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20170724_nemequittepas

azrepo.15 (#nemequittepas) #NEMEQUITTEPAS 15 Dienstag, 25. Juli 2017 Dankbar für große Gastfreundschaft Lieber Patrick de Labrouhe, 60 Jahre nach Inkrafttreten der Römischen Verträge, im Schatten der beginnenden Verhandlungen um den Brexit und wenige Wochen vor wichtigen Wahlen sprechen nicht wenige von einer Krise der Europäischen Union und einem Rückzug in Nationalismus und Isolation. Da kommt es umso mehr darauf an, sich dessen zu vergewissern, was in Europa und in der festen Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland erreicht wurde, und lebendige Partnerschaften zu betonen. Eine solche lebendige Partnerschaft verbindet seit langem unsere Regionen Burgund und Rheinland-Pfalz im allgemeinen und unsere beiden Rotary Clubs Mainz und Beaune im Besonderen über faktisch nicht mehr bestehende nationale Grenzen und über Sprachgrenzen hinweg. Und so anmaßend das auch klingen mag, unsere Club-Partnerschaft war wegweisend für das, was heute (noch) als unsere europäische Gemeinschaft eine vielleicht zu selbstverständliche Realität ist. Eine Realität, die vermutlich erst im Moment des Verlustes die unermesslich positive Dimension dieses bisher gelebten Traums eines geeinten Europas aufzeigen wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die ersten Kontakte zwischen unseren beiden Clubs und sie entsprangen dem nach dem Krieg besonders intensiv empfundenen Wunsch, etwas Verbindendes über die damals noch sehr manifesten Grenzen hinweg zu schaffen. Natürlich hing das auch mit einer der Grundideen von Rotary zusammen, wo man es als eine der vornehmsten rotarischen Aufgaben erachtet, „Brücken zu schlagen“ und es in der Nachkriegszeit als wesentlich verstanden wurde, mit seinen Nachbarn gut auszukommen, damit eine solche Katastrophe nie wieder passieren kann. So sind unsere Clubs schon seit 1953 Partner. Der Präsident des RC Beaune sprach von Frieden, den es zu bauen gelte, der ein Wert des Glaubens und der Liebe sei, des Glaubens an den guten Willen und an die Vernunft der Liebe zu einer unruhigen und gespaltenen Menschheit. Seitdem haben wir unsere deutsch-französische Partnerschaft als eine gegenseitig befruchtende, bereichernde und wunderbar selbstverständliche Übung in einem grenzenlosen, interkulturellen und sprachübergreifenden Europa erlebt. Wir möchten uns gar nicht vorstellen, wohin sich auch unsere kleine Entente cordiale entwickeln könnte, wenn es auf einmal wieder Grenzen und Abgrenzung in Europa gibt. Mit freundlichen Grüßen Irene Krämer Liebe Irene Krämer, die Partnerschaft zwischen unseren beiden Clubs hat, auf seine Art, bescheiden, aber wesentlich zum Aufbau eines geeinten Europa beigetragen, das Quelle von Frieden und Wohlstand ist, einzigartig in unserer langen gemeinsamen Geschichte. Und doch konnte sie nicht die grundsätzlichen Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern beseitigen, die sich meines Erachtens aus den Unterschieden der Verhaltensweisen ergeben. Deutschland hat eine industrielle Tradition, Frankreich eine landwirtschaftliche. Ein Deutscher lebt in einer Welt, die offen ist und auf die Zukunft gerichtet. Ein Franzose lebt in einer abgeschirmten Welt, die in die Vergangenheit gerichtet ist. Die Grenzen Deutschlands habennsich in den letzten 150 Jahren stark verändert. Die Grenzen Frankreichs seit 300 Jahren fast nicht mehr. Der letzte, von Deutschen verursachte Krieg wurde vor 80 Jahren von Hitler befohlen. Der letzte von Franzosen veranlasste Krieg geht auf Napoleon vor 200 Jahren zurück (der Erste Weltkrieg ging von ganz Europa aus). Schließlich, und das ist entscheidend, die Geburt Frankreichs geht fast doppelt so weit zurück wie die Deutschlands. Trotz dieser bedeutenden Unterschiede ist es wohlwollenden Menschen, vereint in einem demokratisch christlichen Ideal, gelungen, uns in einer großen Anstrengung im Laufe von 30 Jahren zu versöhnen. Wir haben uns nicht ausreichend bei Bundeskanzler Adenauer und Präsident de Gaulle bedankt, das Wagnis eingegangen zu sein, mit diesem von beiden Völkern getragenen Kraftakt zu beginnen. Es bleibt nun, die Arbeit zu Ende zu bringen. Die Engländer verweigern sich mit dem Brexit. Und wir sind nicht weit vom Frexit entfernt. Seitdem ich zur Wahl gehe, ist es das allererste Mal, dass das zentrale Thema der Wahl Europa ist. Und das Ergebnis wird gewiss zeigen, dass 60 Prozent der Franzosen in der EU und im Euro bleiben wollen. Die 40 Prozent, die aussteigen wollen, werden mit der Zeit weniger werden, aber das wird dauern. Wir verdanken das sicherlich unserer Jugend – meine Kinder kennen kein anderes Geld als den Euro. Wenn wir im Gespräch auf einen Preis in Francs kommen, fragen sie uns, wie viel das in Euro ausmacht, um eine Vorstellung zu bekommen. Dank unserer Partnerschaft haben meine Kinder Deutsche ihres Alters kennengelernt. Auch wenn es dabei nicht zu vertieften Freundschaften kam, so blieb davon die Selbstverständlichkeit in der Kommunikation und im Arbeiten mit dem Nachbarland, das ist so natürlich wie mit einer anderen Region in Frankreich. Es muss jetzt nur das Momentum beibehalten werden, es scheint auf gutem Weg zu sein und ich bin jetzt sehr viel optimistischer als noch vor einem Monat. In herzlicher Freundschaft Patrick de Labrouhe Irene Krämer, diesjährige Präsidentin des Rotary Clubs Mainz Ne me quitte pas Eine lebendige Partnerschaft verbindet Aus zwei verschiedenen Welten Patrick de Labrouhe, Schatzmeister des Rotary Clubs Beaune in Burgund Sehr geehrter Herr Erzbischof Minnerath! Auch in diesem Jahr haben wir die Osterkerzen zwischen den beiden Kathedralen St. Benigne in Dijon und St. Martin in Mainz getauscht. Damit folgen wir einer jahrelangen Tradition. Wir sind dankbar für die große Gastfreundschaft, die wir in Dijon immer wieder erleben. Wenn in der Osternacht das feierliche Exsultet vor der brennenden Kerze erklingt, erinnern wir uns an die Gemeinschaft der Glaubenden. Auch in den Gemeinden St. Bernard/Dijon und St. Bernhard/ Mainz wird die Kerze uns an die Verbindung unserer beiden Völker erinnern. In diesem Jahr feiern wir 60 Jahre Partnerschaft Rheinland Pfalz/Burgund. Es wird deutlich, dass wir gemeinsam in Europa auf dem Weg sind. Vieles in unserer Kultur verbindet uns. Trennungen versuchen wir zu überwinden und Verwundungen werden geheilt. Viele Gespräche mit Menschen in Dijon ermutigen, diese Wege der Zusammenarbeit und Einheit weiter zu gehen. Die gegenseitige Wertschätzung des je anderen ist zum Alltag geworden. Gerne erinnere ich mich an Ihre mutigen Worte anlässlich des Gedenktages des Bombardements auf Mainz am 27. Februar vor einigen Jahren. Ihre Worte haben in Mainz eine große Aufmerksamkeit erfahren. Ich wünsche mir, dass wir unsere Gemeinsamkeiten ausbauen und das gemeinsame Europa nicht aus den Augen verlieren. In herzlicher Verbundenheit Pfarrer Kölzer Sehr geehrter, lieber Herr Pfarrer Kölzer! Seit Jahren pflegen unsere beiden Diözesen die freundschaftlichsten Beziehungen, die auch auf der Ebene der Pfarreien St. Bernhard von Mainz-Bretzenheim und Dijon intensiv getragen werden. Unsere Partnerschaft wurde zusammen mit der Partnerschaft Rheinland Pfalz/Burgund besiegelt. Während diesen 60 Jahren hat sie nur zugenommen. Die Anfänge sind immer Zeiten der Begeisterung. Dann kommt die Zeit der Konsolidierung und des Ausbaus, für manche auch des sinkenden Interesses. Wir aber halten fest in einer Zeit der „Europamüdigkeit“, die uns bedroht. Europa hat sich wahrscheinlich zu stark auf Verwaltung und Wirtschaftsmaßnahmen konzentriert, so dass die ursprüngliche geistliche Perspektive verloren gegangen ist. Als katholische Kirche können wir nur unsere Beziehungen verstärken und uns jedes Jahr über den Osterkerzenaustausch freuen. So leisten wir unseren besonderen Beitrag zum Zusammenwachsen der europäischen Völker. Wir sprechen nicht nur von „christlichen Wurzeln“, die erhalten werden sollen, wir halten fest an der Quelle, die nie versagt hat und die uns immer weiter führt auf dem Weg des fröhlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens. Ihnen und Ihrer lieben Pfarrgemeinde ein gesegnetes Osterfest. In herzlicher Verbundenheit Erzbischof Minnerath Markus Kölzer, geboren 1960, ist seit 2005 Dekan des Katholischen Dekanats Mainz. Ne me quitte pas Europamüdigkeit bedroht uns Roland Minnerath, geboren 1946, ist seit dem Jahr 2004 Erzbischof von Dijon. Foto: moloko 88.adobe stock.de


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