Windräder bei Vielbrunn: Bürgergruppen kritisieren Behörden

Nach Überzeugung von Bürgerinitiativen in Vielbrunn und Würzberg war der Baubeginn für zwei Windräder bei Vielbrunn nur möglich, weil Behörden Bedenken hintanstellten.

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VIELBRUNN. Windkraftgegner aus Vielbrunn und Würzberg fühlen sich erneut von den Behörden im Stich gelassen. Mit einem entsprechenden Statement für die Betroffenen hat Hans-Joachim Büchs reagiert und damit seine ersten Aussagen zum Baubeginn für das zweite Windräder-Areal auf dem Höhenzug vertieft („Hochbau-Betrieb im Felgenwald“, Ausgabe vom 8. September).

Adressat der Kritik ist das Darmstädter Regierungspräsidium (RP), das nun auch ein zweites Gutachten ignoriert habe, in dem vor einer Verunreinigung des Tiefbrunnens von Vielbrunn gewarnt wird. Bereits in ihrer Empfehlung vom 19. August 2016 war Inga Schlösser-Kluger vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG, Wiesbaden) zu dem Ergebnis gekommen: „Es ist eine Einzelfallprüfung erforderlich“, da der Standort auf Schutzgebietsflächen liege. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten durch das RP Darmstadt, das ungeachtet dessen mit seiner Baugenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz Fakten schuf.

Gutachten ist von den Bürgern selbst bezahlt

„Das neue Gutachten wurde von Spenden der Bürger aus den vier Ortschaften bezahlt. Hier wird sowohl die verstärkte Nitratbildung durch Bodenbelichtung (massives Abholzen) und vor allem das Auslaugen von Chromaten aus den Betonfundamenten beschrieben“, fasst Büchs zusammen. Der Verfasser Dr. Alexander Stahr (Taunusstein) macht mit Zink und Strontium weitere gesundheitsgefährdende Metalle aus und kommt zu dem Ergebnis, dass „im Hinblick auf die Grund- beziehungsweise Trinkwasserqualität (…) hinsichtlich der Schwermetallproblematik bei der Errichtung von WKA im Wald mit sauren bis stark sauren Böden (…) keinerlei gesicherte wissenschaftliche Studien vorliegen“.

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Im Auftrag der Bürgerinitiativen hat der Reichelsheimer Architekt Heinrich Schäfer Anfang August Landrat Frank Matiaske als Dienstherr der Bauaufsicht und Wasserbehörde dazu aufgefordert, Betonproben von den Fundamenten nehmen zu lassen und einer bauchemischen Untersuchung zu unterziehen. Drei Wochen später bekam er die Aufforderung zur Antwort, sich an die Obere Wasserbehörde beim RP zu wenden, die für die wasserrechtliche Überwachung zuständig sei.

Dazu Büchs: „Laut Genehmigung vom Dezember 2016 ist die Untere Baubehörde beim Landratsamt für die Bauaufsicht zuständig.“ Versäumnisse sieht er auch in Michelstadt. Die zuständigen Stadtwerke hätten es bei Inbetriebnahme des Tiefbrunnens vor mehr als zehn Jahren unterlassen, das Gelände zum Wasserschutzgebiet erklären zu lassen. Aus der Antwort des Landrats geht hervor, dass jetzt „die Stadt Michelstadt einen Antrag auf Ausweisung eines entsprechenden Schutzgebiets gestellt hat“.