Ermittlungen nach Todesfall: Smudo verteidigt Luca-App

Rapper Smudo hat öffentlichkeitswirksam Werbung für die Luca-App gemacht, hinter deren Entwicklung auch seine Band “Die Fantastischen Vier” steht.  Archivfoto: dpa

Nach der unrechtmäßigen Datenabfrage durch Mainzer Strafverfolgungsbehörden steht die Luca-App in der Kritik. Auch Smudo musste sich viel Spott anhören. Nun reagiert der Rapper.

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MAINZ. Politiker, die zum Deinstallieren der Luca-App aufrufen, eine behördliche Überprüfung auf Betreiben des rheinland-pfälzischen Justizministeriums und des Landesdatenschutzbeauftragten: Die unrechtmäßige Datenabfrage aus der Luca-App durch Mainzer Strafverfolgungsbehörden für Ermittlungen in einem Todesfall schlägt hohe Wellen. Jetzt meldet sich Rapper Smudo zu Wort: Gegenüber der „Bild“-Zeitung verteidigt der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Michael Bernd Schmidt heißt, die Luca-App. Hinter deren Entwicklung stehen neben dem Berliner Start-up culture 4 life auch Kulturschaffende wie Smudos Band „Die Fantastischen Vier“. „Ich halte es für verantwortungslos, dass ein Aufruf von ein bis zwei mir bisher nicht bekannten Politikern dazu führen könnte, dass mitten in der pandemischen Lage Menschen die Luca-App löschen“, sagte der 53-Jährige. Die App unterstütze Behörden wirksam dabei, Infektionsketten zu unterbrechen, dies sei vor gerade dem Hintergrund der Omikron-Virusvariante wichtig. Die App treffe keine Schuld, sagte Smudo, der sich in sozialen Medien viel Spott stellen musste.

Die Luca-App stand seit ihrer Entwicklung immer wieder in der Kritik, mal wegen Sicherheitslücken, dann wegen der von vielen Gastronomen als unsinnig kritisierten Schlüsselanhänger für die smartphonefreie Luca-Nutzung.

„Zugriff auf Daten erhält man nur, wenn Nutzer, Gesundheitsamt und das Lokal gemeinsam ihre Schlüssel teilen“, sagte Luca-Mitentwickler Smudo im Gespräch mit „Bild“. „Wir als Luca-System sind außen vor und können in dem Prozess keine Daten lesen.“ Ähnlich hatte sich am Wochenende bereits das Unternehmen culture 4 life geäußert: Daten aus der App könnten nur bereitgestellt werden, wenn Gesundheitsamt und Betrieb im Infektionsfall gleichzeitig ihr Einverständnis erteilten und ihre individuellen Schlüssel anwendeten, um die Daten zu entschlüsseln – diese seien dann nur für das jeweilige Gesundheitsamt einsehbar. Im Mainzer Fall habe wohl das zuständige Gesundheitsamt Mainz-Bingen auf Druck oder Bitten der Polizei einen Infektionsfall simuliert und das Einverständnis des Betriebs auf Bereitstellung der Daten eingeholt. „Wir verurteilen diesen Missbrauch der für den Infektionsschutz erhobenen Daten der Luca-App und begrüßen die Ankündigung der Staatsanwaltschaft Mainz, hinsichtlich der Rechtslage zu sensibilisieren und die Daten nicht weiter zu verwenden.“

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Wie berichtet war in der Nacht auf den 30. November ein 39-Jähriger vor einem Lokal an der Ecke von Großer und Kleiner Langgasse mit schweren Kopfverletzungen gefunden worden, an deren Folgen er wenige Tage später verstarb. Ermittler gehen derzeit von einem Sturz aus und wollten mit der unrechtmäßigen Datenabfrage potenzielle Zeugen ausfindig machen. Das rheinland-pfälzische Justizministerium habe nun einen Bericht der Staatsanwaltschaft Mainz angefordert und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz als unmittelbar vorgesetzte Behörde mit der Prüfung des weiteren Vorgehens beauftragt, hieß es am Montag. Der Datenschutzbeauftragte des Landes, Dieter Kugelmann, sagte auf Anfrage, er werde ein förmliches Verfahren einleiten, um eine Rechtswidrigkeit des Behördenhandelns zu prüfen und bei Bedarf eine Beanstandung auszusprechen. Er bezeichnete das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Gesundheitsamt als „besorgniserregend“ mit Blick auf die Unkenntnis der Behörden über die aktuelle Rechtslage.