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20170724_nemequittepas

azrepo.17 (#nemequittepas) #NEMEQUITTEPAS 17 Dienstag, 25. Juli 2017 714 Kilometer entfernt und uns doch so nah Lieber Yves, wir sind ein Stück Europa! Wenn auch nur ein kleiner Teil, aber seit über 40 Jahren arbeiten die Einwohner von Strinz-Margarethä und Aube an der Bildung unserer Freundschaft und haben dafür einiges gemeinsam getan – nicht auf der politischen Ebene, sondern im privaten, familiären oder Vereinsbereich. Durch den Zufall einer erlebten Kriegsgefangenschaft von Herrn Labonne, dem ehemaligen Bürgermeister von Aube, kam unsere Verschwisterung zustande und wurde 1974 von beiden Gemeinden besiegelt. Gelebt wurde die Verschwisterung durch die Einwohner und ihre Vereine. Die ersten Besuche gestalteten der MGV und der TV. Ab 1980 standen wieder Familienbegegnungen im Vordergrund, während Ende der Achtziger Jahre einige Jugendbegegnungen stattfanden. Es wurden viele gemeinschaftliche Sportwettkämpfe bestritten, und zwei Gruppen Radfahrer erlebten 1983 und 1989 die Fahrt nach Aube auf dem Sattel ihres Rades. Es wurden Ehen und Partnerschaften geschlossen, Kinder und Enkelkinder geboren. Wir haben gemeinsam die Feste des Lebens gefeiert, getrauert und gemeinsam geweint. In all diesen Jahren fanden 49 offizielle Begegnungen statt, ohne die vielen persönlichen gegenseitigen Besuche unserer Mitglieder und Mitbürger. Wir sind 714 Kilometer voneinander entfernt und uns doch in vielen Dingen sehr nah. Unsere vielen Ausflüge haben starke Eindrücke hinterlassen. Wir haben die Schönheit der Landschaft beider Regionen kennengelernt und viel über wirtschaftliche und kulturelle Dinge erfahren. Für die Übernahme von Sitten und Bräuchen möchte ich als Beispiel die vielen Sauerkrautessen in Aube erwähnen. Im Gegenzug haben wir seit 1982 24 französische Abendessen in Strinz durchgeführt. Wir sind in all den Jahren viele Wege gegangen, um unsere Freundschaft und Verschwisterung aufrechtzuerhalten. Seit sechs Jahren haben wir einen neuen Weg eingeschlagen und die Musik integriert. Nicht zu vergessen sind mittlerweile die Mitglieder des Jugendclubs in Strinz, die sich regelmäßig an unseren Fahrten beteiligen. Danke an alle, die in den vergangenen 43 Jahren zum gegenseitigen Gelingen unserer Freundschaft beigetragen haben. Danke auch an die offiziellen Gremien der beiden Gemeinden für die finanzielle und ideelle Unterstützung. Egal, wie unsere Politiker entscheiden, unsere Freundschaft können sie nicht zerstören, wir arbeiten am Europa der Herzen! Herzliche Grüße Gerda Deuser Liebe Gerda, elf Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit durch Adenauer und De Gaulle im Januar 1963 wurde die Entscheidung, eine Verschwisterung zwischen Strinz-Margarethä und Aube einzugehen, von Herrn Labonne, dem damaligen Bürgermeister von Aube, und Herrn Petri aus Strinz-Margarethä offiziell besiegelt. Diese Geste der Versöhnung bedeutete nicht, dass wir unsere gemeinsame schmerzvolle Vergangenheit und das Unglück, das alle Familien in beiden Ländern getroffen hatte, vergessen wollten. Wir wollten vielmehr, dass die vergangenen Kriege sich nie mehr wiederholen. Wir wollten, dass die Verschwisterung, wie es in der Urkunde verankert ist, „eine Freundschaft zwischen unseren beiden Städten besiegeln und als Vorbild für künftige Generationen dienen“ möge. 43 Jahre später freuen wir uns zweifellos darüber, dass diese Ziele erreicht sind. Die Verschwisterung Strinz/Aube ist seit ihrer Gründung bis zum heutigen Tag sehr lebendig geblieben. Im letzten Jahr habt ihr, liebe Freunde aus Strinz, zum Beispiel 80 junge französische Musiker, Chormitglieder und deren Familien bei euch aufgenommen. Können so kleine Städte wie die unseren nicht sehr stolz darauf sein, dass sie die gemeinsamen Beziehungen über die ganze Zeit hinweg aufrechterhalten haben? Wir leben ein gemeinsames Abenteuer dank der großen Einsatzbereitschaft unserer zwei Komitees und der Mitglieder. Wir merken jedes Jahr, dass sich die Familien bei den regelmäßigen Treffen kennen und schätzen lernen und dabei enge Freundschaften untereinander entstehen. Wie dies bei vielen anderen Mitgliedern des Freundeskreises der Fall war, wurde unsere Familie schon bei unserem ersten Besuch „mit offenen Armen“ von Monika und Lothar empfangen, was der Beginn einer langen, schönen Freundschaft war. Mittlerweile sind wir familiär verbunden und teilen unsere Freuden, aber auch unser Leid miteinander. Bei den Reisen für den Austausch in den Bereichen Kultur, Kunst, Tourismus und Sport kann jeder die Unterschiede zwischen unseren Ländern als Bereicherung erleben. Außerdem fördern wir, dass wir – und ganz besonders die jungen Menschen – die jeweils andere Sprache lernen. Wir wünschen uns, dass die Werte der Solidarität und Freundschaft, für die wir eintreten, im aktuellen wirtschaftlichen und politischen Kontext, der immer schwieriger wird, besser anerkannt werden. Es lebe die Verschwisterung! Yves Gerda Deuser, Vorsitzende Freundeskreis Strinz-Aube Ne me quitte pas Es lebe die Verschwisterung! Yves Bonnehomme, Vorsitzender Freundeskreis Aube-Strinz Ein guter Beitrag zur Völkerverständigung Liebe Claude, lieber Marcel, von der VRM wird eine Aktion „Ne me quitte pas“ gestartet. Mit dieser Aktion soll unsere Verbundenheit dargestellt werden. Begonnen hat die Verschwisterung auf Initiative von dem ehemaligen Kriegsgefangenen in unserem Dorf, Herrn Roul Labonne, dem Bürgermeister der Gemeinde Aube in der Normandie. Im Jahr 1973 hat der erste Besuch in Aube stattgefunden. Es war der Männergesangverein unter meinem Vorsitz. Seit dieser Zeit seid ihr, liebe Claude, lieber Marcel, unsere Gastfamilie. Im jährlichen Wechsel von Christi Himmelfahrt bis Sonntag finden die Treffen statt. Wir sind sehr schnell gute Freunde geworden. Unsere beiden Söhne haben Ferien bei euch verbracht und dadurch eure Sprache erlernt. Wir laden uns gegenseitig zu Familienfeiern ein. Auch zu traurigen Anlässen haben wir uns besucht. Es ist in dieser langen Zeit eine Freundschaft entstanden, die wir sehr hoch schätzen. Wir sind davon überzeugt, dass durch die Verschwisterung und unsere Freundschaft ein guter Beitrag zur Völkerverständigung geleistet wurde und wird. Ihr könnt aus Altersgründen leider nicht mehr nach Hohenstein/Strinz- Margarethä kommen. Dieser Umstand ändert nichts an unserer tiefen Freundschaft. Herzlichste Grüße Irmgard und Paul Familien treffen sich in Freud und Leid wieder Freunde aus Strinz! Unsere erste Begegnung... Erinnert Ihr Euch noch? Wir hatten unser Zelt auf einer Wiese aufgeschlagen, Ihr konntet sie aus eurem Fenster sehen. Herr Raoul Labonne wollte, dass wir dieses deutsche Dorf kennenlernten, wo Herr und Frau Petri, die ihn im Dezember 1941 aufgenommen hatten, wohnten. Raoul gehörte zu einer Gruppe von französischen Gefangenen, die in Limburg stationiert waren, und er und zwei andere Kameraden baten darum, auf Bauernhöfen arbeiten zu dürfen. So kam Raoul zu Willy Petri. Ihr Sohn Werner war damals zwei Jahre alt und wurde schnell Raouls kleiner Freund. Ein starkes freundschaftliches Band war entstanden. Als wieder Frieden war, schwor sich Raoul, in dieses Dorf zurückzukehren. Im Jahr 1971 fuhren Raoul und Denise zur Familie Marchand in Strinz, und glauben Sie mir, die Erinnerung ist unvergesslich. Zurück in Frankreich war es an Raoul, Bürgermeister der Gemeinde Aube, seinen Gemeinderat von einer Verschwisterung unserer beiden Gemeinden zu überzeugen. Natürlich gab es noch einige Zögerer, aber Raoul meisterte die Schwierigkeiten mit Geschick. So lud unsere Gemeinde 1973 einige Bürger aus Strinz ein, nämlich den meisterhaften Chor, der von unserem treuen Freund Paul Hahn dirigiert wurde. Im Jahr 1974 luden uns die Strinzer ein und Herr Michel und Herr Labonne, die Bürgermeister unserer Dörfer, unterzeichneten die Verschwisterungsurkunde. Im Jahr 1975 waren die Bürger aus Aube wieder an der Reihe, die Strinzer zu empfangen und den Wert dieser Verschwisterung zu bestätigen. Wir sind Freunde und Europäer. Und seitdem haben wir uns jedes Jahr getroffen. Einige deutsche und französische Jugendvereine trafen sich in den Frühlingsferien, wann immer es möglich war. Deutsche und französische Familien treffen sich in Freud und Leid wieder. Claude Marchand Paul Hahn, Freundeskreis Strinz-Aube Ne me quitte pas Claude Marchand, Freundeskreis Aube-Strinz Streiktage Der gallische Hahn, Symbol Frankreichs, gilt als stolz und stur: Die Nachbarn kämpfen für ihre Arbeitsrechte intensiver und länger als die Deutschen: 117 Tage in Frankreich 7 Tage in Deutschland Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft (DWI) Wirtschaftsleistung jährliches nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2016: 2,2 Billionen Euro, Frankreich 3,1 Billionen Euro, Deutschland Quelle: Eurostat


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