Andernach: Kurfürstliche Stadtburg Andernach

Reste der Stadtburg Andernach, Blick von Südost. Fotos: Holger Weinandt

Zugegeben - auch ohne Burg ist Andernach eine Reise wert. Wer jedoch hinfährt, sollte die Stadtburg nicht versäumen - sie zählt zu den besterhaltenen Ruinen am Mittelrhein.

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Andernach. Andernach ist ein gemütliches Einkaufsstädtchen mit Fußgängerzone und einem attraktiven Geschäfteangebot. Es liegt malerisch eingebettet am Rhein und hat mit seiner Stadtburg ein wahres Schmuckstück mittelalterlicher Architektur zu bieten. Viele Häuser und Geschäfte wurden bei der Stadtplanung in die Burg integriert, was das Gesamtbild der Kleinstadt noch attraktiver macht. Die Stadtburg, auch Kurfürstliches Schloss genannt, stammt aus dem 12. / 13. Jahrhundert und wurde ursprünglich als Wasserburg konzipiert - genau genommen als „kurkölnische Burg“ zur Kontrolle der Stadt Andernach seitens des Kurfürsten von Köln. Sie wurde auf Anordnung des Reichskanzlers und Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel, der Andernach mit Rheinzoll 1167 von Kaiser Friedrich I. als Geschenk für seine Kriegsdienste in Italien erhielt, geplant, entworfen und begonnen.

Der Wassergraben war bis zu 30 Meter breit

Die seltene, innerstädtische, parallelogrammförmig angelegte Wasserburganlage galt als die großartigste und mächtigste am Rhein. Sie bestand aus dem quadratischen, ursprünglich drei-, seit 1495 vierstöckigen Bergfried mit aufgestocktem Wachhaus, der als ältester Teil der Anlage gilt. Weiterhin aus vier Ecktürmchen mit integriertem Wehrgang und spitzem Zeltdach im Norden, einem nach Süden angeschlossenen, zweistöckigen Innentorbau sowie dem daran anschließendem Palasgebäude. Außerdem gehörte zur Burg ein seit 1495 daran angebauter mächtiger Rundturm mit Spitzkegeldach - der Pulverturm - ,der als Südostecke der Burg zugleich Wehrturm der Stadtmauer war. Die Burganlage war neben der hohen und bewehrten, in Fortsetzung der Stadtmauer verlaufend Außenmauer zusätzlich mit einer innerstädtisch die Burg gegen die Stadt abgrenzenden (teilweise erhalten) umlaufenden Mauer umgeben, dazu mit einem mehrere Meter tiefen, bis zu 30 Meter breiten Wassergraben. Die kurkölnische Burg wurde im 14. Jahrhundert mehrmals (wie im Jahre 1355) von freiheitsbestrebten, aufständischen Andernacher Zünften angegriffen und stark beschädigt, aber es gelang ihnen nicht, die Macht des Kurfürsten in Andernach zu brechen und ihn aus der Stadt zu vertreiben. Erst 1689 wurden Stadt und Burg von den Truppen Ludwigs XIV. größten Teils zerstört. Das im Mittelalter vorhandene Spitzdach des erhaltenen Bergfrieds wurde nach dem Abzug der Truppen erneuert, später erhielt er eine geschwungene barocke Haube (bis 1812), wie auf einigen Stichen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts zu sehen ist. Heute trägt der Turm ein flaches Zeltdach. Er ist das einzige, weitgehend in Takt gebliebene Gebäude der Burganlage und fand 1836 als Gefängnis, von 1911-1922 als Jugendherberge Verwendung, seit 2006 dient er als Trauzimmer. Die Jugendherberge wurde in den Runden Turm verlegt, wo sie in den Jahren 1922-1935 betrieben wurde, dann geschlossen wurde und später nochmals in den Jahren 1949-1961 der Jugend offenstand.

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Heute wird im Bergfried geheiratet

Der Pulverturm wurde erst in den 1980er Jahren instandgesetzt und erhielt, wie auch die erhaltenen dachlosen Mauertürme der Stadt außer dem intakten Dadenbergturm, dessen Helm als Vorbild diente, einen neuen, nun flachen Kegel-Helm. Im Mittelalter hatte er einen Spitzkegelhelm. In den Jahren 1955 und 1962 bis 1970 wurden im Schlossgarten die „Andernacher Burgspiele“ mit deutscher Spitzenbesetzung abgehalten. Andere Festlichkeiten werden in unregelmäßigen Abständen im Schlossgarten abgehalten, z. B. der „Andernacher Musiksommer“. Seit 2006 können Heiratswillige ihre Trauung im Trauzimmer des Bergfrieds vornehmen lassen. Die Stadt Andernach bietet verschiedene Themenstadtführungen an, bei denen zum Beispiel unter anderem unter dem Titel "Die wehrhafte Stadt" die Stadtmauer mit Stadtburg, Wassergraben, Türmen und Toren vorgestellt und der Runde Turm bestiegen werden.