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azrepo.20 (#nemequittepas) #NEMEQUITTEPAS 20 Dienstag, 25. Juli 2017 Größtes Friedensprojekt An Deutschlands Seite Lieber Jörn Bousselmi, unsere Region Darmstadt Rhein Main Neckar mit dem Oberzentrum Darmstadt ist eine Exportregion. Über 60 Prozent unserer Waren gehen ins Ausland und Frankreich ist einer der wichtigsten Märkte für unsere mehr als 70 000 Mitgliedsunternehmen. Bei den Exporten liegt Frankreich an zweiter Stelle, bei den Importen an vierter. Chemie, Pharma und Automotive sind die bedeutendsten Wirtschaftssektoren für den Handel zwischen unseren beiden Ländern. Allein die Merck KGaA, die ihren Sitz in Darmstadt hat, besitzt in Frankreich elf Außenstandorte und ist auch dort ein wichtiger Arbeitgeber. Die IHK Darmstadt unterstützt in Zusammenarbeit mit Ihrer Außenhandelskammer unsere Export-Unternehmen. Unsere Firmen und ihre Partner in Frankreich profitieren seit Jahrzehnten von der EU und von dem gemeinsamen Binnenmarkt. Zusammen haben wir Wohlstand und viele Arbeitsplätze geschaffen. Aber die EU ist mehr als ein großer Wirtschaftsraum, sie ist das weltweit größte Friedensprojekt. Westlich unserer Region Darmstadt Rhein Main Neckar verläuft der Rhein. Nach dem Krieg war er Grenzlinie zwischen der französischen und amerikanischen Besatzungszone. Heute können wir ihn wie selbstverständlich überall passieren. Diese vielen kleinen Brücken über den Rhein stehen stellvertretend für die vielen Verbindungen, die unsere beiden Länder seit 70 Jahren innerhalb der EU fest zusammenhalten. Und die Deutsch-Französische Handelskammer hat ihren Teil dazu beigetragen. Deutschland und Frankreich bilden hoffentlich auch in Zukunft den Motor Europas und wir wollen trotz mancher Krisen den Erfolg des europäischen Friedensprojekts nie aus den Augen verlieren. Es sind zwei große Zukunftsthemen, die mich hier in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar und der Metropolregion Frankfurt Rhein- Main umtreiben: Digitalisierung und Gründung. Gemeinsam mit London und Berlin ringt Paris um den Spitzenplatz in der europäischen Start-up-Szene. Darmstadt Rhein Main Neckar ist ebenfalls eine Gründerregion – leider ist das in Deutschland und Europa nicht so bekannt. Die hervorragenden wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region bringen jedes Jahr hochinnovative Gründungen im technologischen Bereich hervor und es gibt zahlreiche Firmen, die diese Start-up- Szene finanziell unterstützen. Hier entwickelt sich ein enorm starker Wirtschaftsbereich, der für die Start-up-Szene in Frankreich sehr interessant sein dürfte. Wir als IHK Darmstadt unterstützen die Gründer in unserer Region mit einem neuen Technologie- und Gründerzentrum und einem mit insgesamt vier Millionen Euro dotierten Innovationsfonds. Das Gründerzentrum soll im Herbst eröffnet werden – wir betreiben es gemeinsam mit der Stadt Darmstadt. Beim zweiten großen Zukunftsthema, der Digitalisierung, sind wir eine Vorzeigeregion. Darmstadt ist in Europa ein führender Standort für Forschung in der IT-Sicherheit. Zusammen mit anderen Partnern haben wir uns deshalb für die Auszeichnung als „Digital Hub Cybersecurity“ beworben. Wir arbeiten hier längst an unserer digitalen Zukunft. Für die Unternehmen in unserer Region und in Frankreich bieten die neuen Technologien und die Digitalisierung ein enormes Wachstumspotenzial. Diese Chance müssen wir gemeinsam nutzen – hoffentlich in einem weiterhin vereinten und starken Europa. Ihre Prof. Dr. Kristina Sinemus Liebe Frau Prof. Dr. Kristina Sinemus, bald wird in Frankreich eine neue Regierung gewählt und insbesondere auf deutscher Seite wird viel darüber berichtet. Wie stellt sich Frankreich künftig politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich auf? Wie steht es um Europa, offene Märkte, Reformen, gemeinsame Werte und Ziele? Mit einem starken Frankreich an Deutschlands Seite und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit können wir die vor uns allen liegenden Herausforderungen gemeinsam mit den europäischen Partnern angehen und sich bietende Chancen nutzen. Eine solide wirtschaftliche Verflechtung besteht dafür bereits. Der Handel zwischen unseren beiden Ländern liegt seit Jahren auf höchstem Niveau. Dominierende Sektoren sind die Luftfahrttechnik, der Maschinen- und Anlagenbau, die sich erholende Automobilbranche, Elektro- und Elektronikgeräte, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie die Medizintechnik. Interessant sind auch die Bereiche Umwelt und Energie, vor allem erneuerbare Energien, und natürlich die Digitalisierung der Wirtschaft. Frankreich hat zudem eine blühende und sehr kreative Start-up-Szene, nicht nur in Paris. Paris ist übrigens auch die Stadt mit der zweitgrößten Konzentration an Fortune 500-Unternehmen, nach Tokio, aber noch vor New York oder London. In jedem Fall lohnt sich in allen Bereichen immer ein intensiver Blick in die sich schnell und gut entwickelnden Regionen. Derzeit haben über 3800 deutsche Unternehmen eine Niederlassung oder Tochtergesellschaft in Frankreich, davon sind fast 500 Unternehmen aus Hessen. Im letzten Jahr war Deutschland der wichtigste erwerbsschaffende Direktinvestor in Frankreich. Deutsche Unternehmen haben tausende Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Herausragende Bereiche sind der Fahrzeugbau, Handel & Vertrieb, Logistik, IT, Elektronik & Elektrotechnik, Maschinenbau sowie Energie & Umwelttechnik. Die deutschen Unternehmen vor Ort schätzen unter anderem Infrastruktur, Flexibilität und französische Ingenieurkunst. Ein hohes Bildungsniveau, neue Ideen und Kreativität begünstigen Innovationen. Der Bereich der Forschung und Entwicklung profitiert von interessanten Steuervorteilen. Natürlich gibt es auch in Frankreich noch genügend Möglichkeiten, um Reformen beherzt anzugehen und die Attraktivität zu steigern. Aber wo ist das denn nicht so? Der französische Markt wird gerade von mittelständischen Unternehmen häufig als komplex und herausfordernd empfunden. Aber wie immer gilt auch in Frankreich der Grundsatz: „Gewusst wie!“ Die AHK Frankreich kennt die entscheidenden Mittel und Wege und bietet gezielte Antworten für ein erfolgreiches Frankreichgeschäft. Wir helfen Unternehmen, französische Gegebenheiten und interkulturelle Besonderheiten zu verstehen und Fallstricke zu vermeiden. Davon können auch hessische Unternehmen profitieren! Vor und nach den Wahlen. Frankreich ist und bleibt spannend, heute wie auch morgen. Mehr als nur ein Blick lohnt sich immer. A bientôt! Ihr Jörn Bousselmi Prof. Dr. Kristina Sinemus, Präsidentin IHK Darmstadt Rhein Main Neckar Ne me quitte pas Jörn Bousselmi, Hauptgeschäftsführer Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer Wir leben schon lange Europa Keinen Grund zur Panik Im 30. Jahr des Bestehens des Deutsch-Französischen Freundeskreises/Amicale Franco-Allemande 1987 e. V. – europäischer Verein (DFFK/AFA) leiste ich gerne einen kleinen Beitrag zur Kampagne. Ich stelle mich vor: 75 Jahre alt, gemeinsame DFFK/AFAPräsidentschaft mit meinem französischen Freund Alfred Schmitt (langjähriger Maire der Stadt Soultzsous Forêts), Osteuropareferent im Hessischen Wirtschaftsministerium bis 2007; Stellvertretender Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Schlangenbad. Zuallererst möchte ich anmerken, dass nach meiner Einschätzung ein Ausscheiden Frankreichs aus der Europäischen Union infolge der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen mit einem möglicherweise ungünstigen Verlauf – etwa mit nationalistischem Auftrieb – schlichtweg unvorstellbar erscheint. Aufgrund meines Anfang der 80er Jahre beginnenden Partnerschaftsengagements mit Frankreich wohnt mir eine gewisse Affinität beziehungsweise gar Frankophilie gegenüber unserem Nachbarland mit seiner sympathischen Bevölkerung, seiner Savoir-Vivre-Lebensart sowie der faszinierenden französischen Sprache inne. Mit anderen Worten: Regelmäßige Kontakte, vor allem mit französischen Freunden aus dem Nordelsass sowie aus Craponne bei Lyon (Partnerstadt Schlangenbads) verleihen meinem Leben die gewünschte Aktivitätsvielfalt. Aus dieser Grundhaltung heraus habe ich im November 1987 meine Idee der Gründung des in Wiesbaden eingetragenen Vereins „Amicale Franco-Allemande“ verwirklicht. Unser derzeit 150 deutsche, französische und russische Mitglieder umfassender Verein ist von den Vereinszielen der Völkerverständigung, der internationalen Gesinnung, der Kultur, vor allem aber der Freundschaft mit Frankreich und der europäischen Integration beseelt. Die Palette der Vereinsaktivitäten reicht von Kulturaustausch in Form von Mundarttheater, Französischkursen und Konzerten, Weinkultur, Europareisen bis hin zu Diskussionsveranstaltungen zum Thema „Trennende und gemeinsame Geschichte“ sowie zur aktuellen Thematik „Europa, Europäische Union und Euro“. Mit dem seit Jahren geflügelten Wort in unserem Verein „Wir leben schon lange Europa“ wird das Grundanliegen französischer und deutscher Vereinsmitglieder gleichermaßen artikuliert. Auf beiden Seiten werden wir dankenswerterweise aktuell von prominenten Politikern mit Rat und Tat unterstützt. In Soultzsous Forêts sowie in Merkwiller-Pechelbronn im Elsass fühlen wir uns ganz einfach „comme chez nous“. Nicht minder „wie zu Hause“ fühlen sich unsere französischen Freunde in Schlangenbad. Ich kann mich nach den von mir gemachten Erfahrungen des Eindrucks nicht erwehren, dass Frankreich und Deutschland mit seiner politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und nachbarschaftlichen Verflechtung beziehungsweise Stärke die Hauptachse in der Europäischen Union darstellen, ohne die die EU nicht das wäre, was sie heutzutage ist. Daher gilt es, diese Achse unbedingt zu erhalten beziehungsweise auszubauen. Allerdings ist bekanntermaßen nichts so gut, dass es sich nicht noch verbessern ließe; dies trifft auch auf die EU zu. Als europäischer Bürger und Vereinsengagierter möchte ich in diesem Zusammenhang im Namen meines Amicale Franco-Allemande konstruktivkritisch feststellen, dass dem Motto „Europa der Bürger“ künftig mehr Beachtung geschenkt werden muss, gilt es doch, die Bürger Europas mitzunehmen – bei dem intensivierungsbedürftigen Integrationsprozess in Richtung eines europäischen Konstruktes mit europäischem Binnenmarkt, einheitlicher Außen-, Verteidigungs-, Sozial- und Asylpolitik etc. Unser Amicale Franco-Allemande ist davon überzeugt, dass sich aus der überfälligen Etablierung eines europäischen Vereinsrechtes ein stimulierendes Mittel für den Integrationsprozess ergäbe. Ein notwendiger verstärkter Zusammenhalt innerhalb der EU von unten nach oben könnte hierdurch bewirkt werden. Gerade in der jetzigen geopolitisch schwierigen Zeit gilt dies umso mehr, zumal ein starkes vereintes Europa (sukzessive auch Russland integrierend!) ein wirkungsvolles Gegengewicht zu den sich offenbar künftig verstärkt abschottenden Vereinigten Staaten von Amerika („make america great again“) bedeuten würde. Damit wäre auch eine effektivere Bekämpfung des Terrorismus in Europa möglich. Mein Appell an unsere französischen Nachbarn vor dem Hintergrund des bisher Geschriebenen: Gestatten Sie mir schließlich, dass ich (mir ist sehr viel an Ihrem wunderbaren Land gelegen!) Sie mit diesem Appell zu ermutigen beabsichtige, sich bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im April und Mai im Sinne Europas für den Erhalt der bisher schon errungenen Werte des Friedens, der Grundfreiheiten, der Rechtsstaatlichkeit und Freizügigkeit einzusetzen und vor allem den rückwärtsgewandten populistischen Parolen der Nationalisten in Ihrem Land keine Chance zu geben. Alles Gute! Arno Pfeffer Hallo Arno, ich habe mich entschlossen, keinen Kommentar zu schreiben, aus dem einzigen Grund, dass die Populisten in Frankreich (Front National mit Marine Le Pen) nicht die geringste Chance haben, die Präsidentenwahl zu gewinnen. Den ersten Wahlgang ja, aber beim zweiten werden sich die Franzosen besinnen und das extreme Programm zurückstoßen, so wie es immer der Fall auf nationaler Ebene ist. 30 Prozent im ersten Wahlgang, und ungefähr das gleiche im zweiten. Für mich gibt es also keinen Grund zur Panik: Frankreich wird nicht aus Europa aussteigen, der Frieden wird erhalten bleiben und wir Franzosen und Deutschen werden weiter Freundschaft und Zusammenleben genießen. Ein beängstigender Kommentar meinerseits könnte von den Populisten zu ihren Gunsten benutzt werden. Man sollte sie nicht seriös einschätzen. Mit freundlichen Grüßen Henri Nordmann Arno Pfeffer aus Schlangenbad, Präsident des Deutsch-Französischen Freundeskreises/ Amicale Franco- Allemande. Ne me quitte pas Henri Nordmann, Journalist bei der elsässischen Regionalzeitung „Dernières Nouvelles Alsaciennes” in Straßburg Foto:lar01joka - Adobe Stock.com


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