Darmstädter Ärzte geben Tipps zum Umgang mit Corona

aus Coronavirus-Pandemie

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Um die Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen, setzt eine Darmstädter Praxis auf einen neuen Behandlungsablauf. Das CoV-2-Virus nutzt Zellen als Wirt und programmiert sie neu, um sich zu vermehren.  Foto: Torsten Boor

Bei einem Verdacht auf das Coronavirus sollte man nicht sofort zum Hausarzt gehen, raten Experten. Wie man das Virus erkennt und sich im Falle einer Ansteckung verhalten soll.

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. Die Hausärztin Bettina Mensing erlebt derzeit einen Patienten-Ansturm. "Wir kämpfen an der Front", sagt sie beim Infoabend des Klinikums Darmstadt am Montag. In dieser Jahreszeit sorgten Erkältung, grippale Infekte und Grippe für volle Wartezimmer. Das neue Coronavirus jedoch verunsichere die Menschen. "Die Panik ist enorm, das erleben wir täglich in der Praxis." Der Rat der Ärztin aus Riedstadt-Goddelau und ihren Kollegen aus dem Klinikum: "Keine Panik - aber mehr Aufmerksamkeit." Hier die Antworten der Experten:

Was ist der Unterschied zwischen Erkältung, Grippe und einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2-Virus)?

Bei einer Erkältung beginnt die Erkrankung langsam, die Beschwerden dauern eine Woche. Symptome sind Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur. Bei einer Grippe ist der Krankheitsbeginn schnell. Auffällig ist ein starkes Krankheitsgefühl. Beim Coronavirus kann es bis zu 14 Tage dauern, bis erste Symptome auftreten. Die Betroffenen sind wahrscheinlich schon während der Inkubationszeit infektiös. Bei den Symptomen können Durchfall, Atemnot oder Lungenentzündung dazukommen.

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An wen kann man sich wenden, wenn man sich einfach nur Sorgen macht und Infos braucht?

Erstmal bei der Hotline des Hessischen Sozialministeriums anrufen und sich beraten lassen (0800-5 55 46 66, täglich von 8 bis 20 Uhr). Wenn weitere Infos benötigt werden, den Hausarzt anrufen oder außerhalb der Sprechzeiten den Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117). Viele Informationen findet man auch im Internet unter www.infektionsschutz.de oder auf www.rki.de.

Was tun, wenn man Angst hat, sich angesteckt zu haben - aber keine Krankheitssymptome hat?

"Bei einem Verdacht nicht in die Hausarztpraxis gehen, sondern erstmal dort anrufen", rät Bettina Mensing. Die Arzthelferinnen seien geschult worden, die richtigen Fragen zu stellen. Sie lauten: Haben Sie sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten? Hatten Sie Kontakt zu einer infizierten Person? Und leiden Sie unter Symptomen wie Fieber, Husten oder Atemnot? "Wenn diese Fragen mit ja beantwortet werden, sollte der Hausarzt aufgesucht werden", sagt Sabine Jobmann. Die Direktorin der Zentralen Notaufnahme am Klinikum sieht ihre Einrichtung nicht als erste Anlaufstelle: Dort geht es um die richtig schweren Fälle.

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Was geschieht mit mir, wenn ich Krankheitssymptome habe und der Verdacht einer Infektion mit dem Coronavirus besteht?

"Wir bestellen die Patienten nach der Sprechstunde ein", sagt Bettina Mensing. Sie müssen ihre Hände desinfizieren, bekommen eine Atemmaske, die sie anziehen müssen und werden in einem separaten Raum untersucht. Dort wird dann auch der Rachenabstrich gemacht. Ihr Team trägt, wie auch die Mitarbeiter im Klinikum in solchen Fällen, Kittel, Handschuhe und Masken, um sich selbst zu schützen. Parallel dazu wird das Gesundheitsamt über den Verdacht informiert. Bis die Ergebnisse des Abstrichs aus dem Labor vorliegen - es kann bis zu 48 Stunden dauern - rät die Hausärztin den Patienten, zuhause zu bleiben und den Kontakt mit anderen Personen zu meiden.

Was, wenn eine Infektion bestätigt wurde und das Gesundheitsamt eine 14-tägige Quarantäne anordnet. Wer versorgt die Betroffenen dann?

"Wenn wir Leute absondern, müssen wir auch sicherstellen, dass sie dann auch genügend zu essen und trinken haben und die Medikamentenversorgung steht", erklärt Jürgen Krahn, Leiter des Gesundheitsamtes für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg. "Es ist ein Komplettpaket", sagt Krahn. Dies bedeute aber auch für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ein enormes Arbeitspensum.

Haben wir eine Epidemie oder eine Pandemie?

Das Coronavirus ist nicht örtlich begrenzt: "Wir sind bereits mitten in einer Pandemie, und zwar in einer Phase des Containment", sagt Jürgen Krahn. Das heißt, es werden Maßnahmen zum Verhindern der Ausbreitung getroffen. Dazu zählen die Identifizierung und das Screening von Verdachtsfällen, die Isolierung von Erkrankten, das Aufdecken von Infektionsketten und das Absondern von Kontaktpersonen. "Wir sind mit Ärzten in Kliniken und Praxen in Absprache."