Rufe nach Impfpflicht und Kontaktbeschränkung werden lauter

aus Coronavirus-Pandemie

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Das Logo und der Schriftzug der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hängen an einem Banner vor dem Gebäude.  Archivfoto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Immer mehr Vertreter von Politik und Wissenschaft drängen auf strengere Corona-Maßnahmen. Die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina will die Weihnachtsferien vorziehen.

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HALLE. In der Diskussion um strengere Corona-Regeln werden immer mehr Stimmen laut, die sich für eine allgemeine Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen einsetzen. Vor dem Hintergrund drastisch ansteigender Corona-Infektionen müssten Ungeimpfte motiviert oder in die Pflicht genommen werden, heißt es in einem am Samstag in Halle veröffentlichten Ad-Hoc-Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: "Nur so können die Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft vor weiteren desaströsen Folgen bewahrt werden."

Die Unterzeichner, darunter der Leiter der Virologie an der Charité Berlin, Christian Drosten, rufen dazu auf, bis Weihnachten neben Erst- und Zweit-Immunisierungen rund 30 Millionen Drittimpfungen zu ermöglichen. Um mehr Menschen die nötigen Dosen verabreichen zu können, müssten demnach andere medizinische Berufsgruppen wie Apotheker, Amtsärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte und Hebammen mit einbezogen werden. Zügig solle außerdem eine rasche Einführung einer berufsbezogenen Impfpflicht für Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachberufe sowie weiterer Multiplikatorengruppen umgesetzt werden, hieß es weiter.

Leopoldina fordert vorgezogene Weihnachtsferien

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt angesichts des dynamischen Corona-Infektionsgeschehens zudem sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen. "Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren", heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. "Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen."

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Mit Blick auf Kinder und Jugendliche empfiehlt die Leopoldina vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Tests mindestens dreimal pro Woche. Während des gesamten Aufenthalts in den Schulen sollten Lehrer und Schüler aller Klassenstufen Masken tragen. "Eine Aussetzung der Präsenzpflicht und ein Wechselunterricht an Schulen sowie die Schließung von Kitas sollten möglichst vermieden werden."

Auch der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zeigte sich offen für eine allgemeine Impfpflicht. "Ich befürchte, dass eine Impfpflicht gesellschaftlich spaltet. Aber eine nicht enden wollende Pandemie spaltet auch", sagte er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). Er wünsche sich, dass der Ethikrat sich jetzt intensiv unter anderem mit der Frage beschäftige, welche Sanktionen greifen könnten, wenn man einer künftigen Impfpflicht nicht nachkäme.

Ethikrats-Mitglied Andreas Lob-Hüdepohl warnte indessen bei der Behandlung von Corona-Patienten vor einer Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften. "Auch ein Mensch, der noch so frevelhaft gelebt hat, verwirkt nicht sein Grundrecht auf medizinische Versorgung", sagte der Sozialethiker und Mitglied des Deutschen Ethikrates am Samstag dem Bayerischen Rundfunk (BR): "Daran müssen wir festhalten." Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 71,1 Prozent mindestens einmal.

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Forderung nach weitreichender Maskenpflicht

Der Leiter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), schließt einen Lockdown für Ungeimpfte nicht mehr aus. Wenn sich jemand bewusst gegen den Schutz einer Impfung entscheide, dann müsse er damit leben, dass an diese freie Entscheidung auch Folgen geknüpft seien, sagte er im Interview mit dem "Bonner General-Anzeiger" (Samstag). Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 71,1 Prozent mindestens einmal. Die Physikerin Viola Priesemann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sprach sich zudem für eine weitreichende Maskenpflicht in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und auch an Schulen aus.

Das RKI meldete am Samstag 67.125 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, lag im bundesweiten Schnitt bei 444,3. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt deutschlandweit derzeit 5,97.

Söder: Leopoldina-Vorgaben ein "Warn- und Weckruf an Berlin"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Empfehlung der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina für sofortige Kontaktbeschränkungen auch für Corona-Geimpfte als "einen Warn- und Weckruf an Berlin" bezeichnet. "Die Lage ist ernster, als die meisten glauben", sagte Söder der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.

"Und Omikron könnte zu einer neuen Bedrohung werden", betonte er im Hinblick auf die im südlichen Afrika neu entdeckte Virusvariante. "Wir sollten daher die Hinweise der Leopoldina sehr ernst nehmen und rasch beraten", sagte Söder.

Von dpa und epd