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Samstag, 22. April 2017 JUBILÄUM & MARKETING 18 Mobiler Sakralbau als künstlerischer Gegenpol zu den Stadtkirchen: Die LichtKirche der EKHN soll in Wittenberg einen spirituellen Schwerpunkt setzen. Auf dem Marktplatz zeugt derweil eine Erdkugel vom Ziel der Stadt, einen Sommer lang die Welt zu Gast zu haben. Fotos: Hartmann/EKHN, dpa Wittenberg ist Ursprungsort der Reformation – und war jahrzehntelang ihr Zentrum. Hier soll Martin Luther, so ist es überliefert, seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. 500 Jahre später wird die 45 000-Einwohner- Stadt „zur kleinsten Großstadt der Welt“, verspricht Wittenberg, eine Expo Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Mehr als eine Million Besucher erwartet Wittenberg anlässlich der Feierlichkeiten rund um das Reformationsjubiläum. Die Stadt in Sachsen-Anhalt hat sich einiges für ihre Gäste einfallen lassen. Erklärtes Ziel: Weltstadt sein – zumindest für einen (Reformations-)Sommer. Wittenberg, eine Weltstadt – wie geht das? Die Stadt hat sich wirklich herausgeputzt für 2017: Viele Luther-Stätten – die meisten beherbergen ein Museum oder zeigen Ausstellungen – wurden im Vorfeld der 500-Jahr- Feierlichkeiten saniert: Schlosskirche, Lutherhaus, Luthers Predigtkirche – die Stadtkirche St. Marien – und das Melanchthonhaus gehören zum Unesco-Welterbe. Eintauchen in die Welt von Martin Luther und die Ereignisse der Reformation kann man aber nicht nur an den historischen Stätten, sondern auch mit dem Besuch des Panoramakunstwerks „Luther 1517“ von Künstler Yadegar Asisi... ... das sich wo verbirgt? In einer eigens errichteten Rotunde ist das 15 mal 75 Meter große Werk beherbergt. Besucher können hier eine Reise ins Wittenberg zur Zeit der Reformation machen und quasi ins Gemälde hineingehen. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, öffentliche Führungen täglich um 11 und 15 Uhr, Eintritt 11 Euro, Informationen: www.wittenberg360.de. Mit der Weltausstellung legt die Stadt dann noch einmal eine Schippe drauf. Vom 20. Mai bis 10. September verwandelt sich Wittenberg in eine internationale Freiluftausstellung mit Festivalflair: Für die Weltausstellung unter dem Titel „Tore der Freiheit“ sind mehr als 2000 Veranstaltungen geplant, Diskussionen und Vorträge, Kunst- und Kulturereignisse, Musik, Konzerte und Theater und vieles mehr – gestaltet von Kirchen, Einrichtungen, Initiativen und Kulturschaffenden aus aller Welt, die ihre Sicht auf das Thema Reformation zeigen. Wie kann man sich als Besucher orientieren? Unterteilt ist die knapp viermonatige Ausstellung in sieben Torräume und 16 verschiedene Themenwochen, es wird unter anderem um Europa, Bildung, Ökumene, Arbeit und Soziales, Frieden, Spiritualität, Menschenrechte sowie Gender und Familie gehen. Geöffnet täglich (außer dienstags) von 10 bis 18 Uhr. Die Ausstellung endet am 10. September mit einem Abschlussgottesdienst. Was verbirgt sich hinter den Torräumen? Die sieben Torräume sind Kunst- und Designinstallationen zu verschiedenen Themen, die es über die Stadt verteilt zu besichtigen gibt: etwa ein See mit gestrandeten Schiffen, ein Aussichtsturm in Form der Lutherbibel oder eine Wolke voller Gebete und Wünsche. Den Torbereich „Jugend“ gestalten Studierende aus Mainz mit ihrer Installation „Läuft‘s bei dir – Versteckte Vielfalt“. Sie symbolisiert mit vertikal aufgestellten Baumstämmen den in der Jugendzeit zu durchlaufenden Irrgarten aus Entscheidungen und Wegefindungen. Wie ist die Region Rheinland-Pfalz und Hessen vertreten, wie zeigt sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bei der Weltausstellung? Alle deutschen Landeskirchen sind mit unterschiedlichen Angeboten und Pavillons in Wittenberg vertreten. Die EKHN präsentiert ihre mehrfach preisgekrönte LichtKirche. Sie soll als mobiler Sakralbau einen künstlerischen Gegenpol zu den beiden Stadtkirchen bieten und bewusst einen spirituellen Schwerpunkt setzen. Angesiedelt ist die LichtKirche im Torraum „Globalisierung – eine Welt“, direkt vor dem Neuen Rathaus der Stadt. Dort soll es einen eigenen Erlebnisraum „Segen“ geben, der sich der göttlichen Verheißung sowohl auf geistlicher, als auch auf politischer Ebene nähern soll. Das bedeutet, dass es auf dem Gelände der LichtKirche unter anderem regelmäßig Segensandachten und Segensangebote geben wird sowie den Segensroboter „BlessU-2“. Einen Segensroboter? Der weltweit erste Segensroboter „BlessU-2“ ist eine durchaus provokante Installation. Im Rahmen der Diskussion um Künstliche Intelligenz und die Automatisierung des Lebens wird derzeit intensiv über die Beziehungsfähigkeit von Maschinen nachgedacht – etwa bei Pflege-Robotern. Hier stellt sich die EKHN durch ihre Installation den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und lädt ein, zu erleben und gleichzeitig darüber nachzudenken, was passiert, wenn traditionsreiche liturgische Handlungen der Kirche auf eine zunehmend automatisierte und digitalisierte Welt treffen. Was sind weitere Highlights in Wittenberg? Ein ungewöhnlicher Ort für zeitgenössische Kunst: Im Alten Gefängnis in Wittenberg (Berliner Straße 2) wird vom 19. Mai bis 17. September die Kunstausstellung „Luther und die Avantgarde“ zu sehen sein. Ehemalige Zellen, Treppenflure, Gefängnishof und Fassade werden zu Ausstellungsflächen. Rund 70 Künstler von fünf Kontinenten setzen sich mit Gedanken der Reformation auseinander und zeigen ihre Haltung zu Freiheit und deren Gefährdung, Demagogie und Widerstand. Zu sehen sind unter anderem Gemälde, Skulpturen, Installationen, Fotografien, Video- und Sound-Arbeiten sowie Performances von Künstlern wie Ai Weiwei, Monica Bonvicini, Olafur Eliasson, Ay e Erkmen, Richard Jackson, Christian Jankowski, Jonathan Meese, Günther Uecker oder Erwin Wurm. Geöffnet: täglich 10 bis 19 Uhr, Eintritt 7 Euro (5 Euro ermäßigt), Informationen: www.luther-avantgarde.de. Auch Luthers Hochzeit wird zum Besucherevent. Das alljährliche Stadtfest in Wittenberg vom 9. bis 11. Juni erinnert an den historischen Moment vom 13. Juni 1525, an dem sich Martin Luther und Katharina von Bora das Ja- Wort gaben. Musikanten, Gaukler, Ritter und Händler bevölkern in farbenfrohen Kostümen die Stadt, Wittenberger Köstlichkeiten, Fanfarenzüge, historische Lager und Märkte sowie ein historischer Festumzug runden das Spektakel ab. Der Besuch des Festes ist in diesem Jahr kostenfrei. Von Andrea Wagenknecht BESUCHER-INFOS . Anreise: Wittenberg ist für Bahnreisende aus Frankfurt und Köln mit nur einem Umstieg zu erreichen. ICEs fahren jeden Tag mindestens stündlich direkt zwischen Wittenberg und Berlin, Hamburg oder München. Zum Festgottesdienst am 28. Mai wird es einen Sonderfahrplan der Deutschen Bahn mit Shuttlezügen aus Berlin und den Städten der Kirchentage geben. Vergünstigungen für Bahntickets gibt es, etwa das Lutherticket (www.luther-ticket. de). Die Anreise per Bahn empfiehlt sich: Die Zahl der Sonderparkplätze, die fußläufig von der Stadt entfernt oder via Shuttlebus angebunden sind, ist begrenzt. Für Besucher, die mit Zelt oder Wohnwagen campen wollen, steht ein großes Gelände in Ferropolis zur Verfügung. Infos: www.r2017.org/anreise. . Eintritt: Die Preise für die Weltausstellung sind gestaffelt: von 19 Euro für eine Tageskarte (ermäßigt 14 Euro) über 32 Euro (27 Euro) für eine Drei-Tages-Karte bis zum Saisonticket für 59 Euro (44 Euro). Darüber hinaus gibt es Gruppen- und Familienermäßigungen. Karten kann man direkt vor Ort kaufen. Detaillierte Infos und Erwerb der Tickets vorab: www.r2017.org/anmelden. . Kontakt & Termine: Informationen zu Besichtigungen und Übernachtungsmöglichkeiten: Tourist-Info Wittenberg: Telefon 03491 / 498610, info@lutherstadt-wittenberg.de, www.lutherstadt-wittenberg.de. Infos zu den Reformationsfeierlichkeiten der Evangelischen Kirche in Wittenberg: www.r2017.org, Reformationsprojekte der EKHN unter www.gott-neu- entdecken.de.


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