Page 17

20170531_Luther

Samstag, 22. April 2017 JUBILÄUM & MARKETING 17 Kirchentag in Berlin und Wittenberg Kirchentag ist angewandte Reformation“, sagt Generalsekretärin Ellen Ueberschär. Kirchentage leben von Gesprächen über Gott und die Welt, von Diskussionen, die etwas verändern wollen in Kirche, Politik und Gesellschaft. Und so steht der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 24. bis zum 28. Mai stattfindet, wie schon seine 35 Vorgänger in guter Tradition Martin Luthers. Doch vieles ist 500 Jahre nach der Reformation anders. Etwa der Ort: Vier Tage lang ist der Kirchentag in Berlin und Potsdam zu Gast, am fünften mit einem großen Reformationsfest im gut 100 Kilometer entfernten Wittenberg. Zudem gibt es von Donnerstag bis Samstag sechs „Kirchentage auf dem Weg“: in Dessau-Roßlau, Erfurt, Halle/ Eisleben, Jena/Weimar, Leipzig und Magdeburg. Zwei Kulleraugen werben seit Monaten für den Kirchentag 2017. „Du siehst mich“, so diesmal das Motto. „Die Losung greift zum Reformationsjubiläum ein Thema auf, mit dem der Protestantismus sonst weniger identifiziert wird – das Visuelle“, sagt Ellen Ueberschär. „Angesehen sein, wahrgenommen werden. Diese Sehnsucht ist groß. Dafür schicken wir permanent Bilder von uns selbst in die Welt, per Facebook und WhatsApp. Doch wirklich gemeint sein – das geht tiefer“, blickt Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au auf das Wort aus dem ersten Buch Mose im Alten Testament. In Berlin und Wittenberg gehe es darum, „verständlich davon zu reden, dass wir glauben, dass Gott uns ansieht“. Das passiert allein in Berlin bei mehr als 2100 Veranstaltungen. Kirchentag ist gelebte Ökumene. Dies manifestiert sich in einem der drei Eröffnungsgottesdienste am Brandenburger Tor und dann am Himmelfahrtstag bei ökumenischen Gottesdiensten in Wittenberg und Berlin sowie parallel bei allen Kirchentagen auf dem Weg. „Eine Besonderheit in diesem Jahr sind die ökumenischen Dialogbibelarbeiten“, kündigt Pressesprecherin Juliane Voss an, „EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm diskutiert mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Bischof Markus Dröge von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit dem Berliner Erzbischof Heiner Koch.“ Im 500. Jahr der Reformation will der Kirchentag den Blick weiten: „Gerade in Zeiten globaler Krisen ist die weltweite Verbindung der Konfessionen wichtiger denn je“, so Ueberschär. Kirchentag lebt von politischer Diskussion. Europa ist das politische Schwerpunktthema des Glaubenstreffens. „In der Metropole, die für das europäische Trauma der Teilung des Kontinents und zugleich für den Traum der Wiedervereinigung steht, werden Perspektiven für das Europa von morgen gesucht“, sagt die Generalsekretärin. Natürlich geht es auch um die Flüchtlingsdebatte und alles, was damit zusammenhängt – in der Podienreihe „Flucht, Migration, Integration“: „Europa steht für Freiheit, Humanität und Solidarität. Was wird daraus in Zeiten des Rechtspopulismus und der eingeschränkten Handlungsspielräume ziviler Organisationen?“, kündigt Ueberschär einen Themenkreis an. Kirchentag ist ein Ort der Kultur. Geplant sind allein 400 Konzerte, unter anderem mit den Wise Guys, Max Giesinger, Yvonne Catterfeld und den Berliner Symphonikern. In Berlin gibt es vier Kulturkirchen mit regionalem Programm unter dem Motto „Zeig dich!“ Zudem sind die Kirchentage auf dem Weg in den sechs Städten neben dem Erleben von Reformationsgeschichte kulturell geprägt. Kirchentag ist ein Treffen der Prominenz. Bekanntester Gast ist zweifellos der frühere US-Präsident Barack Obama, der mit Kanzlerin Angela Merkel am Brandenburger Tor über das Thema Demokratie diskutiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wie Innenminister Thomas de Maizière, Grünen- Politikerin Katrin Göring-Eckardt, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sowie die Ministerpräsidenten Hannelore Kraft und Winfried Kretschmann legen in den Bibelarbeiten täglich um 9.30 Uhr Texte aus. In diesem Kontext sind auch Eckart von Hirschhausen und Andreas Barner zu erleben. Kirchentag ist ein Glaubensfest – 100 000 Teilnehmer werden erwartet. Neben vielen kleineren stehen am Eröffnungstag um 18 Uhr drei große Gottesdienste vor Berliner Wahrzeichen im Fokus: der prominent besetzte Fernsehgottesdienst auf dem Platz der Republik, der international und ökumenisch geprägte Gottesdienst vor dem Brandenburger Tor sowie der Gottesdienst in leichter Sprache am Gendarmenmarkt. Ab 19 Uhr feiern 300 000 Menschen den Abend der Begegnung. Zum Finale geht’s am 28. Mai vor die Tore Wittenbergs. Das Festwochenende auf den Elbwiesen führt die Kirchentage zusammen und ist einer der Höhepunkte des Reformationsjubiläums. Nach einer Nacht der Lichter steht der Abendmahlsgottesdienst am Sonntag um 12 Uhr unter dem Motto „Von Angesicht zu Angesicht“. Von 250 Tischen aus werden 2400 Helfer das Abendmahl austeilen. Danach wird ab 14.30 Uhr ein Reformationspicknick gefeiert. Wie die Rolle Martin Luthers beim Kirchentag gewesen wäre? „Es hätte ihn sicher gedrängt, sich auf eine große Bühne zu stellen und wortgewaltig seine Gedanken vorzutragen“, vermutet Christina aus der Au. „Seine antisemitischen Poltereien würden wir allerdings da nicht dulden. Aber sein Mut und seine Willenskraft würden sicher viele Menschen beeindrucken.“ Ob Martin Luther wohl zum Kir- Von Christine Bausch chentag käme? Ganz bestimmt, meint Präsidentin Christina aus der Au: „Menschen, die zum Kirchentag kommen, wollen sich einmischen, wollen ihre Kirche und die Gesellschaft zum Besseren verändern. Ihr Glaube motiviert sie dazu.“ Auftrag und Befähigung aller Christen – dies sei das Erbe der Reformation. BESUCHER-INFOS . Das Kirchentagsprogramm für Berlin und Potsdam ist online unter www.kirchentag.de zu finden oder kann in einer App heruntergeladen werden. . Informationen und Programmdetails zum Festwochenende in Wittenberg unter www.r2017.org/ festwochenende oder Telefon 03491 / 6 43 46 47. Wer vor Ort dabei sein möchte, sollte sich online anmelden. . Die Deutsche Bahn bietet am 27. und 28. Mai sieben Shuttlelinien ab Berlin und den Kirchentage-aufdem Weg-Städten an. Durch einen Sonderfahrplan werden etwa 100 000 Menschen nach Wittenberg und zurück gebracht. Am Sonntag, 28. Mai, halten dort keine Regelzüge. Die Tickets werden über das Bahn-Buchungsportal gebucht und sind zuggebunden. . Für besonders Reiselustige gibt es die Zehn-Städte-Karte – sie gilt für Berlin, Wittenberg und alle Kirchentage auf dem Weg. Der Kirchentag ist ein großes Gemeinschaftserlebnis. Hier wird unter anderem leidenschaftlich diskutiert, über Kirche und Gesellschaft. Ganz im Sinne Martin Luthers also, auch 500 Jahre nach der Reformation. Foto: Michael Klug - Fotolia Dieses Jahr ist alles anders In Berlin und Wittenberg ist Kirchentag, in sechs weiteren Städten finden „Kirchentage auf dem Weg“ statt. Grafik: Kirchentag.de


20170531_Luther
To see the actual publication please follow the link above