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Samstag, 22. April 2017 JUBILÄUM & MARKETING 23 Hier stehe ich – aber wo eigentlich genau? Im Heylshofpark in Worms, wo Luther seine Lehre vor Reich und Kaiser verteidigt hat, können sie seit Neustem selbst standhaft sein, die vielen Touristen, die in die Stadt strömen. Dabei hat die erst 2021 wirklich Grund zu feiern. Ein ganz normaler Mittwochvormittag in diesem April. In der Dreifaltigkeitskirche direkt am Wormser Marktplatz steht eine Gruppe Baptisten aus Minnesota. Sie schauen sich das großformatige Mosaik von Walter Eglin an, das Luther vor Kaiser Karl V. darstellt, als eine weitere Gruppe den großen Kirchenraum betritt, diese kommt aus Holland. Spontan stimmen die beiden Reisegruppen gemeinsam das Luther-Lied „Ein feste Burg“ an. Pfarrer Volker Fey erzählt diese Begebenheit, während seine Mailbox gerade mal wieder überquillt vor Anfragen. Da bittet ein Kollege aus Marienheide in Nordrhein-Westfalen, der mit einer 45-köpfigen Gemeindegruppe gerne Anfang Juni nach Worms kommt, darum, auch eine Andacht in der Kirche halten zu dürfen. Ein koreanisches Fernsehteam möchte eine Drehgenehmigung für Ende April, ein Kirchenchor aus Holland plant am Himmelfahrtstag ein „walk-in-concert“ zu veranstalten. Das Reformations-Gedenkjahr hat gerade erst begonnen, doch in der Dreifaltigkeitskirche in Worms schließt sich die große Pforte schon jetzt kaum mehr vor lauter hereinströmender Besuchergruppen. Es herrscht Luther-Euphorie. Auch die Ausstellung im Museum Heylshof „Luther in Worms 1521 – Der Ort des Geschehens“, wird seit Wochen regelrecht gestürmt, weshalb sie nun auch bis 2. Juli um gut einen Monat verlängert wurde. Das mit dem genauen Ort ist allerdings so eine Sache. Die Dreifaltigkeitskirche ist die Reformationskirche in Worms, erbaut nach der Stadtzerstörung im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 an der Stelle, an der einst das „Haus zur Münze“ stand – im Glauben, das dies der historische Ort des Reichstages gewesen sei, auf dem Luther standhaft vor Kaiser und Reich blieb. Das war ein Irrtum, wenn auch nur um wenige hundert Meter. Bei der städtischen Tourist Information kommt aber wie das Amen in der Kirche die Frage: Wo genau hat er denn jetzt gestanden, der Martin Luther? Das war im damaligen Bischofshof, der ebenfalls 1689 vollständig zerstört wurde. Heute ist hier der Heylshofpark, eine wunderbare grüne Oase mitten in der Stadt. Was es allerdings nicht gerade einfacher macht, sich hier einen mittelalterlichen Reichstag vorzustellen, der die Welt verändert hat. Bislang erinnert ein Bronze-Relief des Wormser Künstlers Gustav Nonnenmacher an den historischen Ort. Das ist für Kulturkoordinator Volker Gallé jedoch nicht genug. „Man muss den historischen Ort in irgendeiner Form inszenieren“, lautet seine Devise. Denn die Touristen wollten eben diesen authentischen Ort sehen und erleben. Deshalb stehen dort seit wenigen Tagen „Luthers große Schuhe“. Das Künstlerpaar Constanze und Norbert Illig hat diese Bronzeplastik ersonnen, die nun am Boden steht und an den berühmten Satz erinnert, der das Geschehen vor 500 Jahren so schön auf den Punkt bringt, auch wenn Luther ihn wohl gar nicht wirklich gesagt hat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Es ist eine begehbare Plastik, betont Norbert Illig, erst wenn jemand in den Schuhen steht, sei die Plastik wirklich vollständig. Die Frage nach der Schuhgröße habe er natürlich schon oft gestellt bekommen, lacht Illig. „Die Schuhe haben Größe 78 – man kann also bequem drin stehen.“ „Luthers große Schuhe“ wurden am 18. April enthüllt, jenem exakten Datum, zudem Martin Luther sich vor Karl V. verantworten musste. Hinzu kommen wird Mitte Mai ein temporärer Erlebnis-Parcours, der vom Ort des ehemaligen Bischofshofes hinunter zur Reformationskirche Dreifaltigkeit führt. Hier kann sich der Besucher in die Situation Luthers hineindenken, kann an 24 Orten im Heylshofpark Gewissensfragen beantworten, aber auch in die Rolle Kaisers Karl V. schlüpfen und so den Ankläger des historischen Reichstages verkörpern. Bleibt noch ein Widerspruch, der aufzulösen ist: Zwar wird in diesem Jahr bundesweit und mit Schwerpunkt Wittenberg „500 Jahre Reformation“ gefeiert. Der Wormser Reichstag ist allerdings bislang „nur“ 496 Jahre alt. Richtig Grund zum Feiern hätte die Lutherstadt Worms also eigentlich erst 2021. Das wird auch geschehen, es soll dann im städtischen Museum im Andreasstift eine große historische Ausstellung geben, an der bereits Dr. Katharina Kunter aus Frankfurt arbeitet. Die Historikerin und Buchautorin will ihr Konzept bis Ende dieses Jahres fertiggestellt haben. Die spannende Frage wird sein, wie das schon jetzt so große Interesse an der Reformation noch vier Jahre aufrecht erhalten werden kann. Im Jahr 2018 zumindest bleibt dabei Zeit zum Durchatmen. Dann wird erst einmal 1000 Jahre Wormser Kaiser-Dom gefeiert. Von Johannes Götzen gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages „…Malvasier, ja, eine rechte heilsame Arznei und Labsal…“ (Zitat Martin Luther) Lernen SieWeine aus Martin Luthers Lieblingsrebsorte Malvasier kennen! Besuchen Besuchen Sie Sie uns uns zur zur Weinprobe Weinprobe in in Eich Eich am am Rhein: Weingut H. L. 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