Buchenwald bis Wattenmeer: Deutschland mit dem Rad entdecken

 Foto: Jens Schulze

Geheimnisvolle Moore, seltene Vögel, wilde Wälder – deutsche Nationalparks und Naturlandschaften sind spannend. Vor allem, wenn man sie mit dem Fahrrad erkunden kann

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. Deutschland wird von Besuchern oft wegen seiner Kultur und Tradition bewundert, aber auch wegen seiner Natur. Immerhin gibt es zwischen Nordsee und Alpen 16 Nationalparks und mehr als 100 Naturparks – der älteste liegt seit 1921 in der Lüneburger Heide, der größte mit fast 4000 Quadratkilometern im Schwarzwald. Das Schöne daran: Viele dieser grandiosen Naturlandschaften lassen sich mit dem Fahrrad oder E-Bike erfahren. Wir haben sechs Tourentipps für ein- und mehrtägige Ausflüge.

Bei Eisvogel und Fischotter in der Lüneburger Heide

Die Ilmenau ist der bedeutendste Fluss in der Lüneburger Heide. Rund 120 Kilometer umfasst der durchgehend beschilderte und steigungsarme Naturerleb nisradweg von den Quellbächen im Landkreis Uelzen bis zur Elbmündung im Hamburger Umland. Weil die Ilmenau Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten ist, wurde sie zum europäischen Flora-Fauna-Habitat ernannt. Mehr als 30 familienfreundliche Informationstafeln weisen auf die Besonderheiten des Naturschutzgebietes hin und klären Fragen wie: Was ist ein Auwald? Warum brütet hier der Eisvogel? Doch Ilmenau-Radler entdecken unterwegs nicht nur die Heimat von Fischotter und Co. Von der mittelalterlichen Klosteranlage über mächtige Wasserburgen bis hin zu einer der größten Sonnenuhren Europas hält die Region allerlei Sehenswertes für ihre Besucher bereit.

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Rund um Deutschlands zweitgrößten See

Von der Altstadt Warens führt der Weg quasi direkt in den Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern. Gut beschildert und familienfreundlich zeigt sich die steigungsarme Rundtour auf der gesamten 88 Kilometer langen Strecke rund um die Müritz über Vipperow, beziehungsweise auf der 112-Kilometer-Route über Lärz, Krümmel und Priborn. Entscheiden muss man sich am Ortsausgang von Rechlin: kurz oder lang? Die Radler sind meist auf gut befestigten Kies- und Sandfahrbahnen unterwegs. Dabei lohnen sich immer wieder interessante Stopps an den Aussichtsplattformen an den Seeufern oder im Nationalparkdorf Boek mit dem Gutshaus. Im Sommer locken zudem Bademöglichkeiten, etwa am Bolter Ufer der Müritz. Auch das Westufer hat seine Reize, vor allem die ufernahen Passagen bis zur Sietower Bucht.

Die ältesten Buchen des Landes

Ein großer Teil des Nationalparks Hainich unweit von Eisenach sind angehende Buchenurwälder. Auf mehr als 50 Kilometer befestigten Wegen können auch Radfahrer in dieses Naturphänomen eintauchen. Die wichtigste Strecke ist der Nationalpark-Rundweg über 25 Kilometer. Die „Gelbe Route" von Creuzburg nach Bad Langensalza und die „Rote Route" von Mühlhausen treffen im Herzen des Nationalparks aufeinander. Mehrere kleinere Radwege verbinden diese Routen mit weiteren Ausflugszielen, etwa dem Mittelpunkt Deutschlands oder der Vogelschutzwarte in Seebach. Da sich einige Abschnitte recht bergig gestalten, fährt man bequemer mit dem E-Bike. Ein Tipp für Familien: Der Wildkatzenkinderwald ist ein herrlicher Spielplatz für kleine und große Kinder.

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Naturkunde im Schwarzwald

Deutschlands größter Naturpark und bekanntestes Mittelgebirge sind das Ziel dieser abwechslungsreichen Mehrtagesrunde durch Weinreben, Streuobstwiesen und dunkle Wälder. Ein ideales Terrain für Sportler, E-Biker, Naturliebhaber und Gernesser. Nicht nur an den bergigen Strecken gibt es ausreichend Tankstellen für E-Biker. Meist liegen sie bei den Gasthäusern, wo man auf köstliche Weise nicht nur mit der berühmten Kirschtorte seine leergefahrenen Energiespeicher wieder füllen kann. Immerhin gilt der Nordschwarzwald auch als Gourmetregion, nicht nur wegen der vielen Sternelokale rund um Baiersbronn. Kulturfans sollten unter anderem einen Stopp an der Kunsthalle Baden-Baden, am Kloster Alpirsbach und an den Schwarzwaldbauernhöfen bei Gutach im Kinzigtal einplanen. Insider empfehlen, sich für die 262 Kilometer lange Schwarzwaldschleife vier bis fünf Tage Zeit zu nehmen.

Vom Teufelsmoor zum Wattenmeer

Wümme, Hamme, Oste, Geeste, Lune, Jade und Hunte – diese Namen sollte man sich merken. Das sind die Flüsse, an denen sich die angenehm flachen Radstrecken entlang winden. Die Routen mit dem Kiebitz-Logo durch viel unberührte Naturlandschaft summieren sich auf insgesamt 444 Kilometer, genug für eine ausgedehnte Radreise. Aber es warten auch Alternativrouten, die sich für einen spannenden Wochenendtrip empfehlen, darunter die Küstentour von Bremerhaven nach Cuxhaven. Zweifellos zu den Highlights zählen – nomen est omen – das Teufelsmoor mit dem nahen Künstlerdorf Worpswede sowie das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer an der Nordseeküste. Einen Kulturstopp sollte man unbedingt in Bremens Altstadt, in der Hansestadt Stade oder am Klimahaus in Bremerhaven einplanen.

Mühlen und kleine Museen

Das Motto am Ruwer-Hochwald-Radweg im Hunsrück lautet: Sanft am Fluss entlang durchs windungsreiche, enge Tal der Ruwer, die übrigens auch für ihre exzellenten Weinlagen bekannt ist. Die ehemalige Trasse der Hochwaldbahn wartet auf ihren knapp 50 Kilometern mit selten mehr als ein Prozent Steigung auf und ist durchgehend asphaltiert. So kann sich der Radwanderer ganz auf die stille Landschaft – vor allem auf dem Abschnitt zwischen Waldrach und Niederkell konzentrieren. Außerdem haben hier malerische Mühlen und trutzige Burgen, Stiftshöfe und hübsche Dorfkirchen die Jahrhunderte überdauert. Der Tipp für die Rückreise: Zwischen Trier und Hermeskeil sowie Kell am See pendelt mehrmals pro Woche der „RegioRadler"-Bus mit Radanhänger.

Von Armin Herb