Nach Unfall auf der A5: Feuerwehr übergibt Bilder von...

Die Polizei will Autofahrer zur Rechenschaft ziehen, die auf der A5 Rettungsarbeiten behindert haben, weil sie die Rettungsgasse (Bild) blockierten.  Archivfoto: ARCD
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Die Polizei will Autofahrer zur Rechenschaft ziehen, die eine Rettungsgasse auf der A 5 bei Weiterstadt blockiert haben. Damit wurde der Einsatz von Notarzt und Feuerwehr...

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DARMSTADT. Die Polizei will Autofahrer zur Rechenschaft ziehen, die eine Rettungsgasse auf der A 5 bei Weiterstadt blockiert haben. Damit wurde der Einsatz von Notarzt und Feuerwehr behindert. Die mögliche Strafe ist allerdings nicht sehr hart. Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von 20 Euro belegt ist.

Einsatzkräfte der Mörfelder Feuerwehr waren - wie berichtet - am Mittwochnachmittag ausgerückt, weil ein Arbeiter bei einem Sturz von einem Baugerüst schwer verletzt worden war. Der 49 Jahre alte Mann war auf einem gesperrten Abschnitt der Autobahn von einer Brücke fünf Meter tief auf die Fahrbahn gefallen.

Um den Verletzten zu bergen und die Landung eines Rettungshubschraubers zu ermöglichen, war die Autobahn in Fahrtrichtung Süden vorübergehend voll gesperrt worden. Ein Polizeiwagen mit dem Signal "Bitte Rettungsgasse bilden" bahnte zwei Rettungswagen eine Furt durch den Stau.

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Wie Feuerwehrsprecher Theo Herrmann dem ECHO berichtete, seien zehn bis 15 "Schlaumeier" auf die Idee gekommen, hinter dem Rettungskonvoi herzufahren, um schneller durch den Stau kommen. Diese Autos blockierten dann den Weg für drei weitere Fahrzeuge der Mörfelder Feuerwehr und den Notarztwagen.

Die Helfer mussten nach den Schilderungen Herrmanns aussteigen und sich zu Fuß zum Unfallort durchschlagen. Besonders schlimm: Als sie die Autofahrer, die die Rettungsgasse blockierten, auf ihr Fehlverhalten hinwiesen, seien sie ausgelacht und angepöbelt worden, sagte Herrmann.

Die Feuerwehrleute aus Mörfelden haben nach der Rettungsaktion Fotos von den Blockade-Autos gemacht und diese am Freitag an die Autobahnpolizei geschickt. Das Polizeipräsidium Südhessen wird nun auf Grundlage der Schilderungen und der Beweisfotos entscheiden, ob gegen die Autofahrer ein Verfahren eingeleitet wird. Kommt es dazu, werden die Unterlagen zur Bußgeldstelle nach Kassel geschickt.

Wie Polizeisprecher Bernd Hochstädter mitteilt, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Wer auf der Autobahn trotz stockenden Verkehrs keine Rettungsgasse bildet oder den Weg für Einsatzfahrzeuge nicht freigibt, muss mit einem Bußgeld von 20 Euro rechnen.

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Etwas härter können Autofahrer bestraft werden, die im Windschatten von Rettungsfahrzeugen durch den Stau kommen wollen: Ihnen drohen ein Bußgeld von 100 Euro und ein Punkt in Flensburg - weil sie andere Fahrzeuge rechts überholt haben.

Auch auf der A 5 hatten sich die meisten Fahrer richtig verhalten und ihr Auto zur Seite gesteuert. Aber die Rücksichtslosigkeit der Drängler in der Rettungsgasse hätte schlimme Folgen haben können. "Wenn jemand eingeklemmt ist, geht es um Minuten", sagte Herrmann und fügte hinzu: "Bis wir uns durch den Stau gekämpft haben, ist der verblutet."

Polizeisprecher Hochstädter ist nach eigenen Worten davon überzeugt, dass die meisten Autofahrer nicht in böser Absicht handeln, wenn sie es versäumen, eine Rettungsgasse zu bilden. "Sie denken nur nicht rechtzeitig daran", sagte er. Und dann gebe es oft keinen Platz mehr, um auszuweichen.

Von Rainer H. Schlender