Ein Badeurlaub? Das geht auch in Norwegen!

Die Küste bei Stavanger ist nicht nur bei Badegästen, sondern vor allem auch bei Windsurfern sehr beliebt. Foto: Mona Contzen

Der Golfstrom sorgt für angenehme Wassertemperatur und die Panoramen können sich auch sehen lassen. Deshalb sollte man mal die Wanderschuhe gegen Badesachen tauschen.

Anzeige

. Wer denkt bei Norwegen schon an Sonnenmilch und Strandtuch? Das sollte man. Denn das Land der Fjorde und Seen läutet ab Midsommar am 24. Juni offiziell die Badesaison ein.

Die Küste bei Stavanger ist nicht nur bei Badegästen, sondern vor allem auch bei Windsurfern sehr beliebt. Foto: Mona Contzen
Lagune in der Norwegischen  Kommune Heroey vor der Sieben Schwestern Bergkette. Foto: Lutz Stickeln

Tannen statt Palmen und allerorts bizarre Granitfelsen, die an gestrandete Grauwale erinnern: Optisch heben sich die Strände der südwestlichen Küstenlandschaft von Jæren von ihren Pendants im Süden Europas schon etwas ab. Ansonsten gleicht das Strandleben in Norwegen fast dem in mediterranen Gefilden. Viele Badeplätze sind mit Parkplätzen, Toiletten und Verkaufskiosken ausgestattet und bieten viel Komfort. Zudem verbindet die attraktive Panoramastraße „Nordsjøvegen“ im Südwesten Norwegens zahlreiche Strände miteinander. Dem Beach Hopping steht also da, wo man es kaum erwartet, nichts im Wege. Zwischen der Öl-Metropole Stavanger und der traditionsreichen Hafenstadt Egersund finden sich zahlreiche wunderschöne Sandstrände und versteckte kleine Buchten.

Anzeige

Nur ein kurzes Nickerchen in den warmen Sanddünen unter dunkelblauem Himmel und schon ist es passiert: Der Sonnenbrand auf der Stirn kommt nicht nur überraschend, sondern zeigt auch, welche Kraft die nordische Sonne im Frühsommer aufzubringen vermag. Unvermutet warm präsentiert sich auch das Wasser am Solastranda westlich von Stavanger. Gut 19 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Der Golfstrom sorgt für passable Wassertemperaturen in diesen hohen Breiten. Das nehmen viele Norweger für ein erfrischendes Bad in der Nordsee zum Anlass. Aber auch einige Urlauber trauen sich in die Fluten und sehen den Windsurfern nach. Die Wellenreiter ziehen weiter draußen vor der Küste rasant ihre Kreise.

35 Kilometer südlich von Stavanger begeistert der Orrestranda als längster Strand Norwegens. Der Küstenabschnitt präsentiert sich mit feinkörnigem hellen Sand und misst stolze fünf Kilometer – genug Raum für einen romantischen Spaziergang oder um ein schönes Plätzchen an der Sonne zu finden. Lohnenswert ist auch ein Abstecher zum Dörfchen Orre. Die Mauern der kleinen mittelalterliche Kirche Gamle Kirke strahlen in hellem Weiß mit der Sonne um die Wette. Die Ursprünge des Gotteshauses reichen bis in das 13. Jahrhundert.

Nach gut einer halben Stunde Weiterfahrt entlang des „Nordseewegs“ kündigt sich der Strand von Brusand hinter Dünen an. Er erstreckt sich über knapp drei Kilometer und bietet viel Platz für Kitesurfen und Beachvolleyball. Sehenswert sind der Leuchtturm Kvassheim Fyr ganz in der Nähe und die historischen Panzersperren aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich parallel zum Nordseeweg aufreihen. Die deutschen Besatzer ließen die düsteren Betonzähne errichten, um eine mögliche Invasion der Alliierten abzuwehren – ein schauriges Monument der Zeitgeschichte.

Wieder rund 65 Kilometer weiter und eine gute Stunde später wartet die kleine Insel Eigerøya auf Strandtester. Westlich des alten Wikingerhafens Egersund empfängt der Stadbergsanden Badegäste, die es etwas rauer mögen, mit glasklarem Wasser und flach abfallendem Strand. Die tosende Nordsee lässt hier mit kräftigen Wellen die Muskeln spielen. Riesige Felsen, Relikte aus der letzten Eiszeit entlang der Ludevika-Bucht, reduzieren die frische Brise auf ein erträgliches Maß. Ganz in der Nähe auf dem benachbarten Inselchen Midbrødoya brennt das „Feuer von Eigerøya“. Ein gut zwei Kilometer langer Weg führt vom Wanderparkplatz an der Brücke über den Nautasund durch eine bizarre Landschaft aus Felsen und grünen Weiden zu einem der schönsten Leuchttürme Norwegens. Freundliche Schafe und ein grandioser Ausblick auf den rot-weißen Wegweiser vor tobender Nordseekulisse entschädigen für die teilweise beschwerliche Route zum „Eigerøya Fyr“ über Felsen und Gestein. Mit dem Sonnenuntergang vor einem der lichtstärksten Leuchttürme Europas endet der Strandhopping-Tag an Norwegens Jærenküste im warmen Abendrot.

Anzeige

Von Marco Wehr