Bundesweiter Warntag am Donnerstag: Das erwartet uns

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Beim zweiten bundesweiten Probealarm am 8. Dezember sollen unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden, etwa Sirenen, Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über soziale Medien und Warn-Apps.

Am Donnerstag gibt es in Deutschland einen Probealarm. Eigentlich war der Test von Sirenen und Warn-SMS schon früher vorgesehen. Warum daraus nichts wurde und was nun geplant ist.

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Bonn/Wiesbaden/Mainz. Sirenen heulen und Handys schlagen gleichzeitig Alarm: Wenn alles klappt, soll das am Donnerstag in ganz Deutschland passieren. Mancherorts werden zudem Lautsprecherdurchsagen durch die Straßen hallen. Beim zweiten bundesweiten Warntag kommt die Warninfrastruktur auf den Prüfstand. Drei Monate später als ursprünglich geplant wird es um 11 Uhr einen Probealarm geben, den möglichst viele Menschen mitbekommen sollen.

Gewarnt wird über Radio und Fernsehen, digitale Anzeigetafeln, die Sozialen Medien und Warn-Apps. Das Sirenensignal für den Probealarm um 11 Uhr und die Entwarnung um 11.45 Uhr dauert jeweils eine Minute. Erstmals wird in Deutschland auch das neue System Cell Broadcast getestet, eine Warnmitteilung für Handys. Um die Nachricht zu erhalten, müssen Handys eingeschaltet sein und dürften sich nicht im Flugmodus befinden. Eine bestimmte App muss nicht installiert sein. Auf seiner Internetseite listet das zuständige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfangsfähige Geräte auf und beantwortet weitere Fragen zum Cell Broadcast sowie zum Warntag selbst.

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In Kombination mit herkömmlichen Instrumenten zur Warnung der Bevölkerung erhofft sich das BBK durch die neuen Mitteilungen an Mobiltelefone eine höhere Reichweite des Probealarms: „Durch Vielzahl und Vielfalt der Warnmittel wird sichergestellt, dass eine Warnung möglichst viele Menschen erreicht.“ Bis das neue Mitteilungssystem flächendeckend in Betrieb geht, wird es aber wohl noch bis Ende Februar dauern.

Vielerorts noch keine Sirenen installiert

Erklärtermaßen sollen am Warntag Lücken bei der Warninfrastruktur aufgedeckt werden. Im vergangenen Jahr war der Aktionstag ersatzlos gestrichen worden, nachdem es bei der Premiere 2020 massive technische Probleme gegeben hatte. Etwa wurden Sirenen zu spät oder gar nicht ausgelöst. Das BBK gelobt Besserung und erklärte, „Schwachstellen im Warnsystem“ seien identifiziert und „im Nachgang vom Betreiber behoben“ worden.

So lief der Warntag 2022 in Mainz:

So lief der Warntag 2022 in Wiesbaden:

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Getestet wird am Donnerstag auch die Funktion der Sirenen. Für deren Installation, Wartung und Instandhaltung sind Landkreise und Kommunen zuständig. Mancherorts gibt es jedoch bis heute keine entsprechende Infrastruktur, etwa auch in Rheinland-Pfalz. Dementsprechend werden am 8. Dezember nicht überall Warnsignale zu hören sein.

Im Katastrophenfall sind Kreise und Kommunen als untere Katastrophenschutzbehörden zunächst selbst für den Bevölkerungsschutz und die Gefahrenabwehr verantwortlich. Die Teilnahme am Warntag und die Erprobung der Warnmittel ist freiwillig. Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal mit 135 Toten steht die Aufrüstung der Warninfrastruktur in Deutschland besonders im Fokus. Damals war kritisiert worden, dass viele Bürger nicht rechtzeitig und nicht deutlich genug vor drohenden Überschwemmungen gewarnt worden waren.

Ebling besucht am Warntag das Ahrtal

„Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, zunehmend auftretende Extremwetterereignisse wie die Flut, die wir im Ahrtal erleben mussten, oder auch Waldbrände wie im vergangenen Sommer zeigen deutlich, dass wir uns auch in Deutschland verstärkt mit Katastrophenszenarien befassen müssen“, sagt der neue Innenminister von Rheinland-Pfalz, Michael Ebling (SPD). Er wird am Warntag im Ahrtal erwartet, wo insgesamt 86 neue Sirenen installiert wurden.

Bürgermeister Guido Orthen (CDU), (v.r.n.l.), Michael Ebling (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz und Cornelia Weigand (parteilos), Landrätin des Landkreises Ahrweiler stehen am Ufer der Ahr.
Bürgermeister Guido Orthen (CDU), (v.r.n.l.), Michael Ebling (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz und Cornelia Weigand (parteilos), Landrätin des Landkreises Ahrweiler stehen am Ufer der Ahr. (© dpa)

Wie viele dieser Anlagen es insgesamt im Land gibt, dazu lagen dem rheinland-pfälzischen Innenministerium auf Anfrage zuletzt keine Zahlen vor. Sirenen und andere Instrumente zur Warnung der Bevölkerung werden im Warnmittelkataster des BBK erfasst, das noch erstellt wird. Insgesamt werden in Rheinland-Pfalz rund 8,7 Millionen Euro für den Kauf von rund 750 neuen Sirenen investiert. Die Kosten teilen sich Bund und Land.

„Der Warntag soll erneut dazu beitragen, die Akzeptanz und das Wissen um die Warnung der Bevölkerung in Notlagen zu erhöhen“, sagt Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Das Land investiert nach Angaben seines Ministeriums in Wiesbaden knapp 8,5 Millionen Euro in die Verbesserung der Warninfrastruktur. Rund zwei Millionen Euro gibt das Land allein für die Modernisierung der 4500 Sirenen in Hessen aus. „Aufgrund beschränkter Kapazitäten der entsprechenden Fachfirmen“ würden sich die Arbeiten laut Innenministerium aber noch bis ins kommende Jahr ziehen.