Boppard: Kurtrierische Burg Boppard

Die Kurtrierische Burg in Boppard. Foto: Archiv

An keinem anderen Strom konzentrieren sich auf kurzer Strecke so viele Burgen, Schlösser und Festungen wie am Rhein. Die Kurtrierische Burg in Boppard ist ein besonders...

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Boppard. Das Rheintal rund um Boppard kann sich zurecht als Tal der Könige bezeichnen, denn an keinem anderen Strom konzentrieren sich auf kurzer Strecke so viele Burgen, Schlösser und Festungen. Sind es meist die weithin sichtbaren Höhenburgen, bietet Boppard mit der Kurfürstlichen Burg ein mittelalterliches Bollwerk direkt am Rheinufer. Boppard selbst ist eine verbandsfreie Stadt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal im Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Stadt ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und geprägt vom Weinbau.

Stadtbildprägend zeugt die massige Bauweise der Kurfürstlichen Burg mit dem wuchtigen Turm vom imponierenden Machtanspruch des Erbauers, Erzbischof Balduin von Trier. Die wehrhafte Anlage inmitten der Bopparder Altstadt erfüllte gleich mehrere Ziele, sollte sie doch das Territorium sichern, den Bürgern der Stadt gleichzeitig die Präsenz des Landesherrn vor Augen führen und nicht zuletzt den begehrten Rheinzoll wie Rheinwellen in die Kassen des Kurfürsten spülen.

Zollamt, Polizei und Strafanstalt fanden in der Burg Raum

Wie viele Burgen entlang des Rheins, erfuhr auch die Bopparder Burg wechselvolle Jahrhunderte – Zerstörungen und Erweiterungsbauten, Umwidmung und wechselnde Nutzung. In den dicken Mauern fanden Zollamt, Stadtgendarmerie und Polizeiinspektion, ferner Amtsgericht, Strafanstalt, Lazarett und Wohnstatt ihre Räume. Seit circa 100 Jahren ist sie Heimat des städtischen Museums mit einer Ausstellung zur Stadtgeschichte: Philipp Franz von Siebold (Japanforscher), Engelbert Humperdinck (Komponist), Heimatzeichnungen von Nikolaus Schladt (1835 - 1860), Rudolf Stang (Kupferstecher), Hans Jöres (Maler), Vor- und Frühgeschichte, Stadtgeschichte, Sakrale Kunst und Küferhandwerk. Auch der bekannteste Sohn der Stadt, Michael Thonet, mit seinen berühmten Bugholzmöbeln ist vertreten. Besonders sehenswert sind die Ausmalungen der einstigen Burgkapelle aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.

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Ein Wassergraben trennte ehemals die Burg von der Stadt

Um 1265 ließ König Richard von Cornwall in Boppard einen Turm zur Absicherung seiner Machtansprüche um die deutsche Königskrone gegenüber Alfons von Kastilien errichten. Dies belegen neuere bauhistorische Untersuchungen. Westlich des Turmes lies Kurfürst Erzbischof Balduin um 1335 eine Zwingburg zur Sicherung des Rheinzolls errichten. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr die Kurfürstliche Burg Zerstörung, Wiederaufbau, Umbau und Erweiterung. Die Kurfürstliche Burg ist eine Kastellburg. Ihre rechteckige, vierflügelige Anlage umgibt einen Innenhof. Der Bergfried ist teilweise in den Nordflügel integriert und besitzt über dem Gewölbekeller noch fünf Stockwerke. Auf der Südseite der Burg befinden sich zwei runde Ecktürme und in den Nordflügel sind zwei turmartige Eckgeschosse integriert. Dieser rheinseite Trakt besitzt westlich eine Verlängerung in der Breite des ehemaligen Wassergrabens. Der zwölf Meter breite und sechs Meter tiefe Wassergraben trennte so die Burg von der Stadt ab. Das westlich an die Burg angrenzende Zollhaus entstand wahrscheinlich ebenfalls im 14. Jahrhundert.

Seit 2009 wird die Burg im Rahmen des Welterbeprogramms des Bundes mit einem Kostenvolumen von insgesamt rund zehn Millionen Euro grundlegend saniert und restauriert, die Bauzeit soll in 2013 enden. Während der Bauzeit ist das Museum geschlossen. Darüber hinaus gelten die genannten Öffnungszeiten.