Page 4

20170724_nemequittepas

azrepo.04 (#nemequittepas) #NEMEQUITTEPAS 4 Dienstag, 25. Juli 2017 Nicht nur Nachbarn, sondern Freunde Lieber Dominique, in diesem Jahr feiern wir 50 Jahre Partnerschaft zwischen Barsac und Wöllstein. 50 Jahre, in denen wir uns jedes Jahr besucht haben, 50 Jahre, in denen wir uns näher gekommen sind, 50 Jahre, in denen wir Freunde geworden sind. Heute schreibe ich, warum diese Freundschaft so bedeutend für mich ist. Mein Vater war Jahrgang 1921 und somit noch jung, als er im Zweiten Weltkrieg Soldat wurde. Seine Jugend wurde ihm durch Krieg und russische Gefangenschaft genommen, erst im Dezember 1949 kam er als kranker Mann nach Hause. Der Krieg hatte ihn geprägt, und das hat auch mich geprägt! Und dies gilt für viele deutsche Familien, die ähnliches erfahren haben. Als Kind habe ich miterlebt, dass mein Vater im Jahre 1967 zum ersten Mal nach Barsac fuhr. Ich habe die Postkarte, die er voller Begeisterung von dort sandte, bis heute aufbewahrt. Ich habe erlebt, wie meine Eltern sich von Anfang an für die Partnerschaft mit Frankreich engagierten. Es waren für sie und für viele Familien sehr emotionale Begegnungen. Nach all den entsetzlichen Erfahrungen, die unsere Vorfahren miteinander gemacht hatten, bin ich froh, dass wir es geschafft haben, nicht nur gute Nachbarn, sondern Freunde zu werden. Europa ist wahr geworden – Frankreich und Deutschland sind Teil eines vereinten und demokratischen Staatenbundes: Ein Europa, das die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit achtet und freiheitliches Denken und Handeln respektiert. Und es sind nicht nur die gemeinsame Währung und die offenen Grenzen, die ich nicht mehr missen möchte, nein – es sind vor allem die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Es sind die gleichen Werte, die uns verbinden. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ sind heute selbstverständlich in unserem Alltag verankert und sollen es auch bleiben. Ich bin überzeugt davon, dass die Freundschaften, die zwischen unseren Familien entstanden sind, Garant für Toleranz und Respekt, für ein offenes Miteinander und damit für Frieden und Freiheit sind. Im August werden wir uns in Barsac wiedersehen und gemeinsam 50 Jahre Freundschaft in einem weltoffenen Frankreich feiern. Darauf freue ich mich. Herzliche Grüße nach Barsac Guten Tag Lucia, Du hast recht. Unsere Völker waren sehr viele Jahre, ja sogar Jahrhunderte lang, entzweit. Seit 50 Jahren haben unsere Gemeinden die Wahl der Vernunft und der Brüderlichkeit getroffen. Ja, wir werden zusammen das Privileg haben, ein sehr wichtiges Ereignis für unsere beiden Gemeinden zu feiern. Wie Du es mit den Worten Deines Papas und all jener aus der damaligen Zeit sagst, wurde die Wette der Versöhnung eingegangen. Diese mutige Wette auf die Zukunft ist 50 Jahre später zu einem Erfolg geworden. Ich freue mich sehr, dass ich als Bürgermeister zusammen mit Dir das goldene Buch unterzeichnen darf. Zum größten Vergnügen der Bürger und Bürgerinnen von Wöllstein und Barsac werden wir das 50- jährige Jubiläum der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft feiern. 50 Jahre der Freundschaften, des gemeinsamen Lebens, der Gemeinschaft in Freud’ und Leid, die wir alle erlebt haben. Diese Bande, die uns einen, sind unvergänglich. Sie haben mehrere Generationen geprägt, und auch wenn sich die Art und Weise zu leben und zu kommunizieren gewandelt hat, werden wir immer große Freude empfinden, wenn wir uns wiedersehen und Momente großer Geselligkeit und Brüderlichkeit teilen. Vielen Dank an Euch. Mit herzlichen Grüßen Dominique Lucia Müller, Ortsbürgermeisterin Gemeinde Wöllstein Die Bande sind unvergänglich Dominique Cavaillols, Bürgermeister im französischen Barsac Lieber Cédric, ich schreibe Dir heute diesen Brief, weil ich in Sorge bin – in Sorge um die weitere Entwicklung des geeinten, freiheitlichen und friedlichen Europas, so, wie wir es in den vergangenen Jahren als unsere Heimat schätzen und lieben gelernt haben. Ich bin sicher, dass das vereinte Europa nicht nur eine wirtschaftliche Union in einem der freiheitlichsten und demokratischsten Teile dieser Welt ist. Europa ist vor allem auch eine Friedensunion, in der es möglich war –und hoffentlich auch zukünftig möglich sein wird – Menschen unterschiedlicher Nationen und unterschiedlicher Kulturen friedlich neben- und miteinander zusammenzuführen. Nach dem Ende des unseligen Zweiten Weltkriegs und vielen anderen, kriegerischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahrhunderten war der symbolische Händedruck unserer politischen Vorbilder Charles de Gaulle und Konrad Adenauer mehr als ein Neubeginn einer friedlichen Koexistenz zwischen unseren beiden Völkern. Es war der Aufbruch in eine neue, demokratische Zeit, die gerade unseren beiden Ländern so viel Gutes gebracht hat. Ich bin sicher, dass auch die vielen Hundert Gemeinden in Frankreich und in Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren partnerschaftlich zusammengeschlossen haben, einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft haben. Auch unsere Freundschaft zwischen den Menschen in Fondettes und in Naurod hat dazu einen guten Teil beigetragen. Ich empfinde den Menschen gegenüber, die in den politischen Gremien, den Partnerschaftsvereinen und letztlich in den Familien zu dieser großartigen Entwicklung beigetragen haben, großen Dank und tiefe Bewunderung. Meine Sorge begründet sich in der politischen Entwicklung in vielen Ländern Europas. In den Niederlanden, in Polen, in Österreich, in Ungarn oder auch in Frankreich und in Deutschland gewinnen die Rechtspopulisten mit ihren biederen, vermeintlich einfachen, aber brandgefährlichen Haltungen immer mehr Zulauf und Zuspruch. Wir müssen die Menschen in unseren Gemeinden, den Städten und in unseren Ländern sensibel machen gegen diese Art der Vereinfachung und der politischen Verdummung, damit bei den zukünftigen Wahlen die Gegner der Demokratie nicht die Oberhand gewinnen. Lieber Cédric, ich bin sicher, dass Du meine Sorgen verstehst und mit mir und allen aufrechten Demokraten alles dazu tun wirst, dass sich unser Europa weiter friedlich und freiheitlich entwickeln kann. Mit herzlichen Grüßen, Wolfgang Nickel Sehr geehrter Herr Nickel, wir feiern gerade den sechzigsten Geburtstag der Römischen Verträge, des Gründungsakts der Europäischen Union, in der wir heute leben. In dieser historischen Zeit kann ich Ihren Worten der Bewunderung über große Männer wie Adenauer und de Gaulle nur zustimmen, schließe aber auch diejenigen ein, die, oft anonym, zur täglichen Annäherung der europäischen Völker beigetragen haben, unter anderem durch die Partnerschaften. Heute findet sich dieser europäische Geist vor allem in Aktionen wie beispielsweise dem studentischen Austauschprogramm „Erasmus“, und ich bin davon überzeugt, dass das europäische Projekt gerade durch diese Art von konkreten Maßnahmen zukünftig zum Zusammenhalt unserer Mitbürger beitragen wird. Ich verstehe die Sorge, die Sie vor dem Fortschreiten der populistischen Bewegungen zum Ausdruck bringen, und ich teile sie. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, dass Taten besser als Worte sind. Wir müssen daher den Erwartungen unserer Mitbürger entsprechen und dabei großes pädagogisches Geschick beweisen, damit wir unseren Auftrag als gewählte Vertreter gegenüber diesen Bewegungen so wirkungsvoll und dauerhaft wie möglich erfüllen. Ich bin in meinem Innersten davon überzeugt, dass diese Arbeit Früchte tragen wird, und ich treffe in Frankreich auf eine neue Generation, die bereit ist, auf diese Botschaft zu hören, wenn wir uns alle gemeinsam anstrengen. Ich bin glücklich zu wissen, dass sich auch in Deutschland die gewählten Vertreter, die guten Willens sind, ebenfalls, nach Ihrer Schilderung, für diese sehr wichtige Angelegenheit einsetzen, und ich danke Ihnen dafür. Ich freue mich darauf, Sie bald wieder zu sehen, und grüße Sie mit vorzüglicher Hochachtung. Mit freundlichen Grüßen Cédric de Oliveira Wolfgang Nickel, Stadtverordnetenvorsteher Wiesbaden a.D. Ne me quitte pas Großer Dank an die Partnerschaftsvereine Müssen pädagogisches Geschick beweisen Cédric de Oliveira, Bürgermeister Fondettes Ne me quitte pas Foto: : Trüffelpix.Adobe Stock.com


20170724_nemequittepas
To see the actual publication please follow the link above