Diskussion um Nutzung der Multihalle in Mannheim

Die Multihalle mit ihrer Holzgitterschalen-Konstruktion ist in die Jahre gekommen. Foto: Gerold

Wie geht es weiter mit dem sanierungsbedürftigen Siebzigerjahrebau in Mannheim? Ideen für die Nutzung der Multihalle sammelten nun die Mannheimer.

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MANNHEIM. Die für die Bundesgartenschau 1975 von den Architekten Frei Otto und Carlfried Mutschler gebaute Multihalle ist mit ihrer Holzgitterschalen-Konstruktion ein einzigartiges Architekturdenkmal. Mit ihrer organisch gerundeten Formensprache gilt die freitragende Halle als markantes Beispiel der architektonischen Tendenzen der 1970er Jahre. Inzwischen wäre eine Sanierung fällig. Doch wie kann man die Halle künftig nutzen? Drei Tage lang diskutierten nun die Bürger.

Das Aufregende und Einzigartige an der Halle, ihre frei geschwungenen Formen, ist auch ihr größtes Manko. Über der Konstruktion aus Holzlatten gibt es nur eine dünne Dachhaut aus Kunststoff. Wärmedämmung? Fehlanzeige. Der riesige Innenraum ist damit nicht beheizbar. Veranstaltungen außerhalb der warmen Jahreszeit sind deshalb kaum möglich. Das ist ein wesentlicher Grund, warum die Halle etwas in Vergessenheit geraten ist. Für eine mögliche Sanierung gibt es seit dem 2017 erstmals positive Ansätze. Die von einem Gutachter ermittelten Sanierungskosten von etwa 11,6 Millionen Euro könnten vielleicht durch die Stadt, Bundes- oder Landesförderung sowie einem neuen Verein in Verbindung mit einer großen Spendenkampagne geschultert werden.

Inzwischen macht sich auch die Architektenkammer Baden-Württemberg für das Kulturdenkmal stark. Als wesentlicher Punkt für den Erfolg einer Spendenkampagne gilt aber das Nutzungskonzept. Bereits im Frühjahr 2017 trafen sich Fachleute zu einer Ideenwerkstatt. Nun waren die Bürger und Stadtteilbewohner an der Reihe. In einer Stadtteil-Konferenz am Mittwoch diskutierten Bewohner des Stadtteils Herzogenried und sammelten Vorschläge. „Das war sehr gut. Hier haben Menschen miteinander diskutiert, die sonst nie zusammengekommen wären“, zog Quartiermanagerin Jennifer Yeboah zum Abschluss am Freitag ein positives Fazit. Ein großes Thema sei gewesen, Räume zu schaffen – Räume für viele einzelne Gruppen. Vorstellbar wäre eine Nutzung als Spiel/Sport-Park. Inline-Skaten, BMX-Radfahren, Klettern, Rollhockey und vieles mehr könnte hier funktionieren. Unter der Überschrift „UrbanUtopiaLAB standen am Donnerstag in der Diskussion mit Experten der Fachhochschule Darmstadt eher gesellschaftspolitische Ansätze im Mittelpunkt.

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„Die Multihalle war 1975 von Frei Otto gedacht als Ort der Freiheit für die Bürger“, regte Mannheims Baubürgermeister Lothar Quast an, die „in der Architektur enthaltenen Ideale wieder aufzunehmen“. In diesem Sinne könnte die Halle wieder zu einem „offenen Ort“, zu einem „Raum der Möglichkeiten“ werden. Ein Vorschlag laute, sie zum Ort der stadtgesellschaftlichen Begegnung, und der Demokratie zu machen, meinte Quast. Denn trotz digitalem Zeitalter würden analoge öffentliche Räume benötigt. „Die Halle ist eine Multifunktionshalle“, stellte Christina West von der Hochschule Darmstadt dagegen ganz praktisch fest, dass in der großen Halle auch verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig funktionieren. Als Experimentierraum, Lernort für Schulen und Hochschulen, jede Veranstaltung sollte möglich bleiben, lautete ihre Empfehlung. Wie Quast ankündigte, wird im Frühjahr ein Ideenwettbewerb für Architekten veranstaltet. Wie er vorab verriet, soll in eine neue Richtung gedacht werden. Verfolgt werden soll von den Architekten das Konzept eines „Raums im Raum“, mit dem Einbau eines neuen umschlossenen Raums innerhalb der Halle, der klimatisierbar und folglich vielseitig nutzbar wäre. Der Rest der Halle böte immer noch genug Platz für andere Nutzungen, etwa im Bereich Sport und Freizeit, so die Überlegung.