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Samstag, 22. April 2017 13 Frankfurt – Metropole am Main Bis Frankfurt sind es 54 Kilometer und weil ich für die Strecke nicht 14 Tage Zeit habe, wie Luther damals, sondern nur vier, muss ich Streckenabschnitte mit dem Zug überbrücken. Tut auch mal gut, denn die Beine brauchen eine Pause. Der Lutherweg kommt aus Bad Vilbel und führt mitten durch die Frankfurter City. Luther hat auf seiner Reise in der Buchgasse übernachtet. Dort, wo früher das Gasthaus „Zum Strauß“ war, findet sich heute die Bethmann-Bank. An deren Außenfassade ist ein Strauß abgebildet, der an die besondere Vergangenheit dieser Straßenecke erinnert. Ein Hinweisschild verweist auf das Gasthaus und seinen berühmten Gast: „Aus Friedberg kommend zog Martin Luther am 14. April 1521 begleitet von einer jubelnden Menge in Frankfurt ein. Er übernachtete in der Herberge ,Zum Strauß‘.“ Bis spät in den Abend hinein soll sich Luther im Gasthaus bei Lautenspiel und Wein der guten Gesellschaft erfreut haben. Ganz in der Nähe befindet sich der Frankfurter Römer. Besuchergruppen aus aller Welt bewundern das Rathaus, die Alte Nikolaikirche und jahrhundertealte Fachwerkhäuser. Worms – Mönch gegen Kaiser Über den Rheinterrassenweg führen die grünen Wegweiser durch die Ortschaften Dienheim, Guntersblum, Alsheim, Bechtheim, Osthofen und Abenheim. Durch die Weinberge geht es auf Worms- Herrnsheim zu, direkt in den Schlosspark. Von dort laufe ich bis in die Wormser Innenstadt – den Dom fest im Blick. Auf dem Luther- Platz befindet sich das größte Lutherdenkmal der Welt: Luther, flankiert von Friedrich dem Weisen und Philipp dem Großmütigen, dazu weitere Persönlichkeiten der Reformation. Auf dem Gelände des Heylshofparks findet sich eine in den Boden eingelassene Platte, die die Stelle des Wormser Reichstages markiert: „Hier stand vor Kaiser und Reich Martin Luther 1521“. Es ist der Ort, an dem der „einfache“ Untertan Martin Luther vor dem übermächtigen Karl V. seine Schriften widerrufen sollte. Der Ort, an dem das Unglaubliche geschah: Ein Mönch stellt sich gegen den Kaiser. Wo damals der Wormser Bischofshof war, befindet sich heute der Heylshofpark. In einer Sonderausstellung im angrenzenden Museum Heylshof erleben Besucher das Worms des Jahres 1521 mit aufwändigen 3D-Animationen. Passender Abschluss meiner Wanderung! Alsfeld – frühe Stätte Luthers In Alsfeld beginnt meine Wanderung auf dem Lutherweg 1521. Das Städtchen im mittelhessischen Vogelsbergkreis liegt im Zentrum von Hessen und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Das kann ich gut nachvollziehen: Die alten Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert, die kleinen Geschäfte, die Menschen, die gemütlich in Restaurants und Cafés in der Sonne sitzen – hier möchte man bleiben. In der Touristen-Information, die sich im ehemaligen Weinhaus am Markt befindet, treffe ich auf Marion Jäckel. Die Historikerin erzählt, dass Alsfeld eine der ersten Städte war, die sich der „lutherischen Lehre“ anschlossen. Hier predigte Tilemann Schnabel (1475-1559), ein Schüler, Freund und Doktorand Martin Luthers. Der Reformator von Alsfeld wirkte im örtlichen Augustinerkloster, nachdem er in Erfurt und Wittenberg studiert hatte. Noch heute sind die Reste des Augustinerklosters zu sehen. In der Walpurgiskirche finden sich Holzschnitte und Bilder von Luther und Schnabel. Strittig ist bis heute, ob Luther auf seinem Weg nach Worms im Gasthof „Zum Schwanen“ am Markt oder im Augustinerkloster übernachtet hat. QR-Code scannen und Videobeitrag zum Lutherweg anschauen! Lich – am Limes entlang Im romantischen Städtchen Lich führt der Lutherweg zur evangelischen Marienstiftskirche. Hier findet sich Luther nicht nur im Kirchenfenster, auch eine Luthereiche erinnert an den Besuch des Reformators im April 1521. Im Archiv der Marienstiftsgemeinde hat man einen Wirtschaftszettel gefunden, auf dem steht, wer damals mit Martin Luther reiste – einflussreiche adelige Persönlichkeiten. Insgesamt 89 Pferde waren in Luthers Gefolge, die alle in Lich versorgt werden mussten. Von einigen Mitreisenden gibt es Familienwappen, die in der Kirche zu sehen sind. Draußen treffe ich zufällig auf den Stadtführer Horst Kächler, der mir allerlei spannende Geschichten über die Stadt, das Adelsgeschlecht Solms-Hohensolms-Lich und die Aktivitäten im Reformationsjubiläumsjahr berichtet. Es wird zum Beispiel eine kostümierte, historische Stadtführung angeboten. Zu allen Terminen und Sehenswürdigkeiten gibt es sogar eine App: LutherLich. Besonders abwechslungsreich ist der Lutherweg bis zum Kloster Arnsburg am Limes entlang bis nach Münzenberg. Schon von Weitem ragt die Münzenburg in den Himmel, die das gesamte Wettertal überblickt. Eine Besichtigung lohnt sich. Trebur – einst Kaiserpfalz Aus Nauheim kommend wandere ich vorbei an alten Obstbäumen und Spargelfeldern, durchs offene Feld, bis zur evangelischen Laurentiuskirche von Trebur. Die Großgemeinde mit heute 13 500 Einwohnern war einst eine Kaiserpfalz, in der Heinrich IV., der Canossagänger, 1053 zum König gekrönt wurde. Davon zeugt eine Bronze-Optik an der Kirchenmauer. Drinnen haben die Trewwerer Martin Luther ein Denkmal gesetzt: Der Frankfurter Künstler Johann Daniel Schnorr hat 1750 die Statue „Luther mit dem Schwan“ geschaffen. „Es ist die einzige Luther-Statue aus Holz und in Originalgröße“, erzählt mir der Küster Georg Jäger. Luther kommt mir sehr klein vor, aber damals seien die Menschen eben nicht so groß gewesen, sagt Jäger. Dann widmet er sich wieder seiner Arbeit. Wie sich herausstellt, bereitet er gerade seine eigene kirchliche Trauung vor. Da kann man nur gratulieren und weiterziehen. Durch den Ort, an Fachwerkbauten und Geschäften vorbei, bis zum Radweg in Richtung Rhein. Lange folge ich einem Deich, bis die rheinhessischen Weinberge in Sicht kommen. 5 Oppenheim – in den Weinbergen Nachdem ich das Naturschutzgebiet „Großer Goldgrund bei Hessenaue“ durchquert habe, führen mich die grünen Lutherschilder zur Siedlung Kornsand. Hier warte ich auf die Fähre, die auf die rheinhessische Seite nach Nierstein übersetzt. Die Fahrt über den Rhein ist ein Erlebnis: Hier könnte man stundenlang hin- und herfahren. Stattdessen steige ich aus und mache mich entlang der B 9 auf den Weg ins Oppenheimer Stadtzentrum. In der Bahnhofstraße finde ich das Haus Nr. 11/13. Im ehemaligen Gasthof „Zur Kanne“ soll Luther auf der Hinreise nach Worms übernachtet haben. Ein Schild verweist auf seinen Aufenthalt. Im Pilgerführer steht: „Luther erhielt an diesem Abend Besuch von seinem Freund und Mitstreiter Martin Bucer. Bucer wollte ihn überreden, nicht nach Worms zu fahren, da dies zu gefährlich sei. Doch Luther ließ sich nicht beirren. Sein Entschluss, nach Worms zu fahren, stand fest.“ Nicht weit entfernt von Luthers Quartier sind der Marktplatz und die Katharinenkirche. In den gotischen Kirchenfenstern finden sich Szenen aus Luthers Leben, seine Hochzeit mit Katharina von Bora zum Beispiel. 3 2 1 4 6


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