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Samstag, 22. April 2017 ZUKUNFT & CHANCEN 30 Gerade viele junge Menschen sind auf der Suche nach einer Stütze. Wer gibt ihnen Kraft? Sabine Blochwitz (59), Darmstadt, aus der Kirche ausgetreten Wie kann Kirche Verständigung und Verständnis zwischen den Menschen stiften? Auch über Grenzen religiöser und kultureller Unterschiede hinweg? Sophie Lange (27), Mainz, Atheistin Feiertage wie Weihnachten und Ostern genießen einen hohen Stellenwert, auch, weil dann die Familien zusammenkommen. Familie ist für viele von zentraler Bedeutung. Warum nimmt die Kirche sie nicht noch stärker in den Fokus? Gradinis Sandic (70), Darmstadt, orthodox Wie kann Kirche die Menschen begeistern? Daniel Hoock (31), Wiesbaden, evangelisch Glaube? Ein Anker! Wir feiern in diesem Jahr 500 Jahre Reformation. Was erwarten Nicola Herrlich blickt gespannt auf ihr Arbeitsleben. Die 22 Jahre alte Büttelbornerin hat ihr Bachelorstudium an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt fast geschafft. Nach ihrem Abitur 2013 hat sie sich für Soziale Arbeit mit gemeindepädagogischem, diakonischem Schwerpunkt entschieden. Ihr Ziel: ein vielfältiges Arbeitsfeld im kirchlichen Dienst, in dem die Einsatzmöglichkeiten von der Krabbelgruppe über Jugendarbeit bis zum Seniorenkreis reichen (während die Pfarrer sich um Gottesdienste, Seelsorge und die Gemeindeleitung kümmern). Orientierung, Halt und Freiräume – auch in Zukunft Nun schreibt sie an ihrer Bachelorarbeit und hat bereits einige Praxiserfahrungen sammeln können. In ihrem Berufswunsch sieht sie sich dadurch bestätigt. „Mein eigenes kirchliches Engagement war die Motivation fürs Studium“, blickt die 22-Jährige zurück. Die junge Frau ist seit rund 13 Jahren bei der „Jungen Bühne Büttelborn“ aktiv, einer Jugendtheatergruppe in der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde. Jährlich zeigen die Jung-Schauspieler bei einem Auftritt im Gemeindehaus ihr Können. „Ursprünglich wollte ich Kindergärtnerin werden“, verrät Herrlich. Da hatte sie sich noch nicht mit dem Studiengang beschäftigt. Doch kaum darauf gestoßen, wurde ihr schnell klar, dass es genau das Richtige für sie ist. „Damit kann ich mir alle Türen offen halten“, hebt die Studentin hervor. „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann super anstrengend sein, wenn man älter ist. Da ist es gut, ein Backup zu haben.“ Durch die Qualifikationen und das vielseitig vermittelte Wissen durch das Studium blieben ihr verschiedene Optionen, schließlich biete die Kirche auch viele Möglichkeiten. Ihre Sicht darauf, wie es nach dem Studium weitergeht, habe sich in den vergangenen vier Jahren immer wieder verändert. Gezweifelt am generellen Berufsziel hat sie nie. Zum Studienstart sei ihr zwar prophezeit worden, dass irgendwann der Punkt käme, an dem man sich frage, ob das alles so richtig sei. Doch die wissbegierige junge Frau scheint alles in sich aufzusaugen. Eine entspannungspädagogische Ausbildung hat sie bereits absolviert, an einer Weiterbildung in Theaterpädagogik ist die Hobby- Schauspielerin interessiert. Es wundert nicht, dass Herrlich sich nun auch dafür entschieden hat, den Master in Religionspädagogik dranzuhängen. Für die Büttelbornerin ist das ein logischer Schritt. „Die kirchlichen Strukturen verändern sich“, sagt Herrlich mit Blick auf Dekanatsfusionen, die in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau anstehen. Vieles sei in Bewegung, AUSBILDUNG & EINSATZMÖGLICHKEITEN da könne man sich jetzt nicht festlegen, wie genau das Arbeitsfeld später einmal aussehen soll. Vielmehr sieht sie, dass künftig mehr in Zusammenarbeit mit anderen laufen muss, um Menschen zu erreichen, die nicht mehr in die Kirche gehen oder einer Konfession angehören. Schulen sieht sie als gute Kooperationspartner. „Da ist es gut, über das Religionspädagogik Studium die Perspektive von Lehrern kennenzulernen“, meint die 22- Jährige. Klar ist für sie: Lehrerin möchte sie nicht werden. Vielfalt, Orientierung, Freiräume – Nicola Herrlich ist von ihrem Studium überzeugt. Spannend sei es zu entdecken, wie ihre Kommilitonen mit dem eigenen Glauben umgehen und ihn leben. Zeitgleich beobachtet sie in ihrem Umfeld: „Viele definieren das, was ihnen wichtig ist, nicht unbedingt als Glaube, wahrscheinlich, weil es Vorbehalte gibt gegen die Kirche.“ Für sie selbst sei der Glaube ein Anker, der ihr Orientierung und Halt gebe. „Das hat nicht nur was mit Beten und in die Kirche gehen zu tun“, bekräftigt sie. Gerade durch ihr Studium habe sie gelernt, dass es viel mehr Möglichkeiten gebe, mit dem eigenen Glauben im Alltag umzugehen, und wie lebendig Kirche sein könne. Vor allem der Zusammenhalt innerhalb der Kirche mache ihr Mut. „Ich habe das Gefühl, dass ich nie alleine bin, sondern immer jemand für mich da ist.“ Von Julia Lumma die Menschen von Luther, den Kirchen und Religion? Viele haben Fragen, wie unsere Umfrage zeigt. Manche erstaunlich konkrete Antworten. Nicola Herrlich etwa – für die 22-Jährige ist Kirche nicht weniger als ein Masterplan für ihre Zukunft. ZUR PERSON . Nicola Herrlich hat 2013 ihr Abitur gemacht. Ihr Studium der Sozialen Arbeit mit gemeinde- pädagogischer, diakonischer Zusatzqualifikation hat sie im gleichen Jahr an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt begonnen. Derzeit arbeitet die Büttelbornerin an ihrer Bachelorarbeit, im Anschluss möchte die 22-Jährige den Master in Religionspädagogik dranhängen. . Die Studentin engagiert sich bei der „Jungen Bühne Büttelborn“ und betreut für die Kirchengemeinde Weiterstadt die Theater-AG in der Grundschule. Die EKHN unterscheidet zwischen verschiedenen Berufsfeldern: . Theologen arbeiten als Gemeindepfarrer, die sich um Predigten, Religionsunterricht, Seelsorge und die Leitung der Gemeinden kümmern. . Gemeindepädagogen gestalten das kirchliche Leben in verschiedenen Bereichen: von Krabbelgruppen über Jugendarbeit oder Seniorenkreisen bis hin zu Gottesdiensten, Erwachsenenbildung oder Großveranstaltungen. . ErzieherInnen, innerhalb der EKHN inzwischen die größte Berufsgruppe, arbeiten in Kindertagesstätten. . Kirchenmusiker machen hauptberuflich Musik in der Kirche – in Kinderchören, bei Trauungen und Bestattungen, in Bands, bei Kirchen(musik)tagen etc. . Der Weg zu vielen dieser Berufe führt über ein Studium, zum Beispiel an der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Dort gibt es jährlich rund 120 Bewerbungen auf etwa 40 Studienplätze. Laut Roland Lieske, Referent bei der EKHN für pädagogische Ausbildung, seien die Berufsaussichten gut. In den kommenden Jahren würden einige Stellen frei, da Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Außerdem würden sich viele Kirchenkreise mit dem gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzen und neue Konzepte entwickeln. . Weitere Infos zu den Berufsfeldern und dazugehörigen Ausbildungen sowie Kontaktdaten zu Ansprechpartnern gibt es im Internet unter www.machdochwasdu- glaubst.de Umfrage: Vanessa Joneleit, Ulrike Winter, Sina Schreiner Foto: Vollformat/Volker Dziemballa www.fischerverlage.de Woran glauben wir? Welche Werte und Haltungen sind Woran glauben wir? uns in Zukunft wichtig? Welche Werte und Haltungen sind uns in Zukunft wichtig? »Die Diktatoren kommen wieder.« Peter von Matt »Die Diktatoren kommen wieder.« Peter von Matt »Schluss mit dem Selbstbetrug – Deutschland ist ein rassistisches Land!« Rasha Khayat »Schluss mit dem Selbstbetrug – Deutschland ist ein rassistisches Land!« Rasha Khayat »Gott ist nicht zu gebrauchen.« Johann Hinrich Claussen »Gott ist nicht zu gebrauchen.« Johann Hinrich Claussen Anzeige


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