Worms: Retter suchen nach vermisstem Schwimmer im Rhein

Helfer am Rheinufer suchten nach dem Vermissten  und kümmerten sich um Angehörige. Foto: Alessandro Balzarin

Eine Woche nach dem tödlichen Badeunfall zweier Mädchen bei Rheindürkheim mussten Retter am Samstag erneut nach einem vermissten Schwimmer suchen.

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WORMS. Erneut wird eine Person im Rhein vermisst, die Feuerwehr geht davon aus, dass sie nicht mehr zu retten ist. Es handelt sich nach den bisherigen Erkenntnissen um einen 39 Jahre alten Mann aus Pakistan. Er war mit seiner Familie, der Ehefrau und drei kleinen Kindern, am Samstagnachmittag ziemlich genau an der Stelle im Wormser Vorort Rheindürkheim an der Sandbank, wo vor zehn Tagen zwei kleine afghanische Mädchen ertrunken waren.

Der Mann, der wohl nicht schwimmen konnte, war an der Sandbank zwischen den Buhnen ein Stück ins Wasser hinein gegangen. Was genau sich dann abspielte, ist noch nicht bekannt, vermutlich hat die Strömung ihm die Beine weggerissen. Jedenfalls war der Mann plötzlich verschwunden. Die Rettungskräfte waren erneut mit einem riesigen Aufgebot vor Ort, rund 150 Mann waren im Einsatz, berichtete der Chef der Wormser Feuerwehr, Klaus Feuerbach.

Auch Boote der benachbarten Wehren im Sucheinsatz

Zahlreiche Boote der umliegenden Wehren aus Hamm, Eich, Gernsheim oder Lampertheim suchten den Rhein ab, auch der Hubschrauber war wieder im Einsatz, die Ludwigshafener Feuerwehr schickte die Taucher, die die Buhnen absuchten. Gegen 15.40 Uhr hatte der Einsatz begonnen, gegen 18 Uhr musste er ohne Erfolg abgebrochen werden.

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Klaus Feuerbach musste der völlig verzweifelten Frau, die ein wenig Deutsch verstehen konnte, dann sagen, dass eine weitere Suche keinen Sinn mehr macht und ihr auch erklären, was nun vermutlich weiter passiert. „Ich musste der Frau sagen, dass es keine echte Chance mehr für ihren Mann gibt“, so der erkennbar mitgenommene Feuerchef Klaus Feuerbach. Auch der Kriseninterventionsdienst war erneut vor Ort und kümmerte sich so weit es ging um die Familie.

Erholungsuchende auf der Sandbank

Auch an diesem Wochenende waren wieder eine Reihe Erholungsuchende an der Sandbank nördlich Rheindürkheim, etwa 15 Personen waren zum Zeitpunkt des Unglücks dort.

Jahr für Jahr müssen die Feuerwehr oder der DLRG ausrücken, weil Menschen die Gefahren des Stromes unterschätzen. Dabei ist die Zeit der alles entscheidende Faktor. „Was sollen wir da machen“, so Feuerbach, „wir sind einfach zu spät in solchen Fällen“, sagt er aus der Erfahrung auch der vergangenen Einsätze heraus. Vielleicht drei Minuten hält es ein Mensch unter Wasser aus, ein paar weitere Minuten besteht die Chance zur Wiederbelebung, so Feuerbach. Doch in diesen wenigen Minuten hat kein Helfer die Chance, am Einsatzort zu sein. Wenn jemand in einem fließenden Gewässer wie dem Rhein in die Strömung gerät, ist die einzige Chance zu überleben, dass derjenige es irgendwie schafft, über Wasser zu bleiben. Die Lebensretter raten dann dringend dazu, nicht zu versuchen, zurückzuschwimmen, sondern sich mit der Strömung treiben zu lassen und zu versuchen, langsam zum rettenden Ufer zu gelangen.

Erst vor zehn Tagen, am Freitag, 3. August, waren zwei afghanische Mädchen im Rhein ertrunken. Sie hatten an den Buhnen gespielt, das kleinere Mädchen war dabei ins Wasser gestürzt, das ältere wollte ihr helfen und war dabei ebenfalls in die Strömung geraten.

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Der Bruder der Mädchen wollte den beiden noch helfen, musste aber mit ansehen, wie sie abtrieben. Auch bei diesem Großeinsatz musste die Feuerwehr am Abend ohne Erfolg abbrechen. Die Mädchen am nächsten Tag bei Biebesheim und bei Groß-Rohrheim aufgetaucht und mussten tot geborgen werden. Am Freitag wurden sie auf dem muslimischen Gräberfeld auf dem Wormser Hauptfriedhof beigesetzt.