Reichelsheimer Gemeindearchivar wird 90 Jahre alt

Meterweise Akten über Regionalgeschichte bewahrt Ernst Hieronymus, der am Montag 90. Geburtstag feiert. Foto: Kirsten Sundermann  Foto: Kirsten Sundermann

Kompetent auf vielen Gebieten und stets hilfsbereit – das ist der frühere Lehrer und Schulleiter von Beerfurth, Ernst Hieronymus. Am Montag, 13. März, vollendet er sein 90....

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BEERFURTH. Kompetent auf vielen Gebieten und stets hilfsbereit – das ist der frühere Lehrer und Schulleiter von Beerfurth, Ernst Hieronymus. Am Montag, 13. März, vollendet er sein 90. Lebensjahr – und hält sich weiterhin kerzengerade, zeigt sich humorvoll und geistig wie körperlich beneidenswert fit.

Geboren wird er als Jüngster von drei Geschwistern in Weiten-Gesäß. Er ist erst sieben Jahre alt, als sein Vater stirbt. Da müssen die Kinder früh ran, um der Mutter in der Landwirtschaft zu helfen. Auf Empfehlung seines Lehrers besucht Hieronymus dennoch später die Lehrerbildungsanstalt in Darmstadt/Bensheim, wird dann aber 1944 zum Kriegsdienst eingezogen. Beim Bombenangriff auf Bruchsal wird er verschüttet und verwundet, kann sich aber retten und kehrt zu Fuß nach Hause zurück.

Seinen Bildungshunger hat er sich auch in den harten Nachkriegsjahren bewahrt. In der „Realgymnasialen Aufbauschule“ in Darmstadt/Traisa holt er sein Abitur nach und arbeitet als „Schulhelfer“ im Odenwald. 1949 beginnt er ein Pädagogik-Studium in Jugenheim, das er 1952 abschließt. Erste Wikungsstätte ist die Grundschule Beerfurth. Und dort gefällt es ihm so gut, dass er 1978 die Leitung übernimmt und bis heute dort wohnt.

Schon 1946 hatte er „bei einer Tanzmusik“ seine Sophie aus Momart kennen und lieben gelernt. Geheiratet wird aber erst 1952, nachdem die Ausbildung beendet ist. 1953 wird Sohn Ernst-Otto geboren, 1958 Tochter Heidrun. 1965 baut sich die Familie ein Haus in der Pfalzstraße und genießt neben der Natur das gute Verhältnis zu den Nachbarn. Die kümmern sich notfalls direkt um ihn: „Schullehrer, du brauchscht e Auto“, befindet etwa der „Seiheiner“ mal und schleppt ihn umgehend zum Gebrauchtwagenmarkt.

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Vielfältig sind die Ehrenämter, die Hieronymus übernahm. So war er (beispielsweise) Kirchenvorsteher in Beerfurth, Ortsgerichtsvorsteher, Schiedsmann und Ortsvorsteher, außerdem von 1965 bis 2000 Phänologischer Beobachter für das Wetteramt Offenbach. Seit 1972 ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter im Heimatmuseum Reichelsheim und seit 1991 Gemeindearchivar. Neben Verdienstplaketten der Heimatgemeinde und der goldenen Ehrennadel der Kriegsgräberfürsorge erhielt er 1987 den Ehrenbrief des Landes.

Verdient gemacht hat er sich überdies um die Heimatkunde. Er schrieb über Begräbnisplätze, die Wasserversorgung oder das Schicksal der Juden in Pfaffen-Beerfurth und gab 1997 das „Reichelsheimer Sagen- und Geschichtsbuch“ heraus. Bekannt wurde er zudem als hilfsbereiter „Übersetzer“ Tausender Feldpostbriefe und anderer alter Aufzeichnungen in lesbare Druckschrift. Die Übertragung des Reichenberger Gerichtsbuchs (1691 bis 1803) beschäftigte ihn vier Jahre lang.

Die Lektüre der Tageszeitung gehört für den überzeugten Odenwälder zum täglichen Ritual; auch die Gartenarbeit macht ihm Freude. Feiern will der Jubilar im Kreis der Familie samt Sohn, Tochter, fünf Enkeln und fünf Urenkeln.