Überschwemmungen: Feuerwehr nach Unwetter im Einsatz

Unwetter haben am Wochenende unter anderem in Winterbach zu Überschwemmungen geführt. Foto: Reinhard Koch

Dauereinsatz für viele Feuerwehren in der Region: Überschwemmungen und überflutete Ortsteile hielten die Einsatzkräfte am Samstagabend auf Trab.

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REGION. Wie bereits am Freitag ist es auch am Samstagabend in Rheinland-Pfalz und Hessen durch Unwetter zu vielen Einsätzen der Feuerwehr gekommen. Insgesamt koordinierte die Feuerwehrleitstelle nach eigenen Angaben am Nachmittag und Abend rund 50 Einsätze in der Stadt Mainz und den Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms.

Vollgelaufene Keller in Rheinland-Pfalz

Der Schwerpunkt mit 35 Einsätzen war dabei zwischen 20.15 Uhr und 21.45 Uhr innerhalb der Stadt Mainz abzuarbeiten. Besondere Schwerpunkte waren die Stadtteile Gonsenheim, Neustadt und Oberstadt.

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Zahlreiche Keller, Fahrbahnen und Unterführungen waren vollgelaufen und mussten leer gepumpt oder abgesichert werden. Hierzu waren neben der Berufsfeuerwehr fast alle freiwilligen Feuerwehren der Stadt im Einsatz.

Steigende Pegelstände

Etwa gegen 18.30 Uhr war das angekündigte Unwetter über den Landkreis Bad Kreuznach hinweggezogen. Sintflutartige Regenfälle sorgten binnen kürzester Zeit für schnell steigende Pegelstände bei fließenden und stehenden Gewässern. Das teilte die Kreisverwaltung Bad Kreuznach am Abend in einer Mitteilung mit.

Feuerwehren und Katastrophenschutz waren bis spät in die Nacht pausenlos im Einsatz. Die Alarmierung des Katastrophenschutzes erfolgte am Samstagabend um 19.32 Uhr. Infolge des Unwetters, das von starken Regenfällen begleitet über den Landkreis Bad Kreuznach hinweg zog, stiegen die Pegelstände fließender und stehender Gewässer vielerorts rasant an.

Betroffen hiervon waren insbesondere die Verbandsgemeinden Rüdesheim, Nahe-Glan und Langenlonsheim-Stromberg. Mancherorts überfluteten die Wassermassen ganze Ortsteile, so etwa in Gebroth, Winterbach oder Winterburg. Die Feuerwehren der betroffenen Gemeinden waren im Dauereinsatz, um gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk mittels Sandsäcken die Häuser der Menschen zu schützen oder vollgelaufene Keller auszupumpen. In Summe waren rund 500 Männer und Frauen aus insgesamt 50 Einheiten der verschiedenen Hilfs- und Rettungsorganisationen – von der Feuerwehr über das THW bis zu den Sanitätsorganisationen – im Einsatz.

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Waren die Gemeinden in der VG Rüdesheim bei den lokalen Unwettern am Freitag noch glimpflich davongekommen, traf es diesmal vor allem den Soonwaldrand sowie Ellerbachtal und Gräfenbachtal mit voller Wucht. „Ab 18 Uhr hatte sich ein ortsfestes Regenband mit Sturm und Gewitter über der nördlichen VG Rüdesheim festgesetzt.

Während das Gewitter schnell nachließ, regnete es mehrere Stunden ununterbrochen weiter. Auch die Kanalisation konnte die Mengen nicht mehr aufnehmen“, so Michael Ginz, stellvertretender Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der VG Rüdesheim. Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg und überfluteten mit ihrer dreckigen Brühe zahlreiche Ortslagen, Keller und tiefer gelegene Gebäudeteile.

Gegen 18.30 Uhr erfolgte die erste Alarmierung der Feuerwehren, in Dalberg war ein Keller vollgelaufen. In kurzer Folge informierte die Leitstelle die Feuerwehreinsatzzentrale im Rüdesheimer Feuerwehrhaus über weitere Notrufe. Wehrleiter Christian Vollmer koordinierte als Einsatzleiter die immer zahlreicher werdenden Einsatzstellen. Da die Böden von den vorherigen Regenfällen noch extrem nass und getränkt waren, konnten die neuen Regenfälle nicht versickern.

Bauunternehmen stellen Sandsäcke

Besonders stark getroffen wurden Winterbach und Gebroth. Dort ergoss sich die braune Brühe mit hoher Geschwindigkeit über Wald- und Feldwege in die Dörfer. Einen deutlichen Hinweis, was auf die Einsatzkräfte in den nächsten Stunden zukommen würde, vermittelte die erste Lagemeldung aus Gebroth: Die Lindenstraße war teilweise hüfthoch überflutet. Die Landesstraße 108 zwischen Winterbach und Winterburg war über mehrere Stunden unpassierbar.

Vor allem Sandsäcke wurden zum Schutz von Gebäuden, Hab und Gut benötigt. Die Bauunternehmen Bellmann aus Roxheim und Stallmann aus Ippenschied sowie Raiffeisen in Weinsheim stellten in Windeseile Sand zur Verfügung. Dort füllten Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW Bad Kreuznach die Säcke und transportierten sie an die Brennpunkte. Weitere gefüllte Jutesäcke lieferten die Feuerwehren Kirn und Idar-Oberstein. Vor Ort bauten die Helfer damit Barrieren vor Kellern, Garageneinfahrten oder lenkten die Wassermassen weg von gefährdeten Bereichen.

Die Besatzung der Feuerwehreinsatzzentrale im Rüdesheimer Feuerwehrhaus alarmierte den gesamten Abend über weitere Einsatzkräfte aus allen Teilen der Verbandsgemeinde nach. Denn auch in Wallhausen, Bockenau oder Rüdesheim hieß es Land unter. In Gebroth musste ein Bewohner mit Gehbehinderung aus seinem Haus in Sicherheit gebracht werden. Da das Wasser auf der Straße zu hoch stand, entschieden sich die Helfer für den Transport über eine Drehleiter, die Kameraden aus Bad Sobernheim kamen hier mit ihrem Spezialgerät zum Einsatz.

Wasser am Ellerbach steigt an

Während sich die Lage am Soonwaldrand gegen 23 Uhr entspannte, richtete sich der Blick von Vollmer und seinem Führungsteam auf die Unterläufe von Ellerbach und Gräfenbach. Regelmäßig wurden die Stände der zwischenzeitlich angewachsenen Bachläufe kontrolliert. Nach einem kurzzeitigen Anstiegs der Gräfenbachs konnte an dessen Verlauf schnell Entwarnung gegeben werden.

Anders stellte sich die Lage am Ellerbach dar. Im Bereich Ackvas Mühle bei Burgsponheim sorgte sich der Eigentümer aufgrund des immer stärker steigenden Wassers. Rasch verlegten die Kräfte auch hier einen Schutzwall rund um das Haus und verhinderten Sachschaden. Im weiteren Verlauf lag ein Hauptaugenmerk auf dem neuen Brückenbauwerk in Weinsheims Ortsmitte. Der Scheitel schob sich Zentimeter um Zentimeter an die Brücke und den Straßenrand. Auch hier schützten Sandsäcke die Ortsmitte. Dennoch drückte sich das Wasser durch einzelne Wände und setzte Keller unter Wasser, die schnell ausgepumpt werden konnten.

Wehrleiter Christian Vollmer wurde als Einsatzleiter an den einzelnen Einsatzstellen vom stellvertretenden Wehrleiter Jörn Trautmann und den Zugführern der Ausrückebereiche unterstützt. Das Führungsteam tauschte sich während des Einsatzes mit der Koordinierungsstelle des Katastrophenschutzes und Kreis-Feuerwehrchef Werner Hofmann aus. Dem Katastrophenschutz des Landkreises fiel derweil eine unterstützende Rolle zu. So richtete die Technische Einsatzleitung im Dienstleistungszentrum (DLZ) des Katastrophenschutzes in Rüdesheim eine Koordinierungsstelle ein, mit dem Ziel, einen Überblick zur Gesamtlage zu erhalten und die Kommunikation der im Einsatz stehenden Einheiten wo nötig zu optimieren.

Meldung über „KatWarn“

Das Team Medien, die Facheinheit für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, löste frühzeitig das Warnsystem „KatWarn“ aus, um die ortsansässige Bevölkerung über mögliche Gefahrenquellen zu informieren und der Situation angepasste Handlungsempfehlungen zu geben, wie etwa, Autofahrten zu vermeiden, da Straßen aufgrund der Hochwasserlage unpassierbar sein können.

Am gesamten Sonntag gingen die Aufräumarbeiten weiter, zudem investierten die Einsatzkräfte noch einige Stunden in die Reinigung ihrer Geräte. Allen ist mit Blick auf die Vorhersagen klar, die nächsten Unwetter-Einsätze könnten schon Anfang der Woche anstehen.

Wasser im Impfzentrum

Schon am Freitag kam es im Laufe des Nachmittags aufgrund eines Unwetters zu mehreren Einsätzen für Feuerwehr, Polizei und Straßenmeisterei. In Bad Sobernheim wurde die Monzinger Straße dabei so stark überflutet, dass die Wassermassen teilweise ins Landesimpfzentrum liefen.

Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindert werden. Der Impfbetrieb konnte wie geplant fortgeführt werden. Auch im restlichen Kreisgebiet mussten Feuerwehr und Straßenmeisterei überflutete und mit Schlamm und Gesteinsbrocken verschmutze Straßen reinigen.

„Ab ca. 18 Uhr hatte sich ein ortsfestes Regenband mit Sturm und Gewitter über der nördlichen VG Rüdesheim festgesetzt. Während das Gewitter schnell nachließ, regnete es mehrere Stunden ununterbrochen weiter. Auch die Kanalisation konnte die Mengen nicht mehr aufnehmen“, so Michael Ginz, stellvertretender Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der VG Rüdesheim. Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg und überfluteten mit ihrer dreckigen Brühe zahlreiche Ortslagen, Keller und tiefer gelegene Gebäudeteile.

Katastrophenschutz im Einsatz

Dem Katastrophenschutz des Landkreises fiel derweil eine unterstützende Rolle zu. So richtete die Technische Einsatzleitung (TEL) im Dienstleistungszentrum (DLZ) des Katastrophenschutz' in Rüdesheim eine Koordinierungsstelle ein; - mit dem Ziel, einen Überblick zur Gesamtlage zu erhalten und die Kommunikation der im Einsatz stehenden Einheiten wo nötig zu optimieren.

Der Einsatz des Katastrophenschutzes dauerte bis spät in die Nacht und konnte gegen 23:45 Uhr schließlich beendet werden. Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Werner Hofmann bedankte sich bei den überwiegend ehrenamtlich aktiven Einsatzkräften für die geleistete Arbeit. In Summe waren rund 500 Männer und Frauen aus insgesamt 50 Einheiten der verschiedenen Hilfs- und Rettungsorganisationen - von der Feuerwehr über das THW bis zu den Sanitätsorganisationen - im Einsatz

Auch die Feuerwehr der Stadt Alzey und des Landkreises Alzey-Worms war beim Unwetter und Starkregen im Einsatz, berichtete Kreisfeuerwehrinspekteur Michael Matthes. Insgesamt habe es von Freitagabend bis Sonntagmittag etwa 45 Einsätze der Rettungskräfte gegeben. Die meisten davon seien aber nicht besonders außergewöhnlich oder spektakulär gewesen.

„Wir wurden gerade in Alzey zu zahlreichen mit Wasser vollgelaufenen Kellern gerufen“, sagte Matthes. Bei den meisten dieser Einsätze musste die Feuerwehr aber gleich wieder abrücken. Die Regenfälle waren nicht stark genug und der Wasserspiegel zu niedrig, um die Pumpen einsetzen zu können.

Einsätze hielten sich "im Rahmen"

„In unserem Kreis hielt es sich weitestgehend im Rahmen“, so Matthes. Viel gravierender habe es dagegen den Kreis Bad Kreuznach und die Stadt Mainz erwischt, bemerkte der Kreisfeuerwehrinspekteur. Die meisten Einsätze außerhalb der Stadt Alzey seien am Samstag in der Region um Osthofen und in Westhofen zu verzeichnen gewesen. Außerdem gab es in der Verbandsgemeinde Monsheim insgesamt fünf Einsätze. „Unter dem Strich sind wir aber mit einem blauen Auge davon gekommen“, zeigte sich Matthes erleichtert.

Für Sonntag hat der DWD (Deutsche Wetter Dienst) einige Wolken und vor allem für die Osthälfte einzelne Schauer vorausgesagt, nachmittags können einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen werden. Es wird maximal 19 bis 23 Grad warm. In der Nacht zum Montag sinken die Temperaturen auf 16 bis 12 Grad bei bewölktem Himmel oder Regenschauern.

In Rheinland-Pfalz warnt der Deutsche Wetterdienst ebenfalls vor schweren Gewittern der Stufe 3 und 4.

Viele Feuerwehreinsätze in Hessen

Auch in Hessen hielt das Unwetter am späten Freitagabend die Feuerwehren im Landkreis Darmstadt-Dieburg bis zum Samstagmittag auf Trab. Zu mehr als 70 wetterbedingten Einsätzen rückten die ehrenamtlichen Feuerwehren aus, teilte das Amt für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst des Landkreises mit. Betroffen waren die Gemeinden Seeheim-Jugenheim, Alsbach-Hähnlein, Bickenbach und die Stadt Groß-Bieberau, wie es im Einsatzbericht heißt.

Straßen waren überflutet, Keller und Höfe liefen voll. Etwa 250 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Ab 22.50 Uhr am Freitagabend wurden sie alarmiert, allein in Seeheim mussten 20 Keller ausgepumpt werden. Besonders schlimm traf es wie schon häufiger bei Unwettern, die Darmstädter Straße im alten Ortskern von Seeheim. Sie war über einige Zeit mehrere Zentimeter hoch überflutet. Die Wassermassen liefen den Hang hinunter bis in den Ortskern, wo die Kanalisation sie nicht auffangen konnte.

Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert

Eine Verbindungsstraße zwischen Groß-Bieberau und Fischbachtal war zeitweise gesperrt, weil Schlamm die Fahrbahn blockierte. Die Aufräumarbeiten dauerten bis Samstagnachmittag. Auch Reinigungsfahrzeuge waren zum Beispiel in Seeheim unterwegs, um Straßen und Gehwege von Schlamm und Dreck zu befreien.

Einige Alarmierungen gingen bei den Freiwilligen Feuerwehren erst am Samstag ein, weil Hausbewohner erst dann den Wassereinbruch in ihren Gebäuden und auf ihren Grundstücken bemerkt hatten. Auch mehrere Bäume waren aufgrund der starken Windböen in der Nacht umgestürzt und hatten Straßen blockiert. Verletzt wurde durch das Unwetter niemand.