Majestätischer Mordversuch in Mannheim?

Von sicht selbst behauptet der Angeklagte, Sohn eines nigerianischen Königs zu sein. In Mannheim steht der Asylsuchende nun wegen einer mutmaßlichen Messerattacke vor Gericht.

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MANNHEIM. Er riskierte sein Leben, um von Nigeria nach Europa zu fliehen. Der Grund für die Flucht klingt abenteuerlich. Er sei der Sohn eines Königs, sagte der Angeklagte. Nach dessen Tod habe er eigentlich dessen Thron besteigen sollen. Doch das hätten seine Landsleute verhindert. „Die wollen mich umbringen und verwenden schwarze Magie.“ Nun steht der vermutlich 30-jährige Asylsuchende selbst wegen Mordversuchs vor dem Mannheimer Landgericht.

Auseinandersetzung mit Mitbewohner

„Ich grüße die Kammer und habe dem deutschen Staat zu danken“, sagte er beim Prozessauftakt. Ob er damit das Schwurgericht milde stimmen kann, ist fraglich. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer. Laut Anklage hat er versucht, einen Mitbewohner in einer Mannheimer Erstaufnahmeeinrichtung zu töten. Unvermittelt habe er Anfang Oktober von hinten auf den Kopf des 44-Jährigen eingestochen. Der Afrikaner fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein. Die stark blutende Wunde am Ohr wurde in einer Klinik genäht. Die Tat am Abend des 2. Oktober hatte offenbar eine Vorgeschichte. Einige Tage zuvor sollen die beiden Männer in ihrem Zimmer bereits aneinandergeraten sein, das sie sich teilten. Der 44-Jährige habe nachts laute Musik gehört und ihm klar gemacht, dass er der „Chef“ sei, behauptete der Angeklagte. Daraufhin sei es zu einer Schlägerei gekommen. Beide wurden dabei verletzt. Zwei Tage verbrachte der Angeklagte in einer Klinik. Dann kehrte er zurück und bezog einen anderen Raum. Am Tattag habe er noch seine Sachen aus dem früheren Zimmer holen wollen. Das habe seinem früheren Mitbewohner nicht gepasst. „Er fing an, mit mir zu kämpfen.“ Er habe sich gewehrt, bestreitet aber, zugestochen zu haben. „Ich habe nie ein Messer benutzt.“ Der Kontrahent sei nur von seinem Ring getroffen worden. Allerdings wurde ein blutverschmiertes Messer auf dem Flur gefunden. Und für das Opfer besteht kein Zweifel: „Er hat mich plötzlich von hinten mit dem Messer gestochen.“ Die Auseinandersetzung einige Tage zuvor schilderte er so: Er sei an dem Abend in das Zimmer gekommen, in dem der Angeklagte bereits schlief. Als der 44-Jährige das Licht anmachte, habe es sein Mitbewohner wieder ausgemacht. Beide hätten sich daraufhin geprügelt. Direkt vor dem Messerangriff sei es zu keinem weiteren Streit gekommen.

Der Angeklagte besuchte eigenen Angaben zufolge zwölf Jahre die Schule und begann danach ein Ingenieursstudium, das er nach zwei Jahren aufgab. Er sei der Sohn eines Königs, der 2005 verstorben sei. „Nach dessen Tod sollte ich den Thron übernehmen.“ Und damit auch dessen gesamten Besitz. Doch die „Community“ habe dies verhindern wollen. Weil er um sein Leben fürchtete, sei er 2016 von Libyen auf die Insel Lampedusa geflüchtet. Im März 2018 sei er mit dem Zug nach Deutschland gereist. Er gab zunächst an, 1996 geboren zu sein. „Plausibel ist das nicht“, befand Erster Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge. Darauf revidierte der Mann seine Angaben: „Ich bin 30 Jahre. Das ist mein echtes Alter.“

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Von Ulrich Willenberg