Patrick Meyer betreibt die einzige Reptilienauffangstation in...

Zwar kein Notfalltier, sondern Patrick Meyers privates Haustier: Aber das Pantherchamäleon zieht die Blicke vieler Besucher auf sich. Foto: Lukas Görlach

Wenn Reptilien beschlagnahmt werden, kann das verschiedene Gründe haben. Doch wohin mit den Tieren? Eine Anlaufstelle ist das Poecitarium in Polch.

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POLCH. Im Garten von Patrick Meyer plätschert bei 32 Grad das Wasser im Koiteich friedlich vor sich hin. Kaum zu glauben, dass ein falscher Schritt tödlich enden könnte – zwar nicht für den Besucher, aber für eine der Landschildkröten, die frei im Garten herumlaufen. „Ich passe schon genau auf, wo ich hintrete. Hier ist auch alles ausbruchssicher, keine Ritze ist breiter als fünf Zentimeter“, berichtet der Leiter von „Poecitarium“, der einzigen Reptilienauffangstation in Rheinland-Pfalz.

Doch spätestens in den Räumlichkeiten, in denen sich Vogelspinnenterrarium an Vogelspinnenterrarium bis unter die Decke reiht, wird klar: So geht es auf Dauer nicht weiter. „Über kurz oder lang müssen wir im Industriegebiet eine Halle mieten“, sagt er. Die Nachfrage sei so groß, dass er gar nicht mehr aufhören könne und die Einrichtung aus allen Nähten platze. Zur Zeit betreibe er die Station in Polch unterstützt durch seine Freundin noch im eigenen Haus.

Viele Tierheime im Land ungeeignet

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Meyer steht mitten in seinem Garten und nicht nur die Tattoos auf seiner Haut zeugen von seiner Liebe zu den Reptilien. Hier dreht sich alles um Tiere, die beschlagnahmt, abgegeben oder ausgesetzt wurden, wenn nicht sogar ihre Halter überlebt haben. „Tierheime dürfen in der Regel keine Reptilien aufnehmen, machen es aber trotzdem“, sagt er. „Und die Kreisverwaltung hält die Füße still, damit sie ja nichts bezahlen müssen.“ Bezahlen. Das ist meist der Punkt, an dem eine Kooperation zwischen ihm und den Behörden scheitere. „Früher habe ich die Tiere kostenlos aufgenommen. Aber mittlerweile kosten mich allein die über 1000 Tiere um die 1000 Euro an Futter, Strom- und Heizkosten im Monat.“ Dafür, dass die Kreisverwaltung oft keinerlei Kosten übernehmen möchte, hat er kein Verständnis: „Es gab Fälle, da wurde ein beschlagnahmtes Reptil einfach an eine Zoohandlung verschenkt.“

Doch es gibt Meyer zufolge auch erfreuliche Ausnahmen: „Altenkirchen hat einen Kaiman beschlagnahmt und zu mir gebracht, da war die Kostenübernahme von deren Seite direkt okay.“

Kurz darauf schiebt er ein Gitter von einer Wanne im Garten, direkt neben dem Teich. Unter einer Styroporplatte haben zwei kleine Alligatoren Schutz vor der Sonne gesucht. „Der zweite ist mein Haustier“, erklärt Meyer und fischt einen der beiden mit geübtem Griff aus der Wanne. „Die können richtig beißen“, kommentiert er das aufgebrachte Zischen des Tieres, ehe er es wieder in die Wanne setzt – und kommt auf ein weiteres Streitthema zu sprechen: „Die Hälfte der Tiere, die ich habe, wäre in Bayern verboten.“ Und in Rheinland-Pfalz? Hier könne jeder ein gefährliches, giftiges Reptil erstehen und legal halten. „So ein Kaiman ist im Internet bestellbar mit einer Lieferzeit von drei Tagen. Dann steht der vor der Tür.“ Um so ein Tier weiterzuvermitteln, sei der richtige Halter gefragt. „Es gibt Tiere, die müssen hier bleiben. Aber 90 Prozent kann ich vermitteln. Manche bleiben halt ein bis zwei Jahre hier. In der Regel sind es drei bis sechs Monate – und ich schaue mir die neuen Halter genau an.“

Meyer, der Metallbauer lernte und zuvor bei Amazon tätig war, kümmert sich mittlerweile Vollzeit um die Tiere, finanziert die Auffangstation mit privaten Geldern und über Spenden. „Ich wollte unbedingt was mit Tieren machen, das andere war nichts für mich.“ Dass er einerseits gebraucht werde, andererseits die wenigsten Kommunen die Unterbringung der Tiere bezahlen möchten, ärgert ihn: „Ich kämpfe hier mittlerweile wirklich um Unterstützung.“

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Reptilienzoo mit Auffangstation geplant

Eine Kooperation zwischen Auffangstationen und Umweltministerium ist einer Behördensprecherin zufolge allerdings nicht vorgesehen. „Es gibt jedoch die Möglichkeit, Förderungen in Anspruch zu nehmen.“

Um diese zu bekommen, müsse Meyer einen Förderantrag stellen. Dieser liege noch nicht vor. Denkbar seien laut Ministerium eine Förderung des Ehrenamts im Tierschutz und eine Förderung durch den Naturschutz, wenn es um heimische Arten wie die Sumpfschildkröten geht. Hier müsse allerdings die Wiederauswilderung das Ziel sein.

Während im Spinnenraum tropisch-schwüles Klima herrscht, ist es im Garten fast schon angenehm. Drei Chamäleons sonnen sich in ihren Gehegen. „Mir schwebt ja für die Zukunft eine Art Reptilienzoo zum Durchgehen mit integrierter Auffangstation vor. Da können sich Interessenten direkt mit den Tieren vertraut machen, die für sie in Frage kommen“, sagt Meyer.

Von Sonja Ingerl