsprechend, wir haben damals auch viel Mist gebaut. In der Siebten hat sich dann gezeigt, dass ich runter musste, auf die Wilhelm- Leuschner-Schule. Da ging es so einigermaßen, ich bin bis zum Mittleren Abschluss gekommen. Nach der Zehnten habe ich von der Lehrerin keine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe bekommen. Ich habe dann erstmal eine Handwerkausbildung als Buchbinder absolviert und später mit Anfang 20 noch das Abi auf dem zweiten Bildungsweg gemacht. Wessen Idee war das bei Ihnen mit dem Gymnasium nach der Vierten? Ich weiß nicht mehr genau, aber meine Eltern waren damals noch nicht so hinterher. Sie haben sich an die Empfehlung der Grundschule gehalten. Wie erleben Sie die Eltern heute? Wir gehen immer im November auf die Eltern der Viertklässler zu, bieten denen Infoabende an, auf denen sich auch die weiterführenden Schulen vorstellen. Da kommt ungefähr ein Viertel der Eltern hin. Die persönlichen Beratungsgespräche mit der Klassenlehrerin, zu denen wir dringend raten, nehmen dann fast alle wahr, 98 Prozent, würde ich sagen. Dass Eltern noch früher auf uns zukommen mit dem Thema, ist sehr selten. Die Vertreter der weiterführenden Schulen, auch der Gymnasien, raten den Eltern aber ganz klar: Hören Sie auf die Empfehlung der Grundschule! Und wenn nicht? Das erleben wir im Schnitt nur bei ein, zwei Familien pro Klasse. Häufig ist es dann so, dass wir später mitbekommen, dass die Kinder manchmal zu Rückläufern werden, das heißt: Sie werden nachher doch auf eine andere Schulform versetzt. Wenn das erst in der Siebten passiert, sind die Schüler noch mehr frustriert. Das hören wir dann auch von den Lehrern der weiterführenden Schulen. In Darmstadt streben nach wie vor knapp zwei Drittel aufs Gymnasium – mehr als in den meisten anderen hessischen Kommunen. Warum werden alternative Schulformen wie die Gesamtschule so wenig akzeptiert? Das kann man allgemein nicht sagen. Es hängt auch vom Stadtteil ab. Bei uns in Arheilgen haben wir eine gute Zusammenarbeit mit der Stadtteilschule, die ja eine Kooperative Gesamtschule ist. An der schätzen die Eltern auch die kurzen Wege. Auch Angebote wie die Nachmittagsbetreuung und die AGs sind Kriterien, nach denen Eltern sich entscheiden. Wenn ein Kind auf der Kippe steht nach der Vierten, raten wir im Zweifelsfall eher zur Gesamtschule als zum Gymnasium. Das kann ja nach der zehnten Klasse immer noch kommen. Die Durchlässigkeit ist gut zwischen den Schulformen. Wie viele der Wilhelm-Busch- Schüler wechseln direkt aufs Gymnasium? Schon mehr als die Hälfte, das ist seit Jahren konstant. Wer aufs Gymnasium gehen wird, kristallisiert sich aber oft schon in der zweiten, dritten Klasse heraus. Da sind die Klassenlehrerkräfte mit den Eltern lange im Gespräch. Dennoch wird das Thema immer wieder kontrovers diskutiert. Man müsse durch die Schulempfehlung auch „die Schüler vor ihren Eltern schützen“, hat die NRW-Kultusministerin Barbara Sommer mal gesagt. Erleben Sie viele Eltern, die sich übermäßig engagieren? Manchmal muss man Eltern schon davor bewahren, dass sie ihre Kinder überschätzen und so sehen, wie sie wirklich in der Schule sind. Solche Fälle haben wir immer. Es gibt genügend Beratungsresistente, an die kommt man halt nicht ran. Die müssen halt ihre Erfahrungen machen. Wie oft entscheiden sich Eltern aus bildungsfernen Familien, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken? Das kann ich nicht genau sagen. Was heißt heute Migrationshintergrund? Die Kinder mit ausländischen Namen wurden ja fast alle hier geboren. Das kann man gar nicht mehr auflösen. Wir hatten immer so um die 20 Prozent. Sind die alle bildungsfern? Ich bekomme mit, dass auch viele Kinder aus türkisch- und arabischstämmigen Familien aufs Gymnasium geschickt werden. Da haben die Eltern oft einen hohen Ehrgeiz. Auch Kinder aus russlanddeutschen oder chinesischen Elternhäusern haben einen hohen Anspruch. Da erleben wir schon mal, dass eine Drei beim Sport-Test ein kleiner Weltuntergang für das Kind ist. Konservative verteidigen die Schulempfehlung auch mit dem Argument, man müsse das Gymnasium vor den Ungeeigneten schützen. Aber was heißt ungeeignet? Die Gymnasien müssen heute auch auf die Unterschiede eingehen, die die Schüler mitbringen. Wenn jemand an seiner Grundschule ein Einser-Zeugnis hat, sollte der auch seine Gymnasial-Empfehlung bekommen, egal, aus welchem Stadtteil er kommt. Die Gymnasien müssen die Schüler dort abholen, wo sie herkommen. Das müssen wir ja auch. Warum muss das Aussortieren immer noch nach der Vierten passieren? Kaum ein anderes europäisches Land zwingt die Eltern, Lehrer und Kinder so früh, die Weichen für die Schulkarriere zu stellen. Es ist schon gut, nach der Vierten den Schnitt zu machen. Wir erleben es, dass die Viertklässler um Ostern herum schon unruhig werden. Die wollen raus aus der Grundschule, wollen nicht mehr mit den Kleinen auf einem Schulhof sein. Die sind reif genug für die weiterführende Schule. Das Interview führte Thomas Wolff. „Manchmal muss man Eltern schon davor bewahren, dass sie ihre Kinder überschätzen“, sagt Guido Bauer, Rektor der Wilhelm-Busch-Grundschule in Darmstadt-Arheilgen. Foto: Dagmar Mendel . Guido Bauer, Jahrgang 1965, leitet seit 2001 die Wilhelm- Busch-Schule in Darmstadt-Arheilgen. Der gebürtige Jugenheimer, der heute mit seiner Frau in Darmstadt lebt, hat als Kind die Mornewegschule besucht, zunächst die mittlere Reife an der Wilhelm-Leuschner-Schule gemacht und dann eine Lehre als Buchbinder. Er holte sein Fachabitur nach, studierte schließlich in Frankfurt Grundschulpädagogik. Nach Stationen in Mühltal und Rüsselsheim kam er nach Arheilgen. Seit dem Jahr 2000 wirkte er dort bereits als Konrektor, bevor er ein Jahr später die Leitung übernahm. . Bauer engagiert sich außerdem als Übungsleiter an der TU Darmstadt, im Jugendsozialwerk sowie im Kirchenvorstand der Darmstädter Paulusgemeinde. (two) ZUR PERSON INTERVIEW In Ruhe die richtige Schule finden EDITORIAL Diese Beilage hilft Eltern und Kindern Jede Familie kennt das: Beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule will man unbedingt das Richtige tun. Es ist ja auch eine der wichtigeren Weichenstellungen im Leben eines jungen Menschen, die die Eltern in Verantwortung für ihre Tochter oder ihren Sohn vornehmen müssen. Da steht man als Mutter oder Vater also da, ist umzingelt von guten Ratschlägen und hohen Erwartungen und hat trotzdem keinen Durchblick. Das ECHO, die Main-Spitze, die Lampertheimer Zeitung und die Bürstädter Zeitung schaffen da Abhilfe: Die Beilage, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, in den Händen halten, ist ein in dieser Form einmaliges Angebot. Zum einen erhalten Sie auf 36 Seiten einen Überblick über alle weiterführenden Schulen und Schulformen in Südhessen – mit Ausnahme von Förderschulen. Zum anderen sind es die Schulen selbst, die sich kompakt präsentieren. Mit ihren Angeboten, ihren Stärken und ihren pädagogischen Besonderheiten. Natürlich nimmt auch diese Zusammenstellung den Müttern und Vätern die Entscheidung am Ende nicht ab. Aber Sie können Ihre Wahl auf einer breiteren Basis treffen. Und dazu möchte ich Sie im Namen der Redaktion sehr herzlich einladen. Lassen Sie die Schulporträts auf sich wirken. Sie werden darin nicht nur Hinweise erhalten, die Ihnen die Schulwahl erleichtern. Sie werden mit Sicherheit auch etwas anderes feststellen: Die Schullandschaft in Südhessen ist ebenso vielfältig wie leistungsstark. Wir leben in einer prosperierenden Region, in der auch beim Thema Schulen jeder das findet, was zur eigenen Lebenssituation und zu den Fähigkeiten und Neigungen der Kinder passt. Dies ist beileibe nicht selbstverständlich. Trotz aller Dinge, die es immer zu verbessern gilt, haben wir Schulen, um die uns viele Länder beneiden. Schulen, an denen hoch motivierte Lehrerinnen und Lehrer unseren Kindern den Weg in die Zukunft ebnen. Lernen Sie sie in unserer großen Beilage in Ruhe kennen Ihr e kennen. Lars Hennemann Chefredakteur Mehr als 100 Schulen auf 36 Seiten BEILAGE Entscheidungshilfe für Eltern DARMSTADT. Zum zweiten Mal erscheint unsere Beilage zur Schulwahl in diesem Format für den Bereich der Landkreise Darmstadt-Dieburg, Odenwald, Bergstraße, Groß-Gerau und der Stadt Darmstadt – als eine Sonderveröffentlichung der VRM (Verlagsgruppe Rhein Main). Alle weiterführenden Schulen werden in dieser Beilage vorgestellt. Die Schulen wurden von uns angeschrieben, mit der Bitte, unseren Fragebogen zu beantworten und einen Profiltext über die eigene Schule einzureichen. Insofern gehen die Daten, die beispielsweise in den Übersichtstabellen dargestellt sind, auf die Schulen selbst zurück. Dafür sagen wir Danke! Wir haben auch Berufliche Schulen aufgenommen, die einen Anschluss nach der neunten beziehungsweise zehnten Klasse ermöglichen. Sie werden in unserer Beilage auch die weiterführenden Schulen in Flörsheim und Hochheim finden, die zum Main-Taunus- Kreis gehören. Wir haben hier die Beilage erweitert, weil beide Orte zum Verbreitungsgebiet der Mainspitze gehören, in der ebenfalls unsere Schulwahl- Sonderveröffentlichung beigelegt ist. Nicht aufgeführt sind Förderschulen. Bessere Vergleichbarkeit durch Tabellen Die aktualisierte Beilage soll Eltern eine bessere Vergleichbarkeit der Schulen bieten. Tabellarisch sind daher die Schulen jeweils pro Kreis aufgeführt. Es handelt sich hier bewusst um kein Ranking, da jede Schule ganz eigene Qualitäten hat, die nicht für jedes Kind gleich gut passen müssen. Wir hoffen, Ihnen bei der Entscheidung, wohin es nach der vierten beziehungsweise zehnten Klasse gehen soll, eine Hilfe zu sein. Von Patrick Körber Haupt- oder Realschule? Gesamtschule? Oder gleich aufs Gymnasium? Das müssen Eltern und Grundschüler bald wieder entscheiden. Foto: dpa (c). Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG 2003-2013 / Erstellt von VRM am 07.11.2017


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